Leibniz-Institute und Museen in Hamburg, Frankfurt/Main, Potsdam, Speyer und Düsseldorf evaluiert

Evaluiert wurden:

• Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, Hamburg (HPI)
• Senckenberg Forschungsinstitute und Naturmuseen, Frankfurt am Main u. a. (SGN)
• Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer (FÖV)
• Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB)
• Deutsches Diabetes-Zentrum – Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (DDZ)

Jede Leibniz-Einrichtung wird regelmäßig extern evaluiert, spätestens alle sieben Jahre. International ausgewiesene Sachverständige, die durch schriftliche Unterlagen und bei einem Evaluierungsbesuch informiert werden, bewerten die Leistungen und Strukturen jeder Einrichtung. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einem Bewertungsbericht festgehalten, zu dem das evaluierte Institut Stellung nehmen kann. Auf dieser Grundlage verabschiedet der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine wissenschaftspolitische Stellungnahme, die Empfehlungen zur weiteren Förderung der Leibniz-Einrichtung enthält. Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen. Zusammen mit den Anlagen A (Darstellung der wesentlichen Inhalte und Strukturen der Einrichtung), B (Bewertungsbericht) und C (Stellungnahme der Einrichtung zum Bewertungsbericht) wird die Senatsstellungnahme auf der Internet-Seite der Leibniz-Gemeinschaft veröffentlicht. Alle an der Bewertung und Beurteilung beteiligten Gremien sind ausschließlich mit Personen besetzt, die nicht an Leibniz-Einrichtungen tätig sind.

Zu den Stellungnahmen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft im Einzelnen

Das Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI), in Hamburg bearbeitet mit großem Erfolg speziesübergreifende virologische Fragen an humanpathogenen Viren, wie der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner Stellungnahme feststellt. Dabei wird insbesondere die in diesem Bereich deutschlandweit einzigartige Konzentration auf experimentelle Ansätze gewürdigt.
Das Institut musste sich nach einer kritischen Begutachtung im Jahr 2010 einer vorgezogenen Evaluierung stellen. Der Senat stellt nun ausgesprochen erfreuliche und grundlegende Verbesserungen fest. Unter einer neuen Institutsleitung habe das HPI eine von allen Verantwortlichen gemeinsam getragene Gesamtstrategie entwickelt. Vakante Leitungsstellen seien hervorragend neu besetzt worden.
Die Leistungen seien sehr gut, teilweise exzellent. Die Kooperationsbeziehungen habe man in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Dies komme insbesondere der Translation von Forschungsergebnissen in die Klinik sehr zugute. Auch die Nachwuchsförderung wird gelobt. Nachholbedarf sieht der Senat jedoch in Bezug auf die Gleichstellung, denn Frauen sind auf der Leitungsebene deutlich unterrepräsentiert.
Der Senat lobt, dass sich das HPI mit einer neuen Abteilung, einer Nachwuchsgruppe und weiteren Kooperationen intensiv am Centre for Structural Systems Biology (CSSB) in Hamburg-Bahrenfeld beteiligt. Das CSSB ist ein Zusammenschluss von neun wissenschaftlichen Einrichtungen aus ganz Deutschland zur Untersuchung komplexer Infektionsprozesse im Rahmen eines systembiologischen Gesamtkonzepts. Die von HPI und CSSB gemeinsam getragenen Planungen böten die Chancen für sehr neuartige, international ausstrahlende Erkenntnisse.
Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des HPI fortzusetzen.

Die Senckenberg Forschungsinstitute und Naturmuseen (SGN) mit Standorten u. a. in Frankfurt am Main, Dresden, Görlitz, Müncheberg und Wilhelmshaven erforschen die Entwicklungsgeschichte und Dynamik der Biosphäre. Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft bescheinigt ihnen in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme mit Blick auf die vergangenen sieben Jahre eine außerordentlich dynamische Entwicklung und sehr gute Forschungsleistungen.
Seit der letzten Evaluierung 2007 nahm Senckenberg neue Standorte auf und wuchs erheblich. Der Leitung sei es hervorragend gelungen, eine ortsübergreifende Organisationsform und ein integriertes Forschungskonzept zu entwickeln. Die Umsetzung müsse in den nächsten Jahren konsequent weitergeführt werden, so der Leibniz-Senat.
Die Tätigkeitsschwerpunkte von Senckenberg liegen in der Biodiversitätsforschung, der Ökosystemforschung sowie der systemischen Erforschung der Erde. Sie umfassen auch Anwendungen in Ökologie und Naturschutz. Der Senat würdigt insbesondere, dass die Arbeiten zur biologischen Vielfalt in hervorragender Weise um den Aspekt Klimawandel ergänzt werden. Der Aufbau dieses neuen Themenfeldes wird derzeit durch eine umfangreiche hessische Landesförderung unterstützt. Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, diese Maßnahme dauerhaft weiterzuführen.
Die Senckenberg-Sammlungen umfassen über 38 Millionen Pflanzen, Tiere, Fossilien und Gesteine. Sie gehören damit zu den größten Europas, so der Senat. Sie würden sehr gut gepflegt, müssten allerdings international noch deutlich sichtbarer werden. Der Senat empfiehlt deshalb, die wissenschaftliche Verfügbarkeit der Sammlungsdaten zu verbessern und die digitale Erschließung mit Nachdruck voranzutreiben. Er begrüßt, dass die drei naturkundlichen Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft in diesen wichtigen Fragen eine enge Zusammenarbeit aufbauen.
Der Senat würdigt außerdem die engagierte Vermittlungsarbeit Senckenbergs. Er begrüßt, dass die Dauerausstellung in Frankfurt bald überarbeitet wird und dies von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, dem Trägerverein der Einrichtung, unterstützt wird. Bund und Ländern wird empfohlen, die gemeinsame Förderung der Senckenberg Forschungsinstitute und Naturmuseen fortzusetzen.

