Magdeburger Forscher identifizieren wichtiges Gen für Hirnhauttumore und erkunden seine Funktion

Obwohl für wiederholt aufflammende oder bösartige Formen der Hirnhauttumore eine Chemotherapie wünschenswert wäre, ist eine solche zusätzliche Therapie zu Chirurgie und Bestrahlung gegenwärtig nicht etabliert. Gesucht werden zielgerichtete Chemotherapie-Optionen, die auf einzelne veränderte Eiweiße der Tumorzellen abheben und mit geringen Nebenwirkungen verbunden sind. Das Feld solcher zielgerichteten Therapeutika testet derzeit auch das Labor von Professor Christian Mawrin an Mausmodellen. Gleichzeitig wird dort nach neuen Ansatzpunkten gesucht, das heißt nach neuen Eiweißen, die für das Wachstum dieser Tumore bedeutsam sind.

In diesem Zusammenhang war es im Vorfeld von besonderem Interesse, auf molekularer Ebene Unterschiede zu finden zwischen gutartigen und aggressiven Hirnhauttumoren. Bislang war vor allem ein einzelner Erbfaktor bekannt (NF2), der bei circa der Hälfte aller Hirnhauttumore verändert ist und mit größter Sicherheit eine Rolle bei der Tumorentwicklung spielt. Allerdings betreffen die Veränderungen von NF2 nicht vorrangig die bösartigen Formen, sondern gleichermaßen alle Subtypen. Das wichtigste Ergebnis der ersten Projektphase war daher das Aufspüren eines Erbfaktors (miR-145-Gen), dessen Produkt (miR-145) in den bösartigen Formen deutlich vermindert ist. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass miR-145 eine Rolle bei der Anheftung der Tumorzellen an Oberflächen und bei ihrem Wandern spielt, aber in nur in geringem Maße auch für die Zellteilung relevant ist.

MiR-145 ist selbst kein Eiweiß, gehört aber zu einer Klasse von Molekülen, von denen bekannt ist, dass sie die Herstellung einer meist größeren Gruppe von Eiweißen in der Zelle steuern. Um also eventuelle Ziel-Eiweiße für einen therapeutischen Eingriff zu finden, galt es zunächst, die von miR-145 in den Tumorzellen regulierten Eiweiße zu identifizieren. Zwei Kandidaten wurden bereits aufgedeckt, die eine denkbare Verbindung zur Zell-Anheftung und -beweglichkeit haben. Die Wirkung dieser beiden Eiweiße wird im aktuellen Projekt anhand gentechnisch manipulierter Tumorzelllinien und anhand von Mausmodellen analysiert.

Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt in der ersten Phase bereits mit 74.000 Euro und unterstützt die derzeitige Forschung noch einmal mit rund 40.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung)
Prof. Dr. Christian Mawrin, Universität Magdeburg
Telefon: +49 (0)391 6715828, E-Mail: christian.mawrin@med.ovgu.de

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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