Lindauer Nobelpreisträgertagung eröffnet

In Lindau am Bodensee wurde am Sonntag die 65. Lindauer Nobelpreisträgertagung feierlich eröffnet. Bundespräsident Joachim Gauck hielt eine Ansprache und begrüßte die Gäste aus rund 90 Ländern. 65 Nobelpreisträger und über 650 ausgewählte Nachwuchswissenschaftler nehmen bis Freitag an der traditionsreichen Tagung teil. Sie ist dieses Jahr allen drei naturwissenschaftlichen Nobelpreis-Disziplinen zugleich gewidmet: Medizin, Physik und Chemie. Vor dem Hintergrund der zunehmend interdisziplinär ausgerichteten Wissenschaftslandschaft geht das Programm unter anderem der Frage nach, inwieweit vom Zusammenspiel unterschiedlicher Forschungszweige künftig Durchbrüche in Schlüsselbereichen zu erwarten sind.

Joachim Gauck ist nach Roman Herzog, Johannes Rau, Horst Köhler und Christian Wulff der fünfte Bundespräsident, der die alljährliche Lindauer Nobelpreisträgertagung besucht. Bundespräsident a.D. Horst Köhler zählte ebenfalls zu den weiteren Ehrengästen wie Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, und andere hochrangige Vertreter aus dem In- und Ausland. Die deutsche Bundesregierung wurde durch Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, vertreten, der Freistaat Bayern durch Staatsministerin Beate Merk.

„Kernanliegen der Tagung ist die Inspiration und Motivation junger Wissenschaftler und Forscher“, sagte Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg, Präsidentin des Kuratoriums. In ihrer Eröffnungsrede betonte sie, dass die engagierten und wissbegierigen jungen Leute der Hauptgrund dafür sind, dass die Nobelpreisträger den Lindauer Tagungen eng verbunden sind. Da außerdem der Dialog zwischen den Kulturen im Zentrum stehe, freute sich Gräfin Bernadotte über das internationale Teilnehmerfeld. Hunderte Studierende, Doktoranden und Postdoktoranden weltweit hatten sich um die Teilnahme an der Tagung beworben.

Bertrand Gros, Verwaltungsratsvorsitzender der Rolex SA, und Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, wurden in den Ehrensenat der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen aufgenommen. Beide reihen sich ein in den Kreis bedeutender Persönlichkeiten wie Angela Merkel, José Manuel Barroso und Bill Gates, die den Lindauer Nobelpreisträgertagungen besonders verbunden sind.

Der Stiftungsvorsitzende Wolfgang Schürer würdigte ihre herausragenden Verdienste. Bertrand Gros orientiere sich als Treuhänder eines Stiftungsunternehmens am Kompass der Exzellenz im unternehmerischen wie im philanthropischen Wirken. Mentorenprojekte kämen jungen Talenten in den Bereichen Bildung, Kunst und Umweltschutz in allen Kontinenten zugute. Ulrich Wilhelm habe die Notwendigkeit eines grundlegenden Verständnisses von Wissenschaft und Innovation, das gerade im digitalen Zeitalter auch eine Voraussetzung für die Urteilsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger darstelle, thematisiert und entsprechend gefördert. Nicht nur im Bereich des Journalismus entspreche die Einheit von Freiheit und Verantwortung seinem Credo, das sein Wirken als Intendant des Bayerischen Rundfunks nachhaltig präge.

Mit einer Präsentation des gefragten schwedischen Wirtschaftsvordenkers Kjell A. Nordström über die urbane Zukunft der Menschheit endete die Eröffnungszeremonie. Der Ökonomie-Professor, Berater und Autor internationaler Managementbestseller gilt als einflussreicher Impulsgeber auf dem Gebiet der Globalisierungsforschung.

Bis Donnerstag, den 2. Juli haben die teilnehmenden Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler ausgiebig Gelegenheit zum intensiven Austausch miteinander. Zahlreiche Vorträge, Diskussionen, Master Classes und Podiumsdiskussionen stehen auf dem Programm. Zum Abschluss findet am Freitag, dem 3. Juli auf Einladung des Landes Baden-Württemberg eine Schiffsfahrt auf dem Bodensee zur Insel Mainau statt, wo die Tagung mit einer Podiumsdiskussion zum Beitrag von Bildung und Wissenschaft für den Frieden unter Beteiligung von Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi endet.

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