Melatonin gegen Schlafstörungen

Schlafstörungen

Schlafstörungen sind weit verbreitet. In Deutschland leidet jeder vierte Erwachsene unter ihnen, wobei Ein- und Durchschlafstörungen am häufigsten vorkommen. Der Leidensdruck schlafloser Nächte ist oft so hoch, dass Betroffene zu Medikamenten mit schweren Nebenwirkungen greifen, um endlich mal ein Auge zuzutun. Dabei gibt es wirksame und nebenwirkungsarme Alternativen auf pflanzlicher Basis wie Melatonin gegen Schlafstörungen. Eine Kombination mit verhaltensbezogenen Maßnahmen wie einer guten Schlafhygiene bietet sich an, um auch die Ursprünge der Schlafstörung zu berücksichtigen. 

Therapie von Schlafstörungen: Es kommt auf die Ursache an

Für die Behandlung von Schlafstörungen gibt es viele verschiedene Ansätze. Um den individuell passenden Behandlungsansatz zu finden, ist zunächst ein Blick auf mögliche Ursachen der Schlafprobleme wichtig. Denn auch diese können ganz unterschiedlicher Art sein. Häufig sind sie nur eine kurzfristige Reaktion auf Stress oder Sorgen im Alltag. Auch ungünstige Gewohnheiten, wie ein zu schweres Abendessen oder ein häufiger Wechsel der Schlafzeiten, können die Schlafqualität deutlich vermindern. Es können sich aber auch organische oder psychische Erkrankungen hinter der Schlafstörung verbergen, die einer gesonderten Behandlung bedürfen. Darum sollten langfristig bestehende Schlafstörungen auch immer ärztlich abgeklärt werden. 

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Für die Behandlung der Schlafstörung selbst kommen sowohl verhaltensbezogene als auch medikamentöse Therapien in Frage. Unter dem Begriff der Schlafhygiene sind eine Reihe einfacher Verhaltensmaßnahmen aufgelistet, die einfach anwendbar und trotz ihrer Einfachheit sehr effektiv sind. Der Schlaf und insbesondere das Einschlafen kann außerdem durch Schlafmittel unterstützt werden. Hier bieten sich bei leichten Schlafstörungen natürliche Wirkstoffe wie Melatonin, Baldrian oder auch Lavendel an. Solche pflanzlichen Mittel haben den Vorteil, praktisch keine Nebenwirkungen sowie keine Gewöhnung oder Abhängigkeit auszulösen. Zu Benzodiazepinen oder Antihistaminika sollte hingegen erst bei einer starken Belastung durch die Schlafprobleme gegriffen werden. Sie werden nur ärztlich nach Abwägung ihrer Vorteile und Risiken verschrieben, da sie langfristig abhängig machen und gesundheitsschädigende Nebenwirkungen haben können. Wichtig ist zu unterscheiden, dass diese Mittel die Symptome der Schlafstörung lindern, aber nicht ihre Ursachen bekämpfen. Oft ist eine Kombination von Medikation und Schlafhygiene ratsam. 

Melatonin als pflanzlicher Behandlungsweg

Unter den pflanzlichen Schlafmitteln hat Melatonin einen Sonderstatus, da es von unserem Körper selbst produziert wird. Genauer wird Melatonin in der Zirbeldrüse unseres Gehirns hergestellt und aufgrund seiner wichtigen Funktionen für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus auch als Schlafhormon bezeichnet. 

Welche Rolle hat das Hormon Melatonin für den Schlaf?

Melatonin steuert auf natürliche Weise unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei Dunkelheit wird die Ausschüttung erhöht und wir werden müde und schlafen besser ein[1]. Unser Körper stellt sich dann auf den Schlaf ein und regelt Herztätigkeit, Atmung, Muskelspannung und Körpertemperatur herunter. Helles Licht dagegen signalisiert dem Körper, dass es Tag ist und unterdrückt die Produktion von Melatonin.

Melatonin kommt darüber hinaus auch in einigen pflanzlichen Lebensmitteln vor, wie z.B. Pistazien, Sauerkirschen oder Cranberrys. Die Mengen sind aber vergleichsweise gering. Für Melatonin in hoher Konzentration kann stattdessen auf Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel auf Melatonin-Basis zurückgegriffen werden. Ihre Wirksamkeit in der Therapie von Schlafstörungen wurde bereits in zahlreichen Studien bestätigt.[2][3] Die regelmäßige Einnahme von Melatonin zeigte positive Effekte auf die allgemeine Schlafqualität, die Schlafenszeit sowie auf die empfundene Lebensqualität.[4] Ob für den Erwerb ein Rezept gebraucht wird, hängt von der Dosierung des Melatonins ab: Ab 2mg Melatonin-Konzentration fällt das pflanzliche Mittel unter die Rezeptpflicht und erfordert eine ärztliche Verschreibung. Melatonin-Präparate mit einer geringeren Tagesdosis werden hingegen als Nahrungsergänzungsmittel freiverkäuflich angeboten. In keiner der Varianten müssen starke Nebenwirkungen oder eine Abhängigkeit befürchtet werden. 

Für wen eignet sich eine Melatonin-Behandlung?

Besonders eignet sich der Einsatz bei Schlafproblemen, die auf einen Melatoninmangel und gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus zurückzuführen sind. Diese finden sich zum Beispiel bei:

  • Menschen in Schichtarbeit, die nachts arbeiten 
  • Menschen, die häufig über verschiedene Zeitzonen reisen (Jetlag)
  • Älteren Menschen und Frauen in den Wechseljahren, da sie weniger Melatonin produzieren

[1] Pevet, P., & Challet, E. (2011). Melatonin: both master clock output and internal time-giver in the circadian clocks network. Journal of Physiology-Paris105(4-6), 170-182.

[2] Lemoine P et al.: Prolonged-release melatonin improves sleep quality and morning alertness in insomnia patients aged 55 years and older and has no withdrawal effects. J. Sleep. Res. 2007;16:372-80.

[3] Wade A et al: Efficacy of prolonged release melatonin in insomnia patients aged 55 80 years: quality of sleep and next-day alertness outcomes. Curr. Med. Res. Opin. 2007;23:2597-605.

[4] Wade, A. G., Ford, I., Crawford, G., McConnachie, A., Nir, T., Laudon, M., & Zisapel, N. (2010). Nightly treatment of primary insomnia with prolonged release melatonin for 6 months: a randomized placebo controlled trial on age and endogenous melatonin as predictors of efficacy and safety. BMC medicine, 8(1), 51.

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