Leistungsdaten der Kinderherzmedizin 2016 auf der Pressekonferenz der Deutschen Herzstiftung

Von 792.000 Lebendgeborenen im Jahr 2016 in Deutschland kommen rund 1%, also schätzungsweise 7.900 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler (AHF) zur Welt. Heute können die meisten dieser Kinder ein weitgehend normales Leben führen, und mehr als 94% erreichen – zum Teil mit wiederholten und komplexen Herzoperation und/oder Katheterintervention – das Erwachsenenalter. Man geht aktuell davon aus, dass in Deutschland etwa 100.000 Kinder und Jugendliche sowie 180.000 Erwachsene mit einem behandelten angeborenen Herzfehler leben.
Prof. Sven Dittrich, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK), berichtete auf der Pressekonferenz der Deutschen Herzstiftung im Januar 2018 über die Leistungsdaten der 2016 in Deutschland versorgten Kinder und Erwachsenen mit AHF. Diese Patienten stellen, wie er betont, innerhalb der Herzmedizin eine kleine, aber in der Diagnose und Behandlungskomplexität besondere Gruppe dar, die einer interdisziplinär abgestimmten Versorgung bedarf und die auf Grund ihrer langen Lebenserwartung auch eine besondere sozioökonomische Bedeutung in der Krankenversorgung hat.
Die Patienten werden in insgesamt 32 Kinderherzkliniken, ferner durch Kinderkardiologen in allgemeinen Kinderkliniken und durch niedergelassene Kinderkardiologen versorgt. Seit 2012 gibt es eine fallbezogene Jahresauswertung (Nationale Qualitätssicherung Angeborener Herzfehler), an der sich 2016 neunundzwanzig Kliniken beteiligten.
Für das Jahr 2016 weisen die Daten 22.219 stationäre Behandlungsfälle für diese Patientengruppe aus, von denen 3.969 Erwachsene mit AHF waren.
Der Bericht zeigt ferner, dass die Sterblichkeit an angeborenen kardiovaskulären Fehlbildungen seit 1990 dramatisch um mehr als 60% gesunken ist. Die Sterbeziffer (Sterblichkeit / 100.000 Einwohner) liegt seit 2007 stabil in einer sehr niedrigen Größenordnung von 0,5%. In keinem anderen Bereich der Herzmedizin ist die Sterberate in den vergangenen Jahrzehnten derart drastisch gesunken. Dies ist der guten Früherkennung und der Versorgung in hochspezialisierten Zentren mit einer zwischen Kinderkardiologen und Kinderherzchirurgen patientenindividuell eng abgestimmten Versorgungskette zu verdanken.
Die Statistik weist ferner die Zahl der Kathetereingriffe und Operationen aus. Es wurden insgesamt 9.050 Herzkatheteruntersuchungen an den 32 Kinderherzkliniken durchgeführt, von denen 20% bei erwachsenen Patienten getätigt wurden. Die Sterblichkeit bei Herzkathetereingriffen war sehr gering (0,03% bei diagnostischen und 0.1% nach interventionellen Eingriffen).
Herzchirurgische Eingriffe wurden bei 5.855 Patienten durchgeführt, davon 81% mit Herzlungenmaschine. Die Sterblichkeit bei den operativen Eingriffen ist ebenfalls gering mit 2,5%. Die höchste Sterblichkeit ließ sich in risikoadjustierten Analysen den komplexen Behandlungen bei Hochrisikopatienten zuordnen. Dies waren die 6% aller Fälle, die im selben Klinikaufenthalt wiederholter operativer und/oder interventioneller Eingriffe bedurften (Fälle mit Mehrfacheingriffen, die eine Sterblichkeit von 9,7% aufwiesen).

In diesem Zusammenhang wies Prof. Dittrich explizit auf die positive Auswirkung der Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung der herzchirurgischen Versorgung bei Kindern und Jugendlichen gem. § 137 I 2 SGB V (Richtlinie zur Kinderherzchirurgie, aktualisierte Fassung vom 15.12.2016) hin, die mit den Vorgaben zu personellen und infrastrukturellen Voraussetzungen der Forderung nach einer Konzentration der Versorgung angeborener Herzfehler bzw. der Kinderherzchirurgie Rechnung trägt.

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie
Geschäftsstelle Düsseldorf

Pressebeauftragte: Prof. Dr. med. Angelika Lindinger
email: angelika.lindinger@uks.eu
Tel: 06848/1616; 0172/6865191

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