Mehr als 20 Jahre: Leben mit einem transplantierten Organ – Feierstunde in der MHH

Welch ein besonderes Jubiläum an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): Die Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie hatte ihre ersten Patienten eingeladen, die eine Herz-, Lungen- oder eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantationen erhalten hatten. Inzwischen leben viele Patienten seit 20 Jahren und länger mit ihren Organen. 32 von ihnen waren am Freitag (29. November 2013) nach Hannover gekommen, um gemeinsam zu feiern.

Im Jahr 1983 war an der MHH mit der ersten Herztransplantation das „Thorakale Transplantationsprogramm“ gestartet, 1988 wurde zum ersten Mal eine Lunge verpflanzt. Mittlerweile ist die Medizinische Hochschule mit 128 Lungentransplantationen im Jahr 2012 das größte Zentrum in Europa, in diesem Jahr wird die Marke von 140 Lungenverpflanzungen erreicht. Insgesamt fanden in der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie bis Ende vergangenen Jahres 1.441 Lungen-, 948 Herz- und 143 kombinierte Herz-Lungen-Transplantationen statt.

Einer von den Patienten, die am längsten mit einem Spenderorgan leben und nach Hannover gekommen waren, ist Klaus E. aus Witten. Er bekam als 25-Jähriger 1986 ein Herz an der MHH. „Die Ärzte sagten mir damals, dass ich mit dem neuen Herzen noch bis zu fünf Jahre leben könne, wenn ich mich sehr zurückhalten würde. Das habe ich ein Jahr lang gemacht, bin kaum aus dem Haus gegangen. Aber dann habe ich mich entschieden, lieber in Saus und Braus zu leben wie alle anderen jungen Erwachsenen – und dafür vielleicht nicht so lange. Ich arbeitete als Autoschlosser und als Lkw-Fahrer, bin für Speditionen durch ganz Europa gefahren. Und so bin ich schon 51 Jahre alt geworden.“

„Damals ging es bei den Transplantationen darum, dass die Patienten drei bis fünf Lebensjahre gewinnen. Dass es 20 Jahre und mehr sein können, hatte niemand für möglich gehalten“, sagte Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie. Er erinnerte daran, dass nicht nur Chirurgen für die guten Ergebnisse der Transplantationen sorgen, sondern viele weitere ärztliche und nichtärztliche Disziplinen. Zudem gab er Ergebnisse seiner Umfrage bekannt, die er im Vorfeld der Veranstaltung unter den Eingeladenen geführt hatte: „Die Hälfte der Patienten hatte keine größeren Probleme in den Jahren nach der Transplantation.“ Professor Haverich beleuchtete auch das „Thorakale Transplantationsprogramm“ der MHH. „Durch die Optimierung technischer und medikamentöser Therapieverfahren erreichen wir eine ständige Verbesserung der Resultate nach Herz- und Lungentransplantation und eine immer länger dauernde Funktionalität der transplantierten Organe“, erläuterte er. Auch heute noch leiste die MHH auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin Pionierarbeit.

Über die Fortschritte der Transplantationsmedizin sprach Professor Dr. Roland Hetzer, jetzt Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin. 1978 kam er als Oberarzt an die MHH, wo er von 1983 bis 1985 den Forschungsschwerpunkt Herztransplantation etablierte. „Heute ist die Herzverpflanzung ein etabliertes Verfahren mit dem Ergebnis einer guten Lebensqualität für bis zu 30 und mehr Jahre nach der Transplantation“, sagte Professor Hetzer, der mit einem Team 1983 auch die erste Herztransplantation an der MHH durchgeführt hatte. Seinen Vortrag illustrierte er mit einem Radiobeitrag über diese Operation. Darüber hinaus beleuchtete Professor Hetzer das Thema Kunstherzen.

Die Hochschule ist – über alle Organe gesehen – das größte Transplantationszentrum in Deutschland. Mit Blick auf die Unregelmäßigkeiten an anderen deutschen Transplantationszentren, sind sich Haverich und Hetzer einig, dass nur mit absoluter Transparenz das Vertrauen der Menschen zurück gewonnen werden könne. Dem schlossen sich bei der Jubiläumsfeier auch Vertreter der Deutschen Stiftung Organstransplantation (DSO) und der Eurotransplant Foundation in ihren Grußworten an.

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