Medizinische Mikrobiologie und Hygiene unter neuer Leitung

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) hat einen neuen Direktor: Professor Dr. med. Thomas Miethke hat zum 15. Mai 2013 die Leitung des Instituts übernommen und ist gleichzeitig auf den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg berufen worden.

Professor Miethke kommt von der Technischen Universität (TU) München, wo er stellvertretender Direktor des dortigen Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene und stellvertretender Leiter der Krankenhaushygiene war. Der 53-jährige gebürtige Stuttgarter, der an der Ruhr-Universität Bochum und der TU München studiert hat, ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sowie Fachimmunologe. Professor Miethke ist verheiratet und hat eine Tochter.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mannheim ist bis 2009 von Professor Dr. med. Herbert Hof geleitet worden. Dieser war ebenfalls Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene. Nach dessen Emeritierung im September 2009 wurde das Institut von Oberarzt Dr. med. Dipl. Ing. Klaus-Peter Becker kommissarisch geleitet.

Thomas Miethke ist am 29. April 1960 in Stuttgart geboren worden. Nach Abschluss der Schule verschlug ihn das Studium zunächst in die Ruhr-Metropole: Den vorklinischen Teil des Medizinstudiums absolvierte er an der Ruhr-Universität Bochum, bevor es ihn nach Bayern zog, wo er an der Technischen Universität München den klinischen Teil seines Studiums absolvierte. Dort erhielt er 1985 die Approbation und promovierte 1987 zum Dr. med.

Für knapp drei Jahre – von 1987 bis 1989 – verließ er München, um an der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie der Universität Ulm zu forschen. 1990 kehrte Miethke an die TU München zurück, an das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, wo er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter begann. Hier vollzog sich in den kommenden zwei Jahrzehnten seine berufliche Karriere:
Anfang 1995 wurde Miethke zum Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie ernannt. Er habilitierte an der TU München im Juni desselben Jahres und erhielt Anfang 1996 die Lehrbefugnis. Für seine Habilitationsschrift „Interaktionen bakterieller Superantigene mit dem Immunsystem“ wurde ihm der Dr. Helmut-Legerlotz-Preis verliehen, drei Jahre zuvor war er mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie ausgezeichnet worden.

Im Jahr 1997 wurde Miethke leitender klinischer Oberarzt für Mikrobiologie, Immunologie und Serologie, 2001 ernannte ihn die TU München zum außerplanmäßigen Professor und die Deutsche Gesellschaft für Immunologie im darauf folgenden Jahr zum Fachimmunologen. Anfang 2002 wurde er schließlich stellvertretender Institutsdirektor und Mitte 2006 stellvertretender Leiter der Krankenhaushygiene.

Wenn Professor Miethke also als wichtigste Ziele seiner klinischen Arbeit eine gut funktionierende mikrobiologische Diagnostik, eine enge Zusammenarbeit seines Institutes mit den Kliniken im Bereich der Infektionsdiagnostik und der Antibiotikatherapie sowie eine engmaschige Betreuung aller Bereiche des Klinikums in Fragen der Krankenhaushygiene nennt, so beruht diese Zielsetzung auf seinen umfassenden einschlägigen Erfahrungen, die er in den Jahren als stellvertretender Institutsdirektor an der TU München hat sammeln können.

Die Ausbildung der Mannheimer MaReCuM-Medizinstudenten im Fach Mikrobiologie hält Professor Miethke in seiner Funktion als Ordinarius für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene für außerordentlich wichtig. Nicht zuletzt weil sich bakterielle Erreger, die Resistenzen gegenüber einer Vielzahl von Antibiotika erworben haben, immer stärker ausbreiten und Infektionen mit mehrfachresistenten Keimen nur schwer in den Griff zu bekommen sind. Um dieser Entwicklung entgegenwirken zu können, müssen die künftigen Ärztinnen und Ärzte entsprechend ausgebildet werden.

