Menschen in Bethel-Einrichtungen testen virtuellen Helfer des Exzellenzclusters CITEC

Professor Dr. Günther Wienberg, Mitglied des Vorstands der vBS Bethel, beurteilt die Zusammenarbeit zwischen CITEC und Bethel als richtungsweisend: „Es ist uns wichtig, dass sowohl Seniorinnen und Senioren als auch Menschen mit Behinderung Zugang zu modernen Technologien haben und wie andere Menschen auch von ihrer Nutzung profitieren können. Darum muss Technik so ausgestaltet sein, dass sie auch Menschen mit Einschränkungen nützt und ihnen die Bedienung leicht fällt. Die Kooperation mit CITEC ermöglicht uns in diesem Sinne, direkt an der Entwicklung, Erprobung und Anwendung assistiver Technologien mitzuwirken. So können Chancen genutzt, aber auch eventuelle Risiken frühzeitig wahrgenommen werden.“

„In der strategischen Partnerschaft der Universität und Bethel geht es um Projekte, die der Allgemeinheit nützen“, sagt Professor Dr. Martin Egelhaaf, Prorektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Transfer der Universität Bielefeld. „Die Zusammenarbeit von CITEC und Bethel innerhalb der strategischen Partnerschaft verknüpft ideenreiche Entwicklungen aus der Forschung mit den tatsächlichen Bedürfnissen von Menschen mit Unterstützungsbedarf.“

CITEC erprobt in Bethel Assistenzsysteme, die sich dank künstlicher Intelligenz auf ihre Nutzer einstellen. „Die Menschen in unserer Gesellschaft werden im Durchschnitt immer älter. Roboter, Avatare und andere technische Helfer werden in Zukunft eine große Rolle dabei spielen, Menschen im Alter und Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu erlauben“, sagt Professor Dr. Helge Ritter, Koordinator des Exzellenzclusters. „Durch die Kooperation mit Bethel können potenzielle Nutzer frühzeitig bei der Entwicklung künstlich intelligenter Helfer mitreden.“

Das Forschungsprojekt VASA zeigt beispielhaft, wie die frühe Einbindung künftiger Nutzer funktioniert. In der Studie arbeiten CITEC und die vBS Bethel an einem personalisierbaren virtuellen Gesprächspartner, der ältere Menschen und Menschen mit geistiger Behinderung im Alltag unterstützt. Dafür haben CITEC-Forscherinnen und -Forscher im Januar 2012 mit der Entwicklung des virtuellen Assistenten „Billie“ begonnen. Virtuelle Assistenten sind Computersysteme, die als künstliche Personen auf Bildschirmen erscheinen und mit dem Betrachter kommunizieren. „Das Projekt soll die Selbstständigkeit und Teilhabe älterer Menschen erhöhen, indem ihnen der Zugang zu Computer- und Internet-Technologie im Alltag erleichtert wird“, sagt der Informatiker Professor Dr. Stefan Kopp, der das Projekt zusammen mit der Linguistin Dr. Karola Pitsch leitet. „Mensch-Computer-Interaktion für ältere Menschen geht oft einher mit Spezialtastaturen, Fernbedienung, großformatigen Anzeigen oder der Nutzung von Einzel-Sprachkommandos. Wir entwickeln virtuelle Avatare als Alternative dazu“, sagt Kopp.

An den vBS Bethel wurden die Alltagstauglichkeit und die soziale Akzeptanz des technischen Helfers Billie bereits erprobt: Ältere Menschen und Menschen mit geistiger Behinderung testeten den Avatar und seine Funktionen. Ein zentrales Ergebnis: „Den Testpersonen fiel die Nutzung leicht, sie konnten gut mit Billie sprechen und sich vorstellen, ihn in Zukunft zu nutzen“, sagt Karola Pitsch. Mit Nutzern in Bethel-Einrichtungen wurde bereits erfolgreich getestet, mit Billie Termine in einen elektronischen Kalender einzutragen. Der altersgerechte Laborprototyp ermuntert seine Nutzer künftig zum Gespräch, erinnert an Verabredungen oder die Medikamenteneinnahme, unterstützt bei der Tagesplanung und lädt ein, mit Videotelefonie Freunde und Bekannte zu kontaktieren.

Billie soll dabei künftig nicht nur auf mündliche Anweisungen und Fragen reagieren – er soll auch non-verbale Hinweise wahrnehmen und berücksichtigen. Wenn ein Nutzer zum Beispiel einen Post-It-Zettel in der Hand hält, auf dem die Arztpraxis den nächsten Termin festgehalten hat, kann das für Billie ein Hinweis sein, nach dem Termin zu fragen, um ihn im Kalender einzutragen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert ein VASA-Teilprojekt mit dem Titel „VERSTANDEN“. In dieser Studie geht es speziell um Verständigungssicherung und damit um die Frage: Wie gewährleistet der virtuelle Assistent, Fragen und Anweisungen seiner Nutzer korrekt zu erfassen?

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