Neue Ansätze für frühe Therapien bei Leberkrebs

Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München sind maßgeblich an zwei Studien beteiligt, die die medizinische Behandlung von Leberkrebs grundlegend verändern könnten: Mediziner können den Aggressivitätsgrad des Tumors nun in sehr frühen Stadien bestimmen – und dadurch individuell therapieren. Die zweite Studie zeigt, durch welchen Mechanismus das Immunsystem prämaligne Leberzellen aus dem Körper entfernt – und eröffnet so eine Möglichkeit für einen neuen Therapieansatz. Die Studien wurden bei Gut bzw. Nature, zwei angesehenen Fachjournalen, veröffentlicht.

Zwei Studien in hochrangigen Fachjournalen zeigen neue Ansätze für frühe Therapien beim Leberkrebs – der Krebsart, die am dritthäufigsten auftritt. Zu beiden Studien hat das Team um Prof. Mathias Heikenwälder vom Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums München maßgeblich beigetragen. 

In Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich und dem Singapore Immunology Network hat er eine Methode entwickelt, um bereits in sehr frühen Krebsstadien individuell vorhersagen zu können, wie aggressiv das Leberzell-Karzinom eines Patienten sein wird. Immunzellen wandern in frühe Tumore ein und hinterlassen dort eine Signatur – dieses Muster aus Chemokinen* und Immunmarkern verwenden die Wissenschaftler für ihre Prognose. Das Team um Heikenwälder hat die europäischen Proben untersucht – und konnte so zeigen, dass die Signatur universell gültig ist. „Unsere Erkenntnisse sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Personalisierten Medizin“, sagt Prof. Mathias Heikenwälder. „Wir können nun in einem sehr frühen Stadium des Leberkrebses bestimmen, welche Therapie für welchen Patienten besonders geeignet ist.“ 

Die zweite, am 09.11.2011 bei Nature veröffentlichten Studie zeigt erstmals, dass es Immunzellen sind, die die Vorläuferzellen des Leberzellkarzinoms aus dem Körper entfernen – genauer: T-Helferzellen, Monozyten und Makrophagen. „Wenn wir herausfinden, wie wir diese Immunreaktion verstärken können, können wir neue Behandlungsoptionen für Leberkrebs entwickeln“, sagt Heikenwälder. Bei dieser Studie hat er unter anderem mit Prof. Lars Zender vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig zusammengearbeitet.

Die Volkskrankheit Krebs ist die weltweit häufigste Todesursache. Davon sterben weltweit 800.000 Menschen im Jahr an Leberkrebs.Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von Volkskrankheiten und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention ist Ziel des Helmholtz Zentrums München.

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