Der Wechselwirkung zwischen dem krankheitserregenden Bakterium und dem Immunsystem des befallenen Wirtes gilt das Interesse des Wissenschaftlers Miethke. Ziel seiner umfangreichen Forschungsaktivitäten zur Wirts-Erreger-Interaktion ist es letztendlich, die genauen Mechanismen zu verstehen, durch die Infektionen begünstigt werden, um auf dieser Basis neue Therapiestrategien entwickeln zu können. Dabei beschäftigt er sich einerseits damit, auf Seiten des Erregers die Faktoren zu identifizieren, die eine Infektion begünstigen. Auf der anderen Seite gilt es zu analysieren, auf welche Weise solche Virulenzfaktoren die Immunantwort des Wirtes schwächen. Diese Mechanismen auf molekularer Ebene zu definieren, empfindet Professor Miethke als eines der spannendsten Themen im Bereich der mikrobiologischen und immunologischen Forschung.

Ein weiteres interessantes Forschungsgebiet von Professor Miethke in diesem Bereich sind die Mechanismen von chronischen Entzündungsprozessen, die intrazelluläre Erreger auslösen. Ziel ist es hier, Impfstoffe zu entwickeln, mit denen diese Entzündungsprozesse gezielt reduziert werden können. Da auch Krebserkrankungen und Erkrankungen der Gefäße mit chronischen Entzündungen einhergehen, fügt sich dieser Forschungszweig von Professor Miethke gut in den Forschungskontext der Fakultät, mit den Schwerpunkten Onkologie und Vaskuläre Medizin. Wäre es möglich, Entzündungsreaktionen gezielt beeinflussen zu können, so würde dies auch hier neue Therapieoptionen eröffnen.

Mit Elan und Freude hat Professor Miethke bereits in den letzten vier Monaten die verschiedenen Aufgaben in Angriff genommen, die die Leitung des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der UMM mit sich bringt. „Die Chance, ein Institut leiten zu können, das die gesamte Bandbreite der Mikrobiologie – also Bakteriologie, Virologie, Parasitologie und Hygiene – in Diagnostik und Lehre vertritt, bietet sich nur selten. Nach Mannheim zu kommen war für mich daher besonders reizvoll. Das Institut ist außerdem eng mit der Klinik vernetzt. Das bietet die besten Voraussetzungen für die klinisch-infektiologische Zusammenarbeit, die mir sehr am Herzen liegt und die ich weiter entwickeln und vertiefen will“, so Professor Miethke. Ein großes Potential sieht er auch darin, seine eigenen Forschungsaktivitäten in Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen von Fakultät und Klinikum neu zu definieren und weiter auszubauen.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene im klinischen Kontext

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene versorgt das Universitätsklinikum Mannheim mit diagnostischen Leistungen in den Bereichen Bakteriologie, Virologie, Parasitologie und Mykologie. Eine schnelle mikrobiologische Diagnostik ist für Patienten mit schweren Infektionserkrankungen außerordentlich wichtig, da deren Ergebnisse die Therapieentscheidung bestimmen.

Auch die Krankenhaushygiene ist eng mit der mikrobiologischen Diagnostik verknüpft. Die Verzahnung dieser beiden Bereiche ermöglicht ein gutes Ausbruchsmanagement und ist damit ein wichtiges Instrument, um Krankenhausinfektionen zu verhindern.

Bei der medizinisch-klinischen Mikrobiologie geht es darum, Erreger zu identifizieren und deren Resistenzen zu bestimmen. Dabei werden nicht nur kommerzialisierte biochemische Verfahren eingesetzt, sondern auch molekularbiologische Methoden sowie die Massenspektrometrie. Darüber hinaus sollen am Institut neue Verfahren entwickelt werden, mit denen Erreger identifiziert und deren Resistenzen bestimmt werden können.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene bietet darüber hinaus eine Reihe von besonderen Leistungen an, etwa die Impfsprechstunde, die Beratung für Tropenreisende und eine Umweltmedizinische Beratung.

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