Migräne – Schutz oder Risiko für die Gefäße?

Mit dem Preis in Höhe von 40.000 Euro fördert das BIH medizinische Forschungsprojekte, bei denen Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigt werden. Er wird am 24.9.2019 in Berlin verliehen.

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die mit erheblichen Kopfschmerzen und anderen Einschränkungen einhergeht. Rund 12% der Bevölkerung sind davon betroffen, Frauen trifft es drei- bis viermal so oft wie Männer. Migräne ist mit vielen anderen Erkrankungen assoziiert, etwa mit Depression, Schlafstörungen oder Epilepsie, und sie ist ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Etwa ein Viertel aller Betroffenen hat mindestens eine Migräneattacke pro Woche und kann in dieser Zeit nicht zur Arbeit gehen. Damit sind auch die gesellschaftlichen und finanziellen Auswirkungen immens!

In früheren Untersuchungen von Antoinette Maassen van den Brink aus Rotterdam und Tobias Kurth von der Charité-Universitätsmedizin Berlin zeigte sich, dass der Zusammenhang von Migräne, vaskulärer Gesundheit, und kardiovaskulären Ereignissen komplex ist. Da die Migräne bei vielen Patient*innen nur während eines Teils des Lebens aktiv ist, spielt auch der Migräneverlauf eine wichtige Rolle. Die Forscher*innen vermuten, dass aber auch andere Faktoren die Migräne und das vaskuläre System beeinflussen. Dies wollen die Wissenschaftler*innen nun in weiteren Studien erforschen, in Rotterdam mit funktionellen Studien im Labor, und in der Charité mit einer neuerlichen epidemiologischen Auswertung der „Women´s Health Study“, die seit 1993 die Gesundheit von Frauen, die im Gesundheitssektor tätig sind, untersucht.

„Mit diesen Untersuchungen wollen wir herausfinden, wie der Verlauf der Migräne mit dem Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen zusammenhängt und inwiefern reproduktive Faktoren eine Rolle spielen“, sagt die Preisträgerin Antoinette Maassen van den Brink. „Und damit hoffentlich auch neue präventive Ansätze identifizieren, um das Herz-Kreislauf-Risiko für Patientinnen zu reduzieren.“ Tobias Kurth von der Charité ergänzt: „Unsere Kooperation wird auch eine wichtige translationale Brücke zwischen der Grundlagenforschung und der epidemiologischen, Bevölkerungs-bezogenen Wissenschaft bauen und so hoffentlich betroffenen Frauen bestmöglich helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen.“

Über die Preisträgerin:

Dr. Antoinette Maassen van den Brink ist Professorin für Pharmakologie im Department für Innere Medizin im Erasmus Medical Center, Rotterdam, in den Niederlanden. Sie untersucht die neurovaskulären Aspekte von Migräne, mit einem speziellen Fokus auf die Rolle der weiblichen Sexualhormone bei der Krankheitsentwicklung. Ihre Forschung ist translational angelegt mit in vivo tierexperimentellen Arbeiten, menschlichen Gewebemodellen, als auch klinischen Studien. Sie ist leitendes Mitglied der niederländischen Kopfschmerzgesellschaft, der niederländischen Pharmakologischen Gesellschaft und Gründungsmitglied der niederländischen Gesellschaft für Geschlecht und Gesundheit. Außerdem ist sie Mitglied im Vorstand der Europäischen Kopfschmerzgesellschaft sowie der Vereinigung der Europäischen Pharmakologischen Gesellschaften. Für ihre Forschungen erhielt sie viele Preise, darunter von der Amerikanischen Kopfschmerzgesellschaft, der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft, der Niederländischen Herz-Stiftung und der Niederländischen Gehirn-Stiftung. Sie ist Herausgeberin des Buches “Gender and Migraine”, das im Springer Verlag erschienen ist.

Über den Preis:

Das Berlin Institute of Health (BIH) vergibt 2019 zum zweiten Mal den „BIH Excellence Award for Sex and Gender Aspects in Health Research”. Der Preis soll die Sichtbarkeit von Geschlecht und Geschlechterfragen in der translationalen Forschung verbessern. Er würdigt herausragende Forschungsleistungen von Wissenschaftler*innen auf dem Gebiet der Biomedizin, die das Geschlecht und / oder geschlechtsspezifische Aspekte in ihre Forschung einbeziehen. Der Preis berücksichtigt sowohl die Bedeutung der Forschung der / des Antragstellenden als auch die zukünftige Kooperation mit einem Partner aus dem BIH, der Charité oder dem Max-Delbrück-Centrum (MDC). Indem das BIH die Expertise des Preisträgers / der Preisträgerin nach Berlin holt, bringt es diese mit Mitarbeiter*innen des gemeinsamen Forschungsraums des BIH zusammen. So entsteht ein gemeinsames Forschungsprojekt, das der Mission des BIH dient und sich auf Geschlecht- und / oder Genderaspekte in der Forschung konzentriert.

Der Gewinner / die Gewinnerin erhält insgesamt 40.000 € – 10.000 € für eigene Forschungsaktivitäten an der Heimathochschule und 30.000 € für das gemeinsame Forschungsprojekt mit dem / der Berliner Partner*in, das bevorzugt zur Betreuung eines Nachwuchswissenschaftlers / einer Nachwuchswissenschaftlerin eingesetzt wird, zum Beispiel für ein Stipendium für eine Promotion.

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Über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung | Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu erhalten. Mit translationaler Forschung und Innovationen ebnet das BIH den Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.
Kontakt
Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Kommunikation & Marketing
+49 (0) 30 450 543019
s.seltmann@bihealth.de

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