Impfstoffe – Malaria und Co. bekämpfen – Neue Impfstoffe in Sicht

Malaria – „Eine Reihe neuer Impfstoffe kommt auf den Markt, die dem Reisenden einen sicheren Schutz bieten. Gerade rechtzeitig, denn das Problem der Resistenzbildung gegen Medikamente bereitet in der reisemedizinischen Beratung zunehmend Probleme“, erklärte Dr. Hinrich Sudeck vom Fachbereich Tropenmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg auf der Pressekonferenz der 3. Northern European Conference on Travel Medicine (NECTM) in Hamburg.

Neben der kontroversen Diskussion um den Impfstoff gegen die Schweinegrippe (H1N1) – immerhin zeigte dessen Produktion die Effizienz und schnelle Reaktionsfähigkeit der Impfstoffindustrie – brachten die Jahre 2009 und 2010 eine Reihe weiterer Neueinführungen, die für den Reisenden von Bedeutung seien, so Sudeck. Zu nennen sei ein neu zugelassener Impfstoff gegen die durch Viren ausgelöste Japanische Enzephalitis, die vor allem in Ost- und Südostasien vorkomme. Bei Betroffenen können grippeähnliche Symptome bis hin zu schweren Hirnhautentzündungen die Folge einer Infektion sein. Ein weiterer Hoffnungsträger ist ein im Mai in Deutschland eingeführter neuer und effizienterer Impfstoff gegen Meningokokkenmeningitis, die bakterielle Hirnhautentzündung. „Auch die kommenden Jahre lassen hoffen, denn die nächsten Neuentwicklungen warten bereits in der Pipeline“, sagte der Hamburger Internist und Tropenmediziner. So beispielsweise ‘das Pflaster gegen Durchfall‘, das auch in der Darreichungsform des Wirkstoffes innovativ ist.

Malariaimpfstoff für Millionen afrikanischer Kinder in Sicht
Trotz eines deutlichen Rückganges der Malaria, vor allem in den afrikanischen Endemiegebieten, hat die Krankheit ihre Bedeutung als einer der „Killer Nr. 1“ nicht verloren – rund eine Millionen Tote pro Jahr, vorwiegend Kinder in Afrika südlich der Sahara, spiegeln dies wider. „Malariamedikamente sind vorhanden, doch das Problem der Resistenzbildung selbst gegenüber modernen ‘jungen‘ Medikamenten belegt, wie dringend nötig ein Impfstoff ist“, betonte Sudeck auf der Pressekonferenz. Dieser solle aber möglichst nicht nur die Erkrankung, sondern auch die Übertragung des Malariaparasiten verhindern. Auf dem Gebiet der Entwicklung eines Malariaimpfstoffes hat es solche Fortschritte gegeben: Seit 1987 forschen Wissenschaftler an einem Impfstoff, der das menschliche Immunsystem anregt, das von der Mücke übertragene Parasitenstadium zu bekämpfen – das heißt, noch bevor die Malariaparasiten in der Leber oder den roten Blutkörperchen Unterschlupf gefunden haben. Der als RTS,S bezeichnete Impfstoff (Vakzine) zeigt bei fortgeschrittenen klinischen Anwendungsstudien in elf Ländern Afrikas eine gute Verträglichkeit und einen Schutz bis zu 57 Prozent. Die Impfung bietet allerdings bisher nur einen vergleichsweise kurzzeitigen Schutz. Durch den Einsatz eines neuen Wirkstoffverstärkers (Adjuvans) wollen Forscher nun die Effizienz dieser Vakzine steigern. Studien in Mali zeigen hier erste Erfolge.

„Die Tatsache, dass trotz aller Anstrengungen und finanzieller Aufwendungen noch immer kein wirksamer Malariaimpfstoff verfügbar ist, zeigt, wie geschickt sich der Erreger der Immunabwehr entzieht“, so Sudeck. Für den Reisenden werde eine Impfung auch in den nächsten Jahren nicht zur Verfügung stehen. Die medikamentöse Malariaprophylaxe steht somit noch immer im Mittelpunkt der reisemedizinischen Beratung für Afrika-Touristen. (06/2010)

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