Metastasiertes Kolorektalkarzinom (mCRC): Lokalisation für Therapie und Prognose entscheidend

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Es verdichten sich die Hinweise, dass die Prognose von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (metastasiertes Kolorektalkarzinom = metastasiertes Colorektalkarzinom = metastasiertes kolorektales Karzinom = mCRC) unter anderem von der primären Tumorlokalisation abhängig ist. Patienten mit rechtsseitigem Primärtumor sind meist älter und Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Sie haben eine schlechtere Prognose als solche mit linksseitigen Karzinomen.(1) Betroffene mit linksseitigen Tumoren sind in der Regel jünger. Sie weisen eine erhöhte Expression von Genen auf, die eine stromale Ausbreitung begünstigen.(2)

Beim metastasierten Kolorektalkarzinom (mCRC) ist die Lokalisation des Tumors für die Therapie des mCRC entscheidend; v.l.: Prof. Dr. Nils 
Homann, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Wolfsburg und Prof. Dr. Arndt Vogel, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover
Beim metastasierten Kolorektalkarzinom (mCRC) ist die Lokalisation des Tumors für die Therapie des mCRC entscheidend; v.l.: Prof. Dr. Nils 
Homann, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Wolfsburg und Prof. Dr. Arndt Vogel, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (Foto: MEDIZIN ASPEKTE, J. Wolff)

Metastasiertes Kolorektalkarzinom: Primäre Tumorlokalisation als entscheidender Faktor für die Therapiewahl

Beim metastasierten Kolorektalkarzinom (mCRC) kann die primäre Tumorlokalisation ein entscheidender Faktor für die Therapiewahl des metastasierten Kolorektalkarzinom (mCRC) sein. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung der Phase-III-Studie CALGB/SWOG-80405. (3) Die Ergebnisse der retrospektiven Analyse zeigten, dass mCRC-Patienten mit KRAS-Wildtyp und rechtsseitigem Primärtumor besonders von der Kombinationstherapie mit Bevacizumab und Chemotherapie profitieren.

mCRC: Primäre Tumorlokalisation von prädiktiver und prognostischer Bedeutung

„Die Studie bestätigt die prädiktive und prognostische Bedeutung der primären Tumorlokalisation beim mCRC“, so Prof. Dr. Arndt Vogel, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Ergebnisse der Head-to-Head-Studie zeigten darüber hinaus, dass bei der Wahl des optimalen Therapieregimes aus Antikörper und Chemotherapie neben tumor- und patientenspezifischen Faktoren auch die primäre Tumorlokalisation berücksichtigt werden sollte. „Die RAS-Testung sollte nicht allein entscheidend für die Therapiewahl sein“, so Prof. Vogel.

Prognostische Relevanz der primären Tumorlokalisation beim mCRC

Die Auswertung der CALGB/SWOG-80405 Studie zeigte, dass mCRC-Patienten mit rechtsseitigem Primärtumor (unabhängig vom gewählten Therapieregime) eine signifikant schlechtere Prognose haben (Gesamtüberleben: 33,3 vs. 19,4 Monate; 95 %-KI: 1,32 – 1,82; HR: 1,55; p < 0,0001).(3) Damit bestätigen die neuen Daten aus den USA bisherige Erkenntnisse zur Tumorlokalisation beim mCRC.(4-7) „Die primäre Tumorlokalisation ermöglicht somit Rückschlüsse auf die allgemeine Prognose der Patienten und ist zugleich ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der effektivsten Kombinationstherapie“, folgerte Prof. Dr. Nils Homann, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Wolfsburg. „Tumoren rechts bzw. links der Milzflexur müssen deshalb als unterschiedliche Tumorentitäten betrachtet werden.“

Bevacizumab/Chemotherapie: Wirksamkeitsvorteil bei rechtsseitigen Tumoren

Die aktuelle Subgruppenanalyse untersuchte den Einfluss der Lokalisation des Primärtumors auf die Wirksamkeit der Behandlung mit Bevacizumab gegenüber der Therapie mit dem EGFR-Inhibitor Cetuximab – jeweils in Kombination mit Chemotherapie (FOLFOX bzw. FOLFIRI). Primärer Studienendpunkt war das Gesamtüberleben (OS).(3) Die retrospektive Subgruppenanalyse der CALGB/SWOG-80405-Studie zeigte unter Bevacizumab/Chemotherapie bei rechtsseitigen Tumoren eine numerische Verlängerung des mOS um 7,5 Monate im Vergleich zur Therapie mit Cetuximab/Chemotherapie (24,2 vs. 16,7 Monate). Bei linksseitigen Tumoren wurden mediane Überlebenszeiten von 36,0 Monaten und 31,4 Monaten unter einer Cetuximab-haltigen bzw. Bevacizumab-haltigen Kombination erreicht. Zugleich stellte Prof. Vogel klar, dass auch Patienten mit linksseitigen Tumoren gut von der Therapie mit dem VEGF-Inhibitor Bevacizumab profitieren.(3)
Unabhängig von der primären Tumorlokalisation sei die Analyse des Mutationsstatus weiterhin wichtig für die Wahl des Antikörpers. Prof. Vogel erinnerte daran, dass die mCRC-Patienten mit mutierten RAS-Tumoren nicht mit EGFR-Antikörpern behandelt werden könnten. Bevacizumab ist als einziger monoklonaler Antikörper in der First-Line-Therapie beim mCRC sowohl für die Behandlung von mutierten als auch von Wildtyp-Tumoren zugelassen.(8)

Quellen:

(1) Missiaglia E et al., Ann Oncol 2014; 25(10): 1995-2001
(2) Bauer KM et al., Mol Carcinog 2012; 51(5): 411-421
(3) Venook AP et al., J Clin Oncol 2016; 34: (Suppl; Abstr 3504)
(4) O`Dwyer PJ et al., J Clin Oncol 2001; 19(9): 2413-2421
(5) Brule SY et al., Eur J Cancer 2015; 51(11): 1405-1414. doi: 10.1016/j.ejca.2015.03.015
(6) Loupakis F et al., J Natl Cancer Inst 2015; 107(3) pii: djun27. doi: 10.1093/jnci/dju427
(7) Missiaglia E et al., Ann Oncol 2014; 25(10): 1995-2001
(8) Fachinformation Avastin®, Stand Juni 2016
(9) Pressegespräch, 27. Juli 2016, Roche Pharma AG, First-Line-Therapie des mCRC:
Welchen Einfluss hat die primäre Tumorlokalisation auf die Behandlung von RAS-Wildtyp-Patienten?

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