MHH-Freunde fördern Forscher

Hohe Auszeichnungen für Forscherinnen und Forscher: Die Gesellschaft der Freunde der MHH e.V. (GdF) hat während ihrer gestrigen Jahresversammlung vier Preise verliehen – den Sir-Hans-Krebs-Preis (10.000 Euro), den Mukoviszidose-Preis (5.000 Euro), den Hans-Heinrich Niemann-Preis (2.500 Euro) sowie den Arnold-Spiegel-Promotionspreis (2.000 Euro). MHH-Präsident Professor Dr. Michael P. Manns überreichte die Preise gemeinsam mit der GdF-Vorsitzenden Dr. Cornelia Goesmann.

„Wir fördern die MHH breitgefächert“, betonte Dr. Goesmann vor den Mitgliedern im Hörsaal H, „von Reise-Stipendien für Studenten oder finanzielle Unterstützung für StrukMed-Studierende über Projekte in der Zahnklinik oder das Comprehensive Cancer Center bis zur neuen Studentische Poliklinik.“ Der MHH-Präsident bedankte sich: „Wir sind der Freundgesellschaft sehr sehr dankbar für ihr Engagement.“ Die Gesellschaft der Freunde der MHH hat mehr als 600 Mitglieder, verwaltet verschiedene Stiftungen und unterstützt jedes Jahr Forschungsprojekte mit insgesamt bis zu 1,2 Millionen Euro.

Dr. rer. nat. Markus Abeln erhält den Sir-Hans-Krebs-Preis

Mit dem Sir-Hans-Krebs-Preis, gestiftet von der Gesellschaft der Freunde der MHH e.V. in Höhe von 10.000 Euro, soll eine herausragende, in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlichte Arbeit der medizinischen Grundlagenforschung ausgezeichnet werden. In diesem Jahr geht der Preis an Dr. rer. nat. Markus Abeln, MHH-Institut für Klinische Biochemie, für seine Arbeit „Sialic acid is a critical fetal defense against maternal complement attack“, veröffentlicht in ´The Journal of Clinical Investigation`, Januar 2019. Jede Zelle ist außen durch einen dichten „Zuckerwald“ begrenzt, in der Fachsprache Glykokalix genannt. Als äußerste Struktur einer Zelle ist die Glykokalix das erste worauf andere Zellen treffen. Auch wenn seit vielen Jahren bekannt ist, dass die Sialinsäure, ein Zuckerbaustein, der in der der Glykokalix häufig der äußerste Bestandteil ist, eine besondere Bedeutung in der Regulation des Immunsystems hat, so sind viele Mechanismen bislang unbekannt. Um tieferen Einblick zu erhalten, stellte Dr. Markus Abeln eine genetisch veränderte Maus her, in welcher die Sialinsäure an der Zelloberfläche vollständig fehlt. Tiere mit diesem Defekt wurden nicht geboren, sondern starben schon früh in der Schwangerschaft. Die Analyse zeigte Wachstumsverzögerungen und Zeichen einer Immunreaktion gegen den Embryo. Ein bestimmter Teil des mütterlichen Immunsystems, das sogenannte Komplementsystem, attackiert die Sialinsäure-negativen Embryonen. Betroffen von der Komplementreaktion war insbesondere die sich entwickelnde Plazenta. An der gesunden Plazenta konnte Dr. Markus Abeln zeigen, dass die Zellen der Grenzschicht zwischen Mutter und Embryo sehr viel Sialinsäure tragen und diese die Aktivierung des Immunsystems verhindert. Fehlt die Sialinsäure, wird der Embryo als fremd erkannt und abgestoßen. Bedeutsam ist, dass die Befunde im Mausmodell auch zur Erklärung einer beim Menschen auftretenden Schwangerschaftskomplikation, der Präeklampsie, beitragen können. Daher geht Dr. Abeln jetzt der Frage nach, ob bei der Präeklampsie eine fehlerhafte Präsentation von Sialinsäure auf der Oberfläche der Plazenta nachweisbar ist.

Dr. med. vet. Antje Munder wird mit dem Mukoviszidose-Preis geehrt

Der Mukoviszidose-Preis, gestiftet von der Mylan Healthcare GmbH, in Höhe von 5.000 Euro geht in diesem Jahr an Dr. med. vet. Antje Munder, MHH-Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie, Forschergruppe Pseudomonas Genomics and Molecular Pathology of Cystic Fibrosis für ihre Arbeit „Self-assembled peptide-poloxamine nanoparticles enable in vitro and in vivo genome restoration for cystic fibrosis“. Bei der Erbkrankheit Mukoviszidose sind zugleich mehrere Organsysteme betroffen, vor allem aber die Atemwege. In der Lunge sammelt sich zäher Schleim an, der einen optimalen Nährboden für Bakterien bietet. CF-Patienten leiden oft unter schweren Infektionen, Lungenentzündungen und einem fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion. Da der Erkrankung nur ein einziges Gen zugrunde liegt, hat es bereits zahlreiche Versuche einer Gentherapie gegeben, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Dr. med. vet. Munder versuchte in ihrer Studie, das gesunde Gen in Mäusen, die eine CFTR-Mutation besitzen, mittels Nanopartikeln einzuschleusen. Es wurde direkt in die Atemwege eingebracht und die Integration des Gens über einen sogenannten Reporter, der an das CFTR-Gen gekoppelt war, überprüft. Mit einer Spezialkamera konnten sie das Signal des Reporters in den Lungen der Mäuse aufnehmen und so eine stabile Integration des Zielgenes in die DNA der behandelten Tiere nachweisen. Der nicht-virale Vektor wies dabei praktisch keine toxischen Effekte oder erhöhte Entzündungsanzeichen in den Lungen der Versuchstiere auf und zeigte ein sicheres Integrationsmuster. Die Autorin der Studie betrachtet die verwendeten Nanopartikel daher als vielversprechenden Ansatz einer innovativen Gentherapie für die Mukoviszidose. „Möglich war die Realisierung dieser Studie im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Joseph Rosenecker von der LMU München nur durch eine ausgezeichnete Zusammenarbeit verschiedener Institute auf dem MHH-Campus“, bedankte sich Dr. Munder.

