Migrantische Medizin- und Pflege-Fachkräfte und Patient/innen im institutionellen Wandel

Die Zahl der berufstätigen ausländischen Ärztinnen und Ärzte stieg innerhalb von zehn Jahren von etwa 15.000 im Jahr 2005 auf knapp 38.000 im Jahr 2015. 30.000 von ihnen arbeiten im stationären Bereich. Herausfordernd können neben Sprachbarrieren, differierenden Ausbildungsinhalten und Vorkenntnissen auch kulturelle Besonderheiten hinsichtlich des Hierarchieverständnisses oder des Kommunikationsstils sein. Als mögliche Hürde gilt auch die Sensibilisierung von Führungskräften für verschiedene kulturelle Hintergründe.

Zugleich steigt die Zahl der Behandlungsfälle aufgrund des demographischen Wandels. Dabei zählt der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen mit Migrationshintergrund zu der am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppe bei gleichzeitig erhöhten Gesundheits- und Pflegerisiken infolge prekärer Lebensbedingungen und riskanter Arbeitsbelastungen.

Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan an der FOM Hochschule und Direktor des Instituts für Gesundheit & Soziales (ifgs), fasst die Problematik alltagspraktisch zusammen: „Grüßt eine Pflegekraft die Patienten mit ‚Mehrhaba‘, wenn sie das Patientenzimmer mit türkischen Patienten betritt? Wie verhält sich ein Arzt bei der Visite, wenn der Patient gerade betet? Das ist nur ein kleiner Teil von Fragen, die heute zum normalen Alltag in Krankenhäusern und Pflegeheimen gehört.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fokussiert aufgrund dieser Problematik im Forschungsrahmenprogramm „Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ die Themen „Migration und gesellschaftlicher Wandel“ sowie „Diversität und institutioneller Wandel durch Zuwanderung“. Um der Problematik entgegenzuwirken, fördert das BMBF das Forschungsprojekt „Teilhabe durch soziokulturelle Öffnung? (Post-) migrantische Fachkräfte und Patienten im institutionellen Wandel am Beispiel von Medizin und Pflege“, kurz ToP.

Ziel des Projekts ist, den Wandel institutioneller Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen unserer postmigrantischen Gesellschaft in den Mittelpunkt zu stellen. Beteiligt sind PD Dr. phil. Liane Schenk vom Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité-Universitätsmedizin Berlin als Verbundleitung, PD Dr. med. Meryam Schouler-Ocak von der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus als Projektpartner, Prof. Dr. David Matusiewicz vom ifgs der FOM Hochschule als Projektpartner sowie die Alexianer GmbH, die Dachgesellschaft der Alexianer-Einrichtungen, und weitere als Praxispartner.

Derzeit arbeiten die Forschungs-Teams regional aufgeteilt in Essen und Berlin an einer Primärdatenerhebung sowie Dokumentenanalyse. Die Ergebnisse der Studie sollen nach und nach publiziert werden.

Das Vorhaben „Teilhabe durch soziokulturelle Öffnung? (Post-) migrantische Fachkräfte und Patienten im institutionellen Wandel am Beispiel von Medizin und Pflege“ (FKZ 01UM1810BY) wird im Rahmen des Programms „Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“, Richtlinie zur Förderung der Maßnahme „Migration und gesellschaftlicher Wandel“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) der Europäischen Union gefördert.

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