Mediziner im erfolgreichen Praxistest – 10 Jahre chirurgischer Trainingskursus an der Universität Rostock

Übung macht den Meister. In der Chirurgie entscheidet das über Leben und Tod. Mit Gründung der Fakultät „Viszeralchirurgie Warnemünde“ wurde ein bundesdeutscher praktischer Kursus für Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie, Allgemeinchirurgie) konzipiert, der 1999 in Rostock-Warnemünde erstmalig unter der Patenschaft der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCh), der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen (BDC) ausgerichtet wurde. Vermittelt werden chirurgische Grundprinzipien und Basisübungen der Abdominal-, Gefäß- und Thoraxchirurgie. Im Laufe der Jahre wurden neue Trainingsmodelle entwickelt, neue Technologien eingeführt und das einwöchige Kursprogramm erweitert, einschließlich offener Operationen am narkotisierten Schwein. An der Fakultät Viszeralchirurgie Warnemünde arbeiten unter anderen die Abteilung für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie der Charité Berlin, die Chirurgische Universitätsklinik Freiburg, die Chirurgische Universitätsklinik Dresden, die Universität Heidelberg und das Institut für Experimentelle Chirurgie der Universität Rostock eng zusammen. Nach zehn Jahren Praxistest kann der Warnemünder Kursus für sich Bestnoten beanspruchen.
„Mehrtägige praktische Kurse für Chirurgie sind eine kosten- und personalintensive Chance, durch einen engen Lehrer-Schüler-Kontakt einer großen Gruppe von Chirurgen einen klinikübergreifenden, gemeinsamen, praktischen und theoretischen Wissensstand zu vermitteln“, sagte Prof. Brigitte Vollmar, Direktorin des Instituts für Experimentelle Chirurgie an der Universität Rostock. 1062 Teilnehmer (435 Frauen, 627 Männer) haben im Laufe von zehn Jahren an den Warnemünder Kursen teilgenommen. Die durchschnittliche Berufserfahrung der Kursteilnehmer betrug fünf Jahre. 489 Teilnehmer kamen aus einem Krankenhaus der Grundversorgung, 499 aus einem Haus der Maximalversorgung und 74 aus einer Universitätsklinik. 96 Prozent der Teilnehmer hatten keine oder wenig Erfahrungen mit OP-Kursen. Bei 827 Teilnehmern bestanden keine oder wenig Möglichkeiten zum Training außerhalb des OP-Saals (78 Prozent). Der konventionelle Kursteil wurde von 77 Prozent der Teilnehmer als sehr gut und von 21 Prozent als gut bewertet. „Der Praktische Kursus für Viszeralchirurgie führt zu einem messbaren subjektiven Lernerfolg“, sagte Prof. Brigitte Vollmar.

„Technische Fertigkeiten sind ein fundamentaler Bestandteil chirurgischer Kompetenz“, so Herr Prof. Dr. Heinz-Johannes Buhr, Charité Berlin, der 1999 den praktischen Kursus für Viszeralchirurgie wesentlich mitbegründete. Fortschritte im therapeutischen Bereich, neue Technologien, Änderungen des Berufsumfeldes des Chirurgen, knapper werdende personelle, ökonomische und zeitliche Ressourcen und die gestiegenen Erwartungen der Öffentlichkeit an die Ausbildungsqualität definieren heute die Anforderungen an die chirurgische Aus- und Weiterbildung. „On-the-job teaching“ im Rahmen einer Schüler-Lehrer-Beziehung wird schwieriger. Es wächst die Gefahr eines „see one – do one – teach one“. Modelle wie die Fakultät Viszeralchirurgie Warnemünde wirken dem entgegen und helfen, die hohen Standards in der Medizin auch auf diesem Gebiet zu sichern.

Mit der Einführung des Postgraduiertenkurses für Orthopädie 1978 in Davos wurde der Prototyp für praktische Trainingskurse in chirurgischen Disziplinen, sogenannte Hands-on-Kurse, auf dem europäischen Festland etabliert. Dieses Prinzip der Vermittlung sicherer Standards, zum Beispiel in der Nahttechnik, erfreute sich einer zunehmenden Akzeptanz und Beliebtheit bei Experten und Chirurgen in der Weiterbildung und war die Voraussetzung für die Entwicklung weiterer Kurse. Nach mittlerweile zehn erfolgreich durchgeführten Kursen der Viszeralchirurgie in Rostock-Warnemünde zählt dieser Kursus zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Deutschlands.

Kontakt:
Universität Rostock
Institut für Experimentelle Chirurgie
Prof. Dr. Brigitte Vollmar
Telefon: +49 (0)381-494 2500/2501
eMail: brigitte.vollmar@med.uni-rostock.de
(idw, 06/2010)

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