Dr. rer. nat. Ramona Businger erhält den Hans-Heinrich Niemann-Preis

Der Hans-Heinrich Niemann-Preis, gestiftet von Professorin Dr. Teruko Tamura-Niemann in Höhe von 2.500 Euro, geht an Dr. rer. nat. Ramona Businger, Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie für Viruskrankheiten der Universitätsmedizin Tübingen, Forschungssektion Molekulare Virologie, für ihre Arbeit mit dem Titel „Subversion of immune cells by HCMV and HIV“. Das humane Zytomegalievirus (HCMV) ist ein Vertreter der Herpesviren und überdauert lebenslang im menschlichen Körper. Es trifft besonders immungeschwächte Patientinnen und Patienten sowie Schwangere und deren ungeborene Kinder. Hier kann eine Infektion zu schweren Organfehlbildungen bis hin zum Tod des Fetus führen. Durch die Infektion mit HCMV werden in der Zelle vielfältige Abwehrmaßnahmen in Gang gesetzt, die die Virusvermehrung verhindern sollen. Einer dieser Mechanismen könnte die Aktivierung des Restriktionsfaktors SAMHD1 sein. Er limitiert die Verfügbarkeit von DNA-Bausteinen in der Zelle und hemmt dadurch zum Beispiel Retroviren wie das Immundefizienzvirus HIV-1. Dr. Ramona Businger konnte durch vergleichende Studien zwischen HIV-1 und HCMV zeigen, dass SAMHD1 auch die Vermehrung von HCMV unterdrücken kann. Allerdings entzieht sich das Virus der Blockade von SAMHD1 durch potente Gegenmaßnahmen. HCMV reduziert die Menge an SAMHD1 und überführt es gleichzeitig in eine inaktive, phosphorylierte Form. Des Weiteren konnte die Doktorandin in Kooperation mit Kollegen aus Berlin und Erlangen die virale Kinase pUL97 als das für diesen Effekt verantwortliche HCMV Protein identifizieren und einen neuen Mechanismus beschreiben, den Viren nutzen, um die antivirale Immunantwort zu unterlaufen.

Der Arnold-Spiegel-Promotionspreis geht an Dr. med. Felix Streckenbach

Der Arnold-Spiegel-Promotionspreis in Höhe von 2.000 Euro zeichnet eine herausragende wissenschaftliche Dissertation im Bereich der biomedizinischen Forschung aus und wird ab diesem Jahr wieder jährlich durch die Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule e.V. verliehen. In diesem Jahr geht der Preis an Dr. med. Felix Streckenbach, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie der Universitätsmedizin Rostock, für seine Arbeit: „Ultrahochfeld Magnetresonanztomographie am Auge des Hühnerembryos – eine Machbarkeitsstudie“. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist im klinischen Alltag ein fest integriertes bildgebendes Verfahren, welches sich durch einen hohen Weichteilkontrast sowie durch eine hohe Auflösung auszeichnet. Gerade im Bereich des Auges kann die MR-Bildgebung eingesetzt werden, da sich die einzelnen Bestandteile aufgrund des unterschiedlichen Wassergehalts und der Protonendichte kernspintomografisch sehr gut untersuchen lassen. Der Hühnerembryo nimmt hier als Tiermodell eine besondere Stellung in der Forschung ein, da das embryonierte Hühnerei eine hohe Verfügbarkeit und relativ einfache Handhabung aufweist. In dieser Arbeit gelang es, den Hühnerembryo erstmals über den gesamten Entwicklungszyklus im Ei mittels UHF-MRT hochauflösend zu untersuchen. Die Bewegungsartefakte konnten durch Kühlung des Embryos während der Untersuchung erfolgreich minimiert werden, ohne einen Einfluss auf den normalen Entwicklungsprozess zu nehmen. Dadurch ist das Tiermodell des Hühnerembryos hervorragend für weitere Studien in Verbindung mit der UHF-MR-Bildgebung geeignet.

Ein Foto ist der Pressemitteilung beigefügt. Es zeigt den Vorstand der Freundegesellschaft mit Dr. Oliver Pramann, stellvertretender Vorsitzender, Dr. Cornelia Goesmann, Vorsitzende des Vorstands, Cornelia Blankenburg, Vorstandsmitglied, sowie Hardy Freitag, stellvertretender Vorsitzender (von links). Sie können es im Zusammenhang mit dieser Presseinformation kostenlos verwenden, wenn Sie als Quelle „MHH/Kaiser“ angeben. Bitte senden Sie uns ein Belegexemplar zu.

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