Das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer (FÖV) hat den Auftrag, im Bereich der Verwaltung im Rahmen fachübergreifender Vorhaben zu forschen sowie Politik und Verwaltung zu beraten. Bei früheren Evaluierungen wurde immer wieder kritisiert, dass eine eigenständige Profilierung als Forschungsinstitut nicht gelungen war. Trotz einiger struktureller Maßnahmen der vergangenen Jahre und erkennbarer Bemühungen der Leitung sei dieser grundlegende Kritikpunkt nicht ausgeräumt worden, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme. Der Senat weist auf eine Reihe von inhaltlichen Kritikpunkten insbesondere mit Blick auf die Qualität und Kohärenz der Forschung und der Beratungsleistungen, die Nachwuchsförderung und die Kooperationen mit anderen Institutionen hin. Auch sieht der Senat grundlegende strukturellen Schwächen in der Institutsverfassung, die einer kohärenten Profilierung im Wege stehen.
Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des Forschungsinstituts zu beenden.

Das Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e. V. (ATB) betreibt anwendungsorientierte Grundlagenforschung in allen Bereichen der Agrartechnik. Dabei werden vom Institut landwirtschaftliche Produktionsprozesse analysiert und darauf aufbauend neue verfahrenstechnische Lösungen entwickelt.
Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft bewertet die Arbeitsergebnisse des ATB als gut bis sehr gut. Die technologischen Entwicklungen des ATB seien für den agrartechnischen Anwendungsbereich von hoher Bedeutung. Das Institut leiste einen wichtigen Wissens- und Technologietransfer und sei mit seinen Beratungsleistungen auch für politische Entscheidungsträger, insbesondere für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), unverzichtbar.
Es sei jedoch für die weitere Entwicklung des ATB von entscheidender Bedeutung, die Forschungsleistungen zu verbessern. Dies zeige sich u. a. in einer insgesamt noch zu schwachen Publikationsleistung und geringen Drittmitteleinnahmen von der DFG oder der EU. Weitere Kritikpunkte des Senats beziehen sich auf eine zu häufig hausinterne Besetzung von wissenschaftlichen Stellen sowie die nur schwach ausgeprägte Anbindung des ATB an die Hochschulen der Umgebung.
Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des Leibniz-Zentrums fortzusetzen. Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, die Forschungsleistungen zu steigern empfiehlt der Senat, die nächste Überprüfung der Fördervoraussetzungen bereits 2018 vorzusehen.

Das Deutsche Diabetes-Zentrum – Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (DDZ) widmet sich der Verbesserung von Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus. Darüber hinaus arbeitet das DDZ an der Verbesserung der epidemiologischen Datenlage dieser Krankheit, die weltweit immer mehr Menschen betrifft.
Wie der Senat der Leibniz-Gemein¬schaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme festhält, hat sich das Zentrum in den letzten Jahren auf der Grundlage deutlich gesteigerter Leistungen und ausgebauter Patientenkollektive zu einem auch im Ausland wahrgenommenen Referenzzentrum der Diabetesforschung entwickelt. Die Neubesetzung der Direktorenstelle im Jahr 2008 habe zur Überwindung einer für das DDZ ausgesprochen kritischen Phase geführt. Seitdem habe es eine grundlegende wissenschaftliche Neuausrichtung durchlaufen und sein Gesamtkonzept unter Betonung translationaler Forschungsansätze schlüssig weiterentwickelt. Mittlerweile würden Aspekte der Grundlagenforschung überzeugend mit Fragen der klinisch-experimen¬tellen Forschung verbunden.
Als sehr positiv würdigte der Senat auch die intensive Zusammenarbeit des DDZ mit der Heinrich-Heine-Universität und mit dem Universitätsklinikum Düsseldorf. Darüber hinaus begrüßt er den vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Aufbau eines Nationalen Informationszentrums für Diabetes als ein für den Beratungs- und Informationsauftrag des DDZ wesentliches Instrument, das weiterentwickelt und finanziell nachhaltig gesichert werden soll. Der Senat empfiehlt, die gemeinsame Förderung fortzuführen.

Die einzelnen Senatsstellungnahmen finden Sie im Wortlaut auf den Internetseiten der Leibniz-Gemeinschaft unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/evaluierung/

Pressekontakt für die Leibniz-Gemeinschaft

Christian Walther
Tel.: 030 / 20 60 49 – 42
Mobil: 0173 / 513 56 69

Die Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen u.a. in Form der WissenschaftsCampi , mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.500 Personen, darunter 8.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.

Scroll to Top