Lust auf Stadt

Ökologisch, lebenswert, sozial: In Sachen Klima- und Umweltschutz stellt heute die Stadt das Land in den Schatten – Die zeo2-Titelgeschichte beschreibt, wie sich Großstädte erneuern und vom Moloch zum Hoffnungsträger werden.

(pur). Flucht aufs Land? Ein Einfamilienhaus in der Vorstadt? Die Zeiten sind vorbei. Heute zieht es sogar junge Familien in die City. Städte stehen für kurze Wege, für Gemeinschaft, Teilen, Tauschen und ökologisches Wohnen. Ein umwelt-sensibilisierter Städter verursacht weniger als halb so viel Klimagase und er verbraucht weniger Ressourcen als der Durchschnitts-Deutsche. „Was du konsumierst, ist wichtig – aber entscheidend ist, wo du wohnst“, haben Wissenschaftler herausgefunden. Speckgürtel oder Innenstadt? Deutschlands prominenteste Köchin Sarah Wiener bekennt im zeo2-Interview: „Dann lebe ich lieber in der Stadt.“

Im Sonderteil „Neue Wirtschaft“ werden – in Kooperation mit UnternehmensGrün, dem Zusammenschluss nachhaltig orientierter Firmen – bessere Formen des Wirtschaftens vorgestellt; Firmen, die sich nicht allein an der Profitmaximierung orientieren, sondern auch am Gemeinwohl, gibt es längst. Aber es kommt darauf an, „diese Ausnahmen zur Regel zu machen“, sagt Nina Scheer, die Geschäftsführerin von UnternehmensGrün. Ex-Greenpeace-Chef Gerd Leipold nennt im Interview die krassesten Greenwasher und Trittbrettfahrer dieser unternehmerischen Umweltbewegung – aber auch die erstaunlichen Hoffnungsträger.

In den zeo2-Standpunkten erklärt Ernährungsexpertin Ulrike Gonder, warum weder Veganer noch Vegetarier die Welt retten und Fleisch dazu gehört. Den Anhängern einer Ernährung ohne tierische Produkte fehle es nicht am guten Willen, aber am Wissen über die Natur. Denn ohne Tiere gebe es nicht einmal Biolandbau. „Wir katapultieren uns aus dem Holozän“, schreibt der Klimaforscher und ständige zeo2-Kolumnist Stefan Rahmstorf. Die Erde habe die Phase des natürlichen, allmählichen Klimawandels nach der letzten Eiszeit verlassen. Diese Zeit, das Holozän, gehe zu Ende. Nun macht der Mensch das Klima. Beim von der EU-Kommission verfolgten „Greening“ der Agrarsubventionen werde allenfalls „Blassgrün auf Acker und Weide“ herauskommen, fürchtet BUND-Expertin Reinhild Benning. Die Bundesregierung könnte das im Poker mit den anderen EU-Mitgliedstaaten noch ändern.

Außerdem in der neuen zeo2:

Wildnis ist Freiheit – Der Erstling unserer neuen Kolumnistin Bettina Hartz.
Über grüne Besserverdiener – Kolumnist Peter Unfried.
Wo Tomaten Fische lieben – Über den weltweiten Boom der Aquakultur, der zur Wunderwaffe gegen die Überfischung der Meere werden könnte, schreibt Annette Jensen.
Energie-Supermacht USA – Mit Fracking und Energiesparen zur Nummer eins der Welt? Nein, sagt die Energy-Watch-Group und prophezeit das baldige Ende des Erdgas-Hypes. Manfred Kriener berichtet.
Die One-Woman-Show – Joachim Wille porträtiert die DIW-Ökonomin und Energiewende-Fachfrau Claudia Kemfert.
Letzte Hoffnung – Die deutsche Solarindustrie scheint dem Untergang geweiht, Doch jetzt gerät auch die Billigkonkurrenz aus China ins Trudeln. Die heimischen Hersteller wittern Morgenluft, berichtet Sascha Rentzing
Das giftige Erbe der Gentechnik – Immer mehr Bauern ersetzen den Pflug durch Herbizide, die für die Anwendung bei genmanipulierten Pflanzen entwickelt wurden. Dabei sind Deutschlands Äcker gentechnikfrei, erklärt Stephan Börnecke.
Blut am Blech – Woher kommen die Rohstoffe für unsere Handys, Computer und Autos? Mensch und Natur gelten oft nichts, wenn es um Milliarden aus dem Export geht. Oliver Ristau berichtet vom Rohstoffkampf in Peru und den Reaktionen der Firmen hierzulande.
Fehlt nur noch der Tempomat – Bernd Müllender testet zwei neue Pedelecs: Während die Technik immer ausgefeilter wird, bleiben die Behauptungen zur Reichweite der Akkus frech.

Infos:

zeo2-Sommerheft ist da – Ausgabe 03/2013 des Umweltmagazins erschienen
Am Kiosk und im Abo unter https://www.taz.de/zeitung/abo/zeozwei/

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