Legendär und sehr lebendig

(djd). Zwischen Hamburg und Bremen, inmitten der einzigartigen Landschaft des Teufelsmoors, liegt das berühmte Künstlerdorf Worpswede. Bis vor 125 Jahren war Worspwede ein unbekanntes und ärmliches Moordorf. Doch dann geschah 1889 das völlig Unerwartete: Von dem Ort und der kargen, urtümlichen Landschaft begeistert, beschlossen drei junge Maler, sich hier niederzulassen und eine von der Natur inspirierte Kunst zu schaffen. Innerhalb weniger Jahre wurde Worpswede zu einer Pilgerstätte für Künstler und Sinnsucher und zur bekanntesten Künstlerkolonie Deutschlands.

Vier Museen – eine Jubiläumsausstellung

Das Jubiläum 2014 begehen die vier zentralen Worpsweder Museen mit einem gemeinsamen Ausstellungsreigen, der vom 11. Mai bis zum 14. September mit einer „Großen Sommerausstellung“ unter dem Namen „Mythos und Moderne“ seinen Höhepunkt findet. Der Bogen spannt sich von den Anfängen bis in die Gegenwart, von den Malern der ersten Stunde bis hin zu zukunftsweisenden künstlerischen Positionen. Über 200 Schlüsselwerke beleuchten Licht und Schatten, Vision und Wirklichkeit, Erfolg und Scheitern, Krisen und Neuanfänge. Alle Informationen zur Ausstellung gibt es unter http://www.worpswede-museen.de, viel Wissenswertes zur Region findet man unter http://www.kulturland-teufelsmoor.de.

Flucht in die Kunst – Aufbruch und frühe Erfolge

Das „Haus im Schluh“ zeigt unter dem Titel „Flucht in die Kunst – Aufbruch und frühe Erfolge“ die Anfänge der Künstlerkolonie. Ab 1889 finden in Worpswede junge Künstlerinnen und Künstler zusammen, die bewusst die dörfliche Abgeschiedenheit suchen und in der Darstellung der urtümlichen Landschaft und des bäuerlichen Daseins einen Gegenentwurf zum modernen Leben schaffen. In der Zusammenschau von exemplarischen Werken der Worpsweder Künstler mit Arbeiten zeitgenössischer Vorläufer und Wegbereiter aus Frankreich wird der ganz eigene Beitrag der „Alten Worpsweder“ zur kunstgeschichtlichen Entwicklung deutlich.

Verkannte Moderne – eine Gegenüberstellung

Das Barkenhoff/Heinrich-Vogler-Museum konfrontiert unter dem Titel „Verkannte Moderne – eine Gegenüberstellung“ die Kunstwerke der berühmten Worpswederin Paula Modersohn-Becker mit den Werken der Gründer der Künstlerkolonie. Ihre herausragende Leistung als eine Pionierin der künstlerischen Moderne und Wegbereiterin des Expressionismus in Deutschland wird erst nach dem frühen Tod Modersohn-Beckers im Jahre 1907 erkannt – selbst ihre Worpsweder Malerkollegen hatten sie kaum wahrgenommen. Heute ist sie mit ihrem radikal modernen malerischen Ansatz die bedeutendste unter allen Worpsweder Künstlern.

Zeitenwende – Kunst und Weltanschauung

Die „Große Kunstschau Worpswede“ stellt unter dem Motto „Zeitenwende – Kunst und Weltanschauung“ die drei Künstler Heinrich Vogeler, Fritz Mackensen und Bernhard Hoetger vor, die die Geschichte der Kolonie nach dem 1. Weltkrieg prägten. Die außergewöhnlich unterschiedlichen Lebens- und Weltentwürfe dieser drei Worpsweder sind für die Geschichte der Künstlerkolonie gleichermaßen prägend. Ihr Leben und ihre künstlerische Entwicklung stehen im Mittelpunkt der Werkschau.

Stunde Null – Neubeginn und Wege in die Moderne

Zu guter Letzt beschäftigt sich die Worpsweder Kunsthalle mit der „Stunde Null – Neubeginn und Wege in die Moderne“. Die Kunst der „Alten Worpsweder“ war von den Nationalsozialisten für ihre völkische Kunstauffassung vereinnahmt worden, ihre Verbreitung wurde auch durch einige Worpsweder Künstler aktiv vorangetrieben. Dennoch gelingt Worpswede nach 1945 ein künstlerischer Neubeginn im Zeichen der Moderne, der eine Öffnung zur Welt und eine zweite Blütezeit des Künstlerdorfs in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts einleitet.

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