Metastasiertes Mammakarzinom: Therapie des Brustkrebs ohne Haarverlust möglich – Bevacizumab und Capecitabin erweisen sich als potente Kombinationspartner

Während 2007 75 Prozent der Mammakarzinom Patientinnen mit einem Therapieschema unter Berücksichtigung von Anthracyklinen oder Taxanen behandelt wurden, sind es heute nur noch 45 Prozent der Patientinnen. Damit zeichnet sich in der Therapie des metastasierten Brustkrebs ein deutlicher Wandel ab, wie Dr. Norbert Marschner, niedergelassener Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie in Freiburg den aktuellen Trend bewertet. Neue Medikamente machen dies möglich. Eines dieser neuen Medikamente ist Bevacizumab, ein Angiogeneseinhibitor, der die Bildung neuer Blutgefäße vor allem an wachsenden Tumoren blockiert.

Haarausfall und Polyneuropathien –  obligate Nebenwirkungen einer Taxan-Therapie
Bei der Bewertung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität während einer Krebstherapie stehen bei Patientinnen vor allem vier Parameter im Vordergrund

  • therapeutischer Effekt
  • Nebenwirkungen
  • Tumorlast
  • Alltagseinschränkungen

Bei den Nebenwirkungen sind es vor allem auch äußere Anzeichen der Erkrankung, die die Patienten belasten. Eine deutliche Einschränkung in der Lebensqualität von Krebspatientinnen ist der durch die Krebsbehandlung mit Taxanen bedingte Haarverlust (Alopezie), auch wenn nach Beendigung des Behandlungszyklus die Haare wieder wachsen. Je nach Behandlungslänge treten außerdem Polyneuropathien unter der Therapie mit Taxanen besonders häufig als Nebenwirkungen auf. Auch sie schränken die Lebensqualität der Patienten deutlich ein. Nach Einschätzung von Dr. Norbert Marschner lassen sich die genannten Nebenwirkungen Alopezie und Polyneuropathie bei gleichem Therapieerfolg durch den Einsatz von innovativen Medikamenten wie Capecitabin, gerade auch in Kombination mit Bevacizumab, bei vielen Brustkrebspatientinnen vermeiden.

Während die Kombination verschiedener Chemotherapeutika zu einschränkenden Nebenwirkungen und damit auch zu einem Verlust an Lebensqualität führen, ermöglichen nach PD Dr. med. Sherko Kümmel, Direktor des Brustzentrums an den Kliniken Essen-Mitte, neue Kombinationen, z.B. eine Chemotherapie kombiniert mit einer Antikörpertherapie, verlängerte progressionsfreie Zeiten und verbesserte Nebenwirkungsraten.
178

Ribbon-1-Studie: Erweiterung der Zulassung von Bevacizumab in Kombination mit Capecitabin bei metastasierten Mammakarzinom
Bevacizumab wurde 2007 in Folge der vorgelegten Daten der Phase-III-Zulassungsstudie E2100 in Kombination mit Paclitaxel für die First-Line-Therapie des HER2-negativen, metastasierten Mammakarzinoms zugelassen.[3] Auf Basis der Ribbon-1-Studie wird nun die Erweiterung der Zulassung in Kombination mit dem oralen Fluoropyrimidin Capecitabin bei Patientinnen erwartet, die für eine Behandlung mit anderen Chemotherapien, inklusive Taxanen und Anthrazyklinen, nicht geeignet sind und in den vergangenen 12 Monaten keine Taxan- oder Anthrazyklinhaltige adjuvante Therapie erhalten haben.

Metastasiertes HER2-negatives Mammakarzinom
„Mit der Kombination von Bevacizumab plus Capecitabin wird den behandelnden Ärzten nach der Zulassung eine weitere wichtige Therapieoption beim metastasierten, HER2-negativen Mammakarzinom zur Verfügung stehen“, betont Dr. Marschner. „Gerade für Patientinnen, bei denen eine Behandlung mit Taxanen nicht indiziert ist, bietet die Kombination von Bevacizumab und Capecitabin einen entscheidenden klinischen Benefit: „Die Kombination ist hoch wirksam, gut verträglich und führt nicht zu einem Haarverlust.“ Die aktuellen Therapieempfehlungen der Kommission „Mamma“ der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) bestätigen diesen hohen Stellenwert: Bereits vor der Zulassung wurde die Kombination von Bevacizumab plus Capecitabin in der First-Line-Therapie des metastasierten HER2-negativen Mammakarzinoms mit dem gleichen positiven Empfehlungsgrad (+) bewertet wie die Kombination mit Paclitaxel.[4]

Ratschlag für Brust-Krebspatientinnen: möglichst frühzeitige Therapie durch ein zertifiziertes Brustzentrum
Für PD Dr. Kümmel ist der Hinweis an Patientinnen besonders wichtig, dass es in jeder Behandlungssituation Therapiealternativen gibt. Außerdem ist es bei allen Therapieoptionen für den Behandlungserfolg von besonderer Bedeutung, dass sich Brust-Krebspatientinnen möglichst frühzeitig einer Therapie unterziehen. Dabei profitieren von den Behandlungserfolgen neuer Therapieoptionen besonders die Patientinnen, die sich von den Spezialisten zertifizierter Brustzentren therapieren lassen.

Quellen

  1. Robert NJ et al., J Clin Oncol 2011; 29: 1252-1260
  2. Regimes  in  Bevacizumab for  Breast  Oncology
  3. Gray R et al., J Clin Oncol 2009; 27: 4966-4972
  4. www.ago-online.org

Pressekonferenz
Zulassungserweiterung für Bevacizumab in der Brustkrebstherapie:
Neue Kombinationsmöglichkeit in der First-Line-Therapie des metastasierten, HER2-negativen Mammakarzinoms

Referenten

  • PD Dr. Sherko Kümmel
    Kliniken Essen-Mitte
    Ribbon-1: Neue Daten zur Kombinationstherapie
  • Dr. Norbert Marschner
    Facharzt fuür Innere Medizin, Hämatologie & Onkologie, Freiburg
    Bevacizumab und Capecitabin: Potente Kombinationspartner für die
    Therapie von Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom

Köln, 23. Mai 2011

Scroll to Top