Mehr Klarheit in der medikamentösen Behandlung von Patienten mit kombinierter Herz- & Nierenschwäche

Jedes Jahr werden mehr als 396.000 Herzschwächepatienten in eine Klinik eingewiesen, weil sich ihre Erkrankung verschlimmert hat. „Sehr wichtig sind deshalb Forschungserkenntnisse, die die Sicherheit bestehender Therapien erhöhen und somit Komplikationen und vermeidbare Klinikaufenthalte verhindern helfen“, betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Für mehr Klarheit in der medikamentösen Therapie der kombinierten Herz- und Nierenschwäche angesichts der Unsicherheit vieler Ärzte bei Dosierungsfragen sorgen neue Erkenntnisse einer Studie von Dr. med. Hanna Fröhlich und Kollegen der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pulmologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Ihre Arbeit wurde von der Deutschen Herzstiftung mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis (Dotation: 10.000 Euro) ausgezeichnet*. (Tipp: Einen Medikamenten-Pass für Menschen mit Herzschwäche bietet die Herzstiftung kostenfrei unter
http://www.herzstiftung.de/medikamenten-pass oder telef. unter 069 955128400 an).

Dosierung bei zusätzlicher Nierenschwäche: Unsicherheit bei Ärzten gerechtfertigt?
In der Therapie der Herzschwäche werden seit 25 Jahren standardmäßig ACE-Hemmer und Sartane (Angiotensinrezeptor-Blocker) eingesetzt. Gemäß den Leitlinien werden zur Verbesserung der Herzfunktion der Patienten möglichst hohe Dosierungen in der Therapie verabreicht. Bei Herzschwächepatienten, die zusätzlich an einer chronischen Einschränkung der Nierenfunktion leiden, verzichten jedoch Ärzte häufig auf eine höhere Dosierung der ACE-Hemmer und Sartane, weil sie eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion oder einen zu hohen Kaliumspiegel befürchten. „Wegen dieser Unsicherheit bezüglich der langfristigen Auswirkungen unterschiedlicher Dosierungen von ACE-Hemmern und Sartanen auf die Nierenfunktion bei Patienten mit kombinierter Herz- und Nierenschwäche, möchten wir mit unserer Studie mehr Klarheit in diese Fragestellung bringen“, betont Dr. Fröhlich. In ihrer Forschungsarbeit „Long-term changes of renal function in relation to target dose and dose change of ACE inhibitors or ARBs in patients with heart failure and chronic stable kidney disease” stützt sich die Ärztin auf Hinweise, dass eine langfristige Behandlung mit diesen Medikamenten positive Effekte auf die Nierenfunktion haben kann.

Jetzt mehr Klarheit bei Dosierungsfragen
Für ihre Untersuchungen haben Dr. Fröhlich und ihr Team bei 722 Patienten aus Herzschwächeregistern der Universitäten Heidelberg und Hull (Großbritannien) den Zusammenhang zwischen Dosis und Dosisänderungen von ACE-Hemmen und Sartanen und der Veränderung der Nierenfunktion nach einem Jahr untersucht. Die Patienten litten alle unter chronischer Herzschwäche mit einer reduzierten Auswurffraktion der linken Herzkammer unter 45 % und einer begleitenden Nierenschwäche (Stadium III/IV).
Fazit der Studie: Weder die Gabe hoher ACE-Hemmer- oder Sartan-Dosen noch Dosisänderungen durch Erhöhung oder Senkung der Medikamentendosierung führten innerhalb von zwölf Monaten bei Patienten mit chronischer Herz- und Nierenschwäche zu nennenswerten Veränderungen der Nierenfunktion. „Da nur sehr wenige Komplikationen auftraten, erscheint die Gabe von hohen ACE-Hemmer- oder Sartan-Dosen bei Patienten mit kombinierter Herz- und Nierenschwäche sicher, wenn die Patienten ausreichend überwacht werden.“

*Der Wilhelm P. Winterstein-Preis wird alljährlich für eine wissenschaftlich herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bevorzugt aus einem patientennahen Forschungsbereich, vergeben. 2016 haben die Stifter Wilhelm P. und Ursula Winterstein den Preis für zwei ausgezeichnete Forschungsprojekte vergeben. Neben Dr. Fröhlich wurde Dr. med. Christian Werner vom Universitätsklinikum Homburg/Saar mit diesem Wissenschaftspreis ausgezeichnet (Presse-Info zu Dr. Werner unter http://www.herzstiftung.de/pressemeldungen.php).

Tipp: Da häufig Fehler bei der Medikamenteneinnahme Auslöser einer Verschlimmerung der Herzschwäche sind, bietet die Deutsche Herzstiftung einen kostenfreien Medikamenten-Pass für Menschen mit Herzschwäche unter www.herzstiftung.de/medikamenten-pass oder per Telefon unter 069 955128400 an. Der Pass erleichtert es Betroffenen, Fehler bei der Medikamenteneinnahme zu vermeiden.

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25/2016
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert/Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
wichert@herzstiftung.de/
koenig@herzstiftung.de

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