Lebensqualität bei Krebspatienten verbessern

Die Diagnose Krebs ist für alle Betroffenen ein Schock. Die meisten Patienten befürchten vor allem, an der Krankheit zu sterben. Viele haben zusätzlich Angst vor Schmerzen, Metastasen oder den Auswirkungen der Chemothe­rapie. Innovative Behandlungskonzepte in der modernen Krebstherapie ermöglichen jetzt nicht nur höhere Heilungschancen und längere Lebenszeiten, sondern bieten auch eine bessere Lebensqualität für die Patienten.

Diagnose Krebs verändert Präferenzen bei Krebspatienten
Mit der Diagnose Krebs verändern sich häufig die Präferenzen im Leben des Patienten. Es gibt Patienten, die jetzt weniger arbeiten und mehr Zeit mit der Familie verbringen möchten, während andere Betroffene sich in die Arbeit stürzen, um die Krankheit besser zu bewältigen. Die Erkrankung und die Therapie können die Lebensqualität von Krebspatienten zeitweise oder über längere Dauer drastisch einschränken. Viele Patienten wünschen sich jedoch, bestimmte Dinge zu verwirklichen, die sie immer schon einmal tun wollten. Dazu ist eine möglichst gute körperliche Verfassung und  – wenn möglich –  eine gewisse Unabhängigkeit von Ärzten und Krankenhäusern erforderlich.

Krebstherapie verbessert die Lebensqualität durch moderne Behandlungskonzepte
Die Behandlung spielt für den körperlichen Zustand des Patienten und damit auch für seine Lebensqualität eine zentrale Rolle. Die Lebensqualität von Krebspatienten hängt von der Krebsart, dem Stadium der Krebserkrankung und auch von den Nebenwirkungen der Therapie ab, die möglichst gering gehalten werden müssen. Ziel jeder Krebstherapie ist es, die Krebserkrankung im besten Fall zu heilen, aber zumindest mit der Behandlung so gut in Schach zu halten, dass krankheitsbedingte Beschwerden nicht die Oberhand gewinnen. Eine ambulante Therapie und die Teilnahme am täglichen Leben in gewohntem Umfeld wird angestrebt.

Haarverlust bei Brustkrebs belastet Patientinnen – weniger Nebenwirkungen durch Antikörpertherapie
Durch die Kombination von Chemotherapie mit moderner Antikörpertherapie und mit Hilfe der personalisierten Medizin bieten sich in vielen Fällen neue Therapieansätze. Die Erfolge lassen sich mit verlängerten progressionsfreien Zeiten – das ist die Zeit, in dem  der Tumor nicht mehr wächst – und verbesserten Nebenwirkungsraten messen, die der Patienten außerdem mit einer besseren Lebensqualität  verbinden kann.

Bei Brustkrebspatientinnen sind es vor allem äußere Anzeichen der Erkrankung, die die Patientinnen belasten. Eine deutliche Einschränkung in der Lebensqualität dieser Krebspatientinnen ist der durch die chemotherapeutische Krebsbehandlung mit Taxanen bedingte Haarverlust (Alopezie), auch wenn nach Beendigung des Behandlungszyklus die Haare wieder wachsen. Je nach Behandlungslänge treten außerdem Erkrankungen des peripheren Nervensystems (Polyneuropathien) unter der Therapie mit Taxanen besonders häufig als Nebenwirkungen auf. Auch sie schränken die Lebensqualität der Patienten deutlich ein. Durch die Kombination moderner Chemotherapeutika mit einer neuen Therapieform, der Anti-Angiogenese, lassen sich bei der Behandlung von Brusttumoren Nebenwirkungen wie Alopezie und Polyneuropathie bei gleichem Therapieerfolg bei vielen Brustkