MetLife Foundation Award: Münchener DZNE-Forscher erhält begehrten US-Preis für Medizinforschung

1992 machte er die Beobachtung, dass das Amyloid-β-Protein – in einer veränderten Variante wichtigster Bestandteil Alzheimer typischer Ablagerungen – lebenslang produziert wird. Jeder Mensch produziert dieses Protein. Bei Alzheimerpatienten jedoch lagert es sich in einer toxischen Form zunehmend im Gehirn ab und schädigt hierdurch die Nervenzellen, wodurch die typischen Symptome, darunter Verwirrtheitszustände, zurückgehende Gedächtnisleistung und Orientierungsschwierigkeiten, auftreten.

Seine damalige Entdeckung veränderte die allgemeine Auffassung von Alzheimer: Amyloid-β-Protein wird nicht nur von Alzheimerpatienten, sondern von uns allen gebildet, und könnte ein potenzieller Biomarker und Therapieziel sein. Diese überraschende Erkenntnis verhalf der gesamten Alzheimerforschung zu einem enormen Durchbruch. Sie lieferte gleichzeitig ein simples Zellkultursystem, mit dem Medikamente gefunden wurden, die gegenwärtig in der Therapie am Menschen erprobt werden. Darüber hinaus zeigte Haass als erster, wie die scherenartigen Enzyme, die das Amyloid-β-Protein bilden, arbeiten und wozu sie eigentlich gebraucht werden – wichtige Erkenntnisse, die Klinikern erlauben Nebenwirkungen bei Therapieversuchen, die diese Enzyme blockieren, zu vermeiden.

Haass wurde 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz für seine besonderen Verdienste in der Demenzforschung geehrt. In jüngster Zeit zeigte Haass in seinen Forschungsarbeiten, dass eine Genveränderung des sogenannten TREM2-Proteins Fresszellen im Gehirn schädigt und so vermutlich nicht nur bei Alzheimer, sondern auch bei vielen anderen neurodegenerativen Erkrankungen zum Nervenzellverlust beiträgt, da totes und damit giftiges Zellmaterial aufläuft.

Der 1986 ins Leben gerufene MetLife Foundation Award for Medical Research wird an Forscherinnen und Forscher verliehen, die herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Alzheimerforschung geleistet haben. Der Preis wird von der American Federation for Aging Research (AFAR) verliehen. Haass wird ein Preisgeld von 200.000 USD erhalten, das zur Weiterentwicklung seiner Forschung beitragen soll. Der amerikanische Neurowissenschaftler Randall Bateman von der Washington University School of Medicine, St. Louis, Missouri erhält ebenfalls diesen Hauptpreis. Die Erkenntnisse beider Hirnforscher bilden die Grundlage für realistische Therapieansätze bei der Behandlung von Alzheimer und Demenz. Bis heute hat die MetLife Foundation über 17 Millionen USD an 83 Preisträger weltweit verliehen.

Mehr dazu unter www.afar.org/research/MLF-awards.

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) erforscht die Ursachen von Erkrankungen des Nervensystems und entwickelt Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege. Es ist eine Einrichtung in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren mit Standorten in Berlin, Bonn, Dresden, Göttingen, Magdeburg, München, Rostock/Greifswald, Tübingen und Witten. Das DZNE kooperiert eng mit Universitäten, deren Kliniken und außeruniversitären Einrichtungen.

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Pressekontakt
Ulrike Koch
Public and Political Affairs
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