Rheumatoide Arthritis. Anläßlich eines Satellitensymposium (1) forderte im Rahmen des Kongresses 2018 der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) Prof. Dr. MARKUS GAUBITZ, Münster, die Therapiechancen bei rheumatoider Arthritis (RA) auszureizen. Dabei berief er sich unter anderem auf aktuelle Studienerkenntnisse zu Methotrexat (MTX), Daten aus der Praxis und die neue S2e-Leitlinie (2). Prof. Dr. MARC SCHMALZING, Würzburg, und PD Dr. NILS VENHOFF, Freiburg, gaben weiterführende Einblicke in neue Erkenntnisse der MTX-Therapie bei onkologischen Patienten und thematisierten aktuelle Erkenntnisse in der DMARD-Behandlung bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden (AAV).
Rheumatoide Arthritis – Small molecule der ersten Generation – Potenzial von Methotrexat ausschöpfen
Den Status von Methotrexat als „Mittelpunkt der Therapie zu Beginn und als Kombinationspartner im weiteren Verlauf“(2) untermauerte GAUBITZ auch mit Daten aus der Praxis. Die aktuellen Auswertungen der Kerndokumentation des deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) zeigen abermals, dass MTX mit 60% behandelten Patienten das am häufigsten eingesetzte Medikament bei der rheumatoiden Arthritis ist – und das konstant seit 2007.(3,4) Die Registerdaten belegen zudem die außerordentliche Bedeutung von Methotrexat als Partner in medikamentösen Kombinationstherapien und den ebenfalls ungebrochenen Stellenwert von MTX für die Therapie der Psoriasis-Arthritis (PsA).
GAUBITZ betonte, dass es ständig neue Erkenntnisse zu Methotrexat gibt, die zeigen, dass das Potenzial von MTX in der Rheuma-Therapie noch lange nicht ausgereizt sei. Neben der langjährig erwiesenen Sicherheit und Effizienz von MTX belegen zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse die Vorteile der subkutanen Applikation von Methotrexat. Diese zeigen bei vergleichbaren Sicherheitsdaten eine bessere Bioverfügbarkeit und Effektivität von Methotrexat, wenn es unter die Haut gegeben wird.(5,6,7,8) Die sc-Applikation ist zudem mit einer besseren gastrointestinalen Verträglichkeit assoziiert.(9) Mit Blick auf neuere Literatur und eine aktuell im Rahmen des diesjährigen EULAR vorgestellte Analyse der Canadian Early Arthritis Cohort (CATCH) betonte GAUBITZ, dass ein frühe und höherdosierte MTX-Gabe mit einem besseren Therapieansprechen assoziiert ist.(10) Pharmaökonomische Daten zeigen darüber hinaus, dass ein Wechsel von oralem auf subkutan verabreichtes Methotrexat den Einsatz von kostenintensiveren Biologika deutlich herauszögern, wenn nicht sogar verhindern kann.(11,12,13)
S2e-Leitlinie zur Therapie der RA – sc MTX-Gabe mit optimierter Startdosis
Die aktuell veröffentlichte deutsche S2e-Leitlinie bestätigt den Stellenwert von Methotrexat als anchor drug in der Erstlinien-Therapie der rheumatoiden Arthritis. Die Leitlinienkommission empfiehlt einen konsequenten optimierten Einsatz von Methotrexat. Als „optimale Startdosis“ werden 15 mg/Woche genannt und es wird eine „rasche Dosissteigerung“ auf bis zu 25 mg/Woche angeraten.(2) Auch den neueren Erkenntnissen zur Bioverfügbarkeit und Effektivität bei parenteraler Gabe wird Rechnung getragen. So empfehlen die Leitlinien ab Dosierungen>15mg/Woche die subkutane Gabe.(2)
Der Rheumapatient in der Onkologie und MTX bei Vaskulitiden
SCHMALZING ging in seinem Vortrag auf die Risiken und Chancen der antirheumatischen Therapie bei onkologischen Patienten ein. Er betonte, dass neue Daten darauf hinweisen, dass Methotrexat zur rheumatischen Behandlung auch bei der Tumoranamnese nicht nur möglich, sondern durchaus sinnvoll sei. Auch hinsichtlich der organspezifischen ‚Immune-Related Adverse Events‘ (IRAE) infolge der Gabe von Checkpointinhibitoren deuten aktuelle Studiendaten darauf hin, dass steroidsparende DMARDs wie MTX hier effektiv seien.(14,15) Es gäbe keine Hinweise auf ein gemindertes Tumoransprechen noch auf ein erhöhtes Rezidivrisiko.
VENHOFF ging in seinem Vortrag unter anderem auf die neuesten Erkenntnisse zur Therapie der ANCA-assoziierten Vaskulitiden ein. Als Basis hierfür dienten die aktuellen und ersten deutschen Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der AAV.(16) Laut dieser Leitlinien ist in der Remissionsinduktion bei fehlender lebens- und organfunktionsbedrohender Manifestation auch der Einsatz von Methotrexat möglich und bei Remissionserhalt Mittel der ersten Wahl.
Quellen
- Medac-Satellitensymposium „Methotrexat — zentraler Baustein der modernen Rheumatherapie“ im Rahmen des 46. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) am 20. September in Mannheim.
- Fiehn C et al. S2e-Leitlinie: Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten. Zeitschrift für Rheumatologie. 2018;77(Suppl 2):35–53.
- Deutsches Rheuma-Forschungszentrum. Daten der Kerndokumentation. 2016, Berlin o.J., Folie 14, URL: https://www.drfz.de/forschung/arbeitsgruppen/versorgungsforschung (Stand: 19.09.2018).
- Albrecht K et al. Versorgung der rheumatoiden Arthritis 2014. Aktuelle Daten aus der Kerndokumentaion. Z Rheumatol. 2017;76:50-7.
- Vena GA, Cassano N, Iannone F. Update on subcutaneous methotrexate for inflammatory arthritis and psoriasis. Ther Clin Risk Manag. 2018;14:105-16.
- O’Connor A et al. The rapid kinetics of optimal treatment with subcutaneous methotrexate in early inflammatory arthritis: an observational study. BMC Musculoskelet Disord. 2016;17:364.
- Schiff MH et al. Head-to-head, randomised, crossover study of oral versus subcutaneous methotrexate in patients with rheumatoid arthritis: drug-exposure limitations of oral methotrexate at doses ≥ 15 mg may be overcome with subcutaneous administration. Ann Rheum Dis. 2014;73:1549-51.
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