Luthers Waschsalon als „Hochschulperle“ ausgezeichnet

Obdachlosigkeit und Armut gefährden die Gesundheit. Im Südosten des Ruhrgebiets wird jedoch Einiges dafür getan, die gravierendsten Auswirkungen abzumildern. Hier erhalten Menschen, die am Existenzminimum leben, auch ohne Krankenversicherung eine adäquate Gesundheitsversorgung. Dafür zeichnete der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft jetzt die Universität Witten/Herdecke mit der Hochschulperle im August 2011 aus.

In der Einrichtung „Luthers Waschsalon“ engagieren sich Studierende der Fakultät für Gesundheit der Universität und behandeln bedürftige Kranke kostenlos. Unter der Aufsicht eines erfahrenen Arztes erweitern sie dabei zudem ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten, die für die gute ärztliche Praxis wichtig sind.

Ursprünglich von der Bahnhofsmission Hagen und der Lutherkirchengemeinde gegründet, stellte Luthers Waschsalon vor allem Waschgelegenheiten für Wohnungslose zur Verfügung. Allerdings nutzen auch akut von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen, ehemals Wohnungslose und Geringverdiener das Angebot.

Für Zahnmedizinstudierende, die seit 2007 am Projekt teilnehmen, gehört die Arbeit in Luthers Waschsalon zum Ausbildungspflichtprogramm. Die Studierenden der Humanmedizin bringen sich bereits seit dem Jahr 2003
im Rahmen der allgemeinmedizinischen Ausbildung freiwillig ein und ernten ebenfalls durchweg positive Rückmeldungen für Ihren Umgang mit den Patienten.

Der Stifterverband würdigt mit der Hochschulperle eine Initiative, die sich gleichermaßen um ein drängendes gesellschaftliches Problem wie um die Bereicherung der Medizinerausbildung um wichtige soziale Kompetenzen verdient macht. Durch Veränderungen im Gesundheitssystem (Praxisgebühr sowie zunehmende Kostenbeteiligung bei Medikamenten) ist gerade für Wohnungslose und Bedürftige der Zugang zur medizinischen Versorgung deutlich erschwert worden. Deshalb war und ist es Ziel des Projekts, ein niedrigschwelliges und kostenloses Angebot zur Gesundheitsversorgung für diese Patientengruppe zu bieten. „Von dem Projekt profitieren aber nicht nur die Patienten“, macht Dr. Paul Jansen vom Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und Familienmedizin deutlich, der das Projekt der studentischen Beteiligung zusammen mit Heike Spielmann, der Leiterin des Waschsalons und der Hagener Bahnhofsmission, aus der Taufe hob. „Auch unsere Studierenden werden dadurch hervorragend auf die auf sie zukommenden Aufgaben vorbereitet und lernen die Bedeutung sozialen Engagements kennen.“

Dr. Ute Gerhards vom Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der UW/H sagt: „Wir freuen uns über die Auszeichnung und sehen Sie als Bestätigung des Engagements unserer Studierenden aus der Human- und der Zahnmedizin an, die sich dort mit viel persönlichem Einsatz einbringen.“

Was ist eine Hochschulperle?

Hochschulperlen sind innovative, beispielhafte Projekte, die in einer Hochschule realisiert werden. Weil sie klein sind, werden sie jenseits der Hochschulmauern oft wenig registriert. Weil sie glänzen, können und sollten sie aber auch andere Hochschulen schmücken. Der Stifterverband stellt jeden Monat eine Hochschulperle vor, aus denen die Hochschulperle des Jahres 2011 gekürt wird.

Ansprechpartner:

Stifterverband:
Dr. Frank Stäudner
Leiter Kommunikation und Presse
Tel. 0201/84 01 158
frank.staeudner@stifterverband.de

Universität Witten/Herdecke:
Dr. Paul Jansen
Fakultät für Gesundheit
Leiter des Schwerpunktes Aus- Fort- Weiterbildung
Tel. 02302/926-741
paul.jansen@uni-wh.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft

Interview mit Heike Spielmann, Leiterin des Waschsalons und der Hagener Bahnhofsmission:

Wie kam es zur Gründung von Luthers Waschsalon?
Heike Spielmann: Es gab für Menschen ohne Wohnung oder ohne Badezimmer in Hagen ganz einfach keine Möglichkeit, sich zu waschen und zu duschen. Luthers Waschsalon war die Antwort auf die fehlenden Hygieneeinrichtungen. Die medizinische Ambulanz kam dann 1999 dazu. Die Studierenden der Uni Witten/Herdecke sind seit 2003 mit dabei. Seit 2009 haben wir eine Institutszulassung für die Ambulanz.

Wie beurteilen Sie die Arbeit der UW/H-Studierenden?
Heike Spielmann: Die war von der ersten Stunde an positiv. Sie sind von Ihrer Art her unglaublich angenehm und sehr kompetent. Man merkt, dass sie anders ausgebildet sind als viele andere Studierende. Sie bringen eine große Wertschätzung für die Menschen mit und sind sehr behutsam und feinfühlig. Sie erklären viel und nehmen sich Zeit für die Leute. Das finde ich sehr wichtig.
Andersherum gehen aber auch fast alle hier weg und sagen, dass sie wirklich etwas gelernt haben. Sie sind für das Berufsleben vorbereitet und können auch mit dieser Klientel umgehen. Es ist gut, wenn wir Ärzte haben, denen es nicht darum geht, diese Menschen möglichst schnell wieder loszuwerden, sondern die ihnen wirklich helfen können und möchten.

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