Medizinische Fakultäten für Aufwertung des Praktischen Jahres

Der Medizinische Fakultätentag MFT plädiert für eine Aufwertung des Praktischen Jahres im Medizinstudium. Künftig soll der schriftliche Teil, der sämtliche Lehrinhalte aus drei klinischen Studienjahren prüft, vor dem Praktischen Jahr (PJ) und nicht mehr danach stattfinden. Studierende hatten die große Stoffmenge des sogenannten Hammerexamens als Zusatzbelastung während des PJ beklagt. Die mündliche Prüfung, in der auch praktische Fähigkeiten geprüft werden, soll dagegen nach wie vor nach Abschluss des PJ abgenommen werden. Eine entsprechende Resolution für die Überarbeitung der Ärztlichen Approbationsordnung wurde auf dem Ordentlichen Medizinischen Fakultätentag am 24. Juni 2011 in Rostock von den 36 Medizinischen Fakultäten in Deutschland verabschiedet.

„Durch die Verlagerung der schriftlichen Prüfung können sich die Studierenden besser auf das Praktische Jahr konzentrieren“, erklärt Professor Dr. Bitter-Suermann, Präsident des MFT. Zudem würden heute viele klinische Inhalte, die im schriftlichen Examen geprüft werden, bereits in den klinischen Semestern gelehrt.

Praktisches Jahr ist ein wichtiger Teil des universitären Studiums
„Das Praktische Jahr ist ein integraler Bestandteil des Medizinstudiums“, so Bitter-Suermann. Deshalb fordert der MFT, dass die staatlichen Qualitätskriterien für das PJ nach wie vor erhalten bleiben und ausschließlich Universitätskliniken sowie akkreditierte Akademische Lehrkrankenhäuser und Lehrpraxen an der PJ-Ausbildung teilnehmen. Nur so könne auch der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des EU-Rates nach einer ärztlichen Grundausbildung von mindestens sechs Jahren an einer Universität oder unter deren Aufsicht nachgekommen werden.

Der MFT richtet sich damit gegen Forderungen nach Einsatz von PJ-Studenten an anderen Krankenhäusern. „Es gibt keinen Mangel an PJ-Plätzen“, erklärt Bitter-Suermann. Da das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Qualitätssicherung in Relation zur Zahl der Studierenden steht, ist eine Ausweitung des PJ auf alle Krankenhäuser wegen der damit verbundenen Kostensteigerung nicht vertretbar. Auch wäre eine Verschlechterung der Ausbildungsqualität zu erwarten, da nicht alle qualifizierten Krankenhäuser in den jeweiligen Curricular und Prüfungsanforderungen geschult werden können.

Eine generelle Erweiterung der Zahl der Akademischen Lehrkrankenhäuser würde auch vermehrt dazu führen, dass Studierende an die Krankenhäuser mit den höchsten materiellen Unterstützungsleistungen für ihre Ausbildung wechseln. Finanzschwächere Einrichtungen auf dem Land und der ambulanten ärztlichen Krankenversorgung würden das Nachsehen haben. Im Wahltertial sollten Studiernde auch künftig gerne allgemeinmedizinische Praxen aufsuchen und nicht durch monetäre Anreize von Krankenhausketten in Konflikte geführt werden.

Mobilität im PJ
Der MFT spricht sich dafür aus, den Studierenden im PJ nach Maßgabe freier Plätze zu ermöglichen, ein Tertial ihrer Wahl an einer anderen Universität zu absolvieren. Er empfiehlt den Universitäten, Medizinstudierenden im PJ eine Zweithörerschaft zu ermöglichen, damit die Studierenden auch ohne Exmatrikulation an ihrer Heimatuniversität und Immatrikulation an einer anderen Universität versicherungsrechtlich während des PJ versorgt sind.

Resolution des MFT:
http://www.mft-online.de/dokumente72_omft/Resolution_schriftl_M2_Pruefungen_72oMFT.pdf

Ansprechpartnerin:
Verena Wirwohl, Ass. iur.
MFT Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland e.V.
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: 030/6449 8559-15, Fax: -11
Mobil: 0176/50197074
E-Mail: wirwohl@mft-online.de
Belegexemplar erbeten

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