Lernstörungen: Forschungsergebnisse für die Praxis aufbereitet

Wissenschaftlich erprobte Diagnose- und Förderinstrumente werden dringend gebraucht: „Etwa jedes achte Schulkind in Deutschland ist von einer Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten betroffen“, erläutert Professor Dr. Marcus Hasselhorn, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), der die Koordinierungsstelle des Forschungsschwerpunkts gemeinsam mit Professor Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München, leitet. Von einer solchen Entwicklungsstörung spricht man, wenn Kinder im Vergleich zu Gleichaltrigen erhebliche Defizite beim Lesen, Rechtschreiben und/oder Rechnen zeigen, obwohl sie gemäß ihrer Intelligenz über eine normale allgemeine Lernfähigkeit verfügen. „Es ist von hoher Bedeutung, Entwicklungsstörungen oder die Anzeichen dafür früh zu erkennen, um den Kindern mit fundierten Präventions- oder Förderprogrammen helfen zu können“, betont Professor Schulte-Körne.

Die Projekte des Forschungsschwerpunkts haben verschiedene diagnostische Testverfahren empirisch überprüft und neue, computerbasierte Förderprogramme entwickelt und evaluiert. Die Instrumente, die sich auf unterschiedliche schulische Fertigkeiten und die zugrunde liegenden Basiskompetenzen beziehen, sind bereits erhältlich oder werden in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen. Die Broschüre informiert über ihre wissenschaftliche Herleitung, ihre Einsatzgebiete und ihre Eignung für bestimmte Lerngruppen und Lernumgebungen. Zugleich verweist die Publikation auf weiteren Forschungsbedarf und gibt Einblick in relevante, im Rahmen des Forschungsschwerpunkts erarbeitete Grundlagenerkenntnisse: etwa zur Häufigkeit des Auftretens von Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten sowie zur Unterscheidung von Lernschwächen und Lernstörungen beziehungsweise der einzelnen Entwicklungsstörungen.

Seit Juli 2017 befindet sich der BMBF-Forschungsschwerpunkt in seiner bereits dritten Förderphase. Ein maßgebliches Ziel ist es nun, eine evidenzbasierte, praxistaugliche und online nutzbare Diagnose- und Förderplattform zu entwickeln, in die auch die aktuellen Forschungsergebnisse einfließen. So können sich künftig Schulen, Schulpsychologinnen und -psychologen, Lerntherapeutinnen und -therapeuten, Jugendämter und Eltern detailliert über die Instrumente informieren und sie nutzen.

• Die neue Broschüre:
• Ausführliche Informationen zum Forschungsschwerpunkt:

Kontakt:

Forschungsschwerpunkt:
Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, DIPF, +49 (0)69 24708-214,
Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Klinikum der Universität München, +49 (0)89 4400-55901,

Presse:
Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, ,
Isabelle Kessler, Klinkum der Universität München, +49 (0)89 4400-56954,
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Über das DIPF:
Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) mit Sitz in Frankfurt am Main und in Berlin trägt mit empirischer Bildungsforschung, digitaler Infrastruktur und gezieltem Wissenstransfer dazu bei, Herausforderungen im Bildungswesen zu bewältigen. Das von dem Leibniz-Institut erarbeitete und dokumentierte Wissen über Bildung unterstützt Wissenschaft, Politik und Praxis im Bildungsbereich – zum Nutzen der Gesellschaft.

Über die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München:
Auf drei Stationen, einer Tagesklinik und in mehreren Ambulanzen wird von einem multidisziplinären Team eine umfassende Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen angeboten, die die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse kontinuierlich integriert. Eine wichtige Grundlage hierfür sind die Studien zur Prävention und zur Wirksamkeit neuer Behandlungsmethoden. In der Forschungsabteilung werden grundlagenorientierte Studien zu den Ursachen psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen mit den Schwerpunkten Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörung sowie Depression durchgeführt. Die Klinik steht für „psychisch gesundes Aufwachsen“ und fördert die individuellen Ressourcen der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familie.

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