Migräne oder Kopfschmerzen – was ist der Unterschied?

Migräne oder Kopfschmerzen – was ist der Unterschied?

Zu wenig Flüssigkeit, zu viel Alkohol oder eine Erkältung: Kopfschmerzen hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt. Migräne dagegen ist eine spezielle Form von Kopfweh, der andere Ursachen zugrunde liegen. Doch worin besteht der genaue Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen? Ein Blick auf die Symptome kann Aufschluss geben.

Arten von Kopfschmerzen

Es gibt insgesamt 250 verschiedene Formen von Kopfweh.[1] Diese wiederum werden grob in zwei Hauptkategorien eingeteilt: die Primären und die Sekundären Kopfschmerzen.

Von der Primären Form sprechen Experten zum Beispiel bei Spannungskopfschmerzen. Dabei handelt es sich um ein dumpfes, drückendes Gefühl, das sich über den gesamten Kopfbereich verteilen kann. Als Ursache hierfür gilt beispielsweise eine verspannte Schulter-Nacken-Muskulatur. Darüber hinaus gibt es Clusterkopfschmerzen, die sich durch einen extrem starken, einseitigen Schmerz bemerkbar machen. Wissenschaftler erforschen weiterhin die genauen Gründe für die Entstehung dieser Erkrankung. Bekannt ist, dass Faktoren wie Alkohol oder Nikotin die Entstehung begünstigen können. Darüber hinaus zählt auch Migräne zu den Primären Kopfschmerzarten. 

In die Gruppe der Sekundären – auch symptomatischen – Kopfschmerzen fallen alle Beschwerden, die als Folge einer anderen Erkrankung, wie etwa einer Erkältung oder Bluthochdruck, auftreten. 

Da es aber unter Umständen schwierig ist, all die Arten zu unterscheiden, kann ein spezieller Test „Migräne oder Kopfschmerzen?“ einen ersten Hinweis auf die Kopfwehvariante geben.

Symptome von Kopfschmerzen

Bei Primären Kopfschmerzen gibt es Symptome, die abhängig von der genauen Art der Beschwerden sind. Mögliche Begleiterscheinungen bei Spannungskopfschmerzen sind zum Beispiel Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit. Bei Clusterkopfschmerzen treten eindeutigere Symptome auf. Dazu zählen unter anderem

  • Tränenfluss,
  • gerötete Augen sowie Bindehaut,
  • verengte Pupillen, 
  • verstopfte Nase, 
  • Schwitzen im Gesicht, 
  • Schwellung des Augenlids und 
  • allgemeine körperliche Unruhe. 

Clusterkopfschmerzen lassen sich somit relativ gut von anderen Formen unterscheiden. 

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur einfaches Kopfweh. Vielmehr handelt es sich dabei um eine neurologische Erkrankung, die mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einhergeht. Sie tritt phasenweise auf, weswegen viele Betroffene von einer Attacke oder einem Anfall sprechen. Die Ursachen von Migräne werden weiterhin erforscht. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass eine genetische Veranlagung bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt. Darüber hinaus wird eine Überaktivität im Hirnstamm (zwischen Rückenmark und Großhirn) vermutet. Eindeutige Beweise gibt es für diese Annahmen allerdings noch nicht. 

Was aber Umfragen zufolge bekannt ist: 14,8% der Frauen und 6,0% der Männer leiden in Deutschland an Migräne.[2] Der Grund, warum weibliche Patienten überwiegen, könnte mit hormonellen Schwankungen zusammenhängen. Demnach leiden Frauen um die Menstruation herum vermehrt an schweren Attacken.

Migräne wird häufig durch sogenannte Trigger hervorgerufen. Darunter verstehen Experten bestimmte Auslöser, die zu einem Anfall führen können. Mögliche Trigger sind beispielsweise:

  • Wetterumschwung
  • Stress
  • hormonelle Veränderungen
  • bestimmte Lebensmittel (etwa Käse oder Zitrusfrüchte)
  • Medikamente

Trigger sind bei jedem Patienten spezifisch und können manchmal nicht wissenschaftlich eindeutig belegt werden. So ist es zum Beispiel beim Auslöser „Wetter“. In zahlreichen Gesundheitsumfragen gaben Migräne-Patienten einen starken Anstieg oder Abfall des Luftdrucks als Auslöser für ihre Attacken an. Dennoch steht dieser Triggerfaktor weiterhin in der Diskussion, da ein kausaler Zusammenhang bisher fehlt.

Symptome von Migräne: Die machen den Unterschied

Am besten lässt sich die Frage „Migräne oder Kopfschmerzen?“ in Hinblick auf die Symptome beantworten. Eine Migräne-Erkrankung liegt in der Regel dann vor, wenn die Beschwerden mindestens fünfmal (auf die gesamte Lebenszeit bezogen) auftreten.2 Migräne-Schmerz wird folgendermaßen charakterisiert:

  • einseitig (in der linken oder rechten Kopfhälfte)
  • pulsierend oder pochend
  • moderate oder schwere Intensität 
  • Verstärkung durch körperliche Aktivität

Zusätzlich können Begleiterscheinungen mit den Schmerzen auftreten. Als typische Symptome von Migräne gelten Übelkeit und/oder Erbrechen sowie Geräusch- und Lichtüberempfindlichkeit.

Durch den intensiven, einseitigen Schmerz und die begleitenden Symptome lässt sich eine Migräne für gewöhnlich gut von normalen Kopfschmerzen unterscheiden. Letztendlich kann aber nur ein Mediziner – in dem Fall ein Neurologe – die Beschwerden am besten einordnen und eine Migräne diagnostizieren.

Migräne mit Aura: Weitere neurologische Symptome

Eine noch eindeutigere Unterscheidung von Migräne oder Kopfschmerzen ist bei einer zusätzlichen Aura möglich. Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Arten von Migräne. Darunter zählt die sogenannte Migräne mit Aura – oder auch klassische Migräne genannt. Nach der einfachen Variante (ohne Aura) ist sie die zweithäufigste Migräneform. Dabei treten zusätzlich zu den bereits aufgeführten Symptomen weitere neurologische Beschwerden auf. Diese können sein:

  • Flimmern oder Blitze vor den Augen 
  • Sehen von Zickzack-Linien
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Schwäche auf einer Körperseite
  • Lähmung oder Taubheitsgefühl eines Armes oder Beines
  • „Ameisenlaufen“ in den Gliedern
  • Schwindel
  • Sprachstörungen

Eine solche Aura dauert für gewöhnlich rund 30 Minuten und geht dem eigentlichen Migräneschmerz voraus.[3] Die Antwort auf die Frage „Handelt es sich um Migräne oder Kopfschmerzen?“ fällt bei den besagten Symptomen somit leichter. 

In jedem Fall sollten Betroffene mit entsprechenden Beschwerden einen Hausarzt aufsuchen. Dieser überweist den Patienten nach einer ersten Untersuchung bei Bedarf an einen Neurologen. Der Fachmann leitet eine geeignete Behandlung in die Wege, die aus einer Verschreibung von passenden Schmerzmitteln für den Akutfall und einer Migräneprophylaxe bestehen kann. Bei Letzterem handelt es sich zum Beispiel um das Führen eines Migränetagebuchs, um potenzielle Trigger ausfindig zu machen und zukünftig zu vermeiden. 


[1] Barmer: Pressemitteilung BARMER Arztreport 2017 (10.06.2021).

[2] Robert Koch Institut: Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. (10.06.2021).

[3] Neurologen und Psychiater im Netz(10.06.2021).

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