MHH-Forscher messen Herzkraft in Schwerelosigkeit

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben die Herzfunktion von Hans Schlegel, dem Deutschen Astronauten der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA), während Parabelflügen erneut überwacht – 20 Jahre nach der ersten Untersuchung während der 2. Deutschen Space Shuttle Mission (D2). Sie haben dies getan, um die Herz-Kreislauffunktion der Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS besser zu verstehen und gesundheitliche Probleme zu vermeiden, die nach der Rückkehr auf die Erde entstehen können. Auch Patienten profitieren von den Ergebnissen.

Im All verändern sich Muskulatur, Knochen und Herz, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Um diesen entgegenzuwirken, entwickelte das Team um Professor Dr. Jens Tank vom MHH-Institut für Klinische Pharmakologie gemeinsam mit russischen Spezialisten den Prototypen eines neuen Ballistokardiografen. Bei dieser Methode messen am Rücken angebrachte sehr empfindliche Beschleunigungssensoren den durch den Herzschlag erzeugten Impuls. So kann die Kraft eines Herzschlags berechnet und Veränderungen während des Aufenthaltes im All erfasst werden. Die ersten Experimente im All an Bord der ISS sollen ab 2014 erfolgen. „Ein besseres Verständnis, wie sich die Herzfunktion an Schwerelosigkeit anpasst, erlaubt es, effiziente Trainingsmethoden als Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Dies vereinfacht die Rückkehr aus der Schwerelosigkeit. Auch Patienten kann dies nach langer Bettlägerigkeit den Übergang zur Alltagsaktivität erleichtern. Denkbar wäre zudem, bei Patienten mit Herzschwäche im häuslichen Umfeld die Herzfunktion mit der Ballistokardiografie per Telemetrie zu kontrollieren“, erläutert Professor Tank.

Die Experimente führten die Forscher im April 2013 in Bordeaux durch. Dabei flog das Flugzeug mehrfach spezielle Manöver, sogenannte Parabeln, bei denen je für 22 Sekunden Schwerelosigkeit erreicht wird. „Wir sind sehr froh, dass wir Hans Schlegel für diese Experimente gewinnen konnten, da er sehr erfahren ist“, sagt Professor Tank.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fördern dieses Projekt, an dem auch Forscher des Moskauer Instituts für Medikobiologische Probleme, des DLR, der Belgischen Royal Military Academy und der Universität von Kalifornien in San Diego beteiligt sind.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Jens Tank, Telefon (0511) 532-2723, tank.jens@mh-hannover.de.

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