Akute myeloische Leukämie: Neue Therapie bei AML

Akute myeloische Leukämie: Seit Mai 2010 ist für erwachsene Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), einer Krebserkrankung des blutbildenden Systems, eine Kombinationsbehandlung mit Histamindihydrochlorid und Interleukin-2 zur Verlängerung der krankheitsfreien Phase nach einer ersten Chemotherapie zugelassen.

In Deutschland erkranken etwa 3600 Personen pro Jahr an der akuten myeloischen Leukämie. Das durchschnittliche Alter bei der Diagnosestellung liegt bei 63 Jahren. Eine AML entwickelt sich aufgrund einer bösartigen Veränderung der Vorläuferzellen bestimmter weißer Blutkörperchen. Dadurch wird die Reifung zu funktionstüchtigen Zellen verhindert und es kommt zur massiven Vermehrung und der Ausbreitung unreifer Vorstufen im Knochenmark, im Blut und in den Organen.

Manche Patienten können mit einer Knochenmarktransplantation geheilt werden. Patienten, bei denen dies nicht möglich ist, erhalten eine Chemotherapie mit dem Ziel einer „kompletten Remission“ – einer Beseitigung aller Krankheitssymptome mit Normalisierung des Blutbildes und Beseitigung der leukämischen Zellen im Knochenmark. Nur wenige Patienten können mit Hilfe der Chemotherapie dauerhaft geheilt werden. Bei den meisten kehrt die AML nach einer krankheitsfreien Phase wieder zurück. Mit verschiedenen chemischen und immunstimulierenden Substanzen versucht man im Rahmen einer „Erhaltungstherapie“, diesen Rückfall so lange wie möglich hinauszuzögern.
186
Wirkstoffe verstärken sich gegenseitig
Für das Wiederauftreten der AML sind Leukämiezellen verantwortlich, die mit der Chemotherapie nicht beseitigt werden konnten. Mit der Kombination aus Histamindihydrochlorid und Interleukin-2 (IL2) sollen diese restlichen Leukämiezellen mit Hilfe des Immunsystems vernichtet werden.

  • Histamindihydrochlorid schützt bestimmte Abwehrzellen, die für die immunvermittelte Zerstörung der Leukämiezellen verantwortlich sind.
  • Interleukin-2 aktiviert die antileukämischen Eigenschaften dieser Zellen und fördert zusätzlich die Vermehrung und die Ausbreitung der Zerstörerzellen.

Durch die Kombination verstärken sich die Substanzen gegenseitig in ihrer Wirkung und das erneute Auftreten der AML kann signifikant aufgehalten werden.
187
Längeres krankheitsfreies Überleben
In einer Zulassungsstudie für Histamindihydrochlorid und Interleukin-2 erhielten 320 Patienten (Durchschnittsalter 57) in erster oder höherer kompletter Remission nach dem Zufallsprinzip über einen Zeitraum von 18 Monaten entweder die Kombinationstherapie oder keine Behandlung. Bei Patienten in erster Remission konnte mit der Kombination ein krankheitsfreies 3-Jahresüberleben von 40 Prozent erreicht werden. Von den Patienten, die keine Behandlung erhalten hatten, überlebten dagegen nur 26 Prozent drei Jahre lang krankheitsfrei. Bei Patienten ab der zweiten Remissionsphase zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen. (10/2010 Medizin Aspekte)

Quellen:
Neue Kombination als Therapieoption bei AML
Satelliten-Symposium: Reducing the risk of relapse in AML; DGHO Berlin 2010

Scroll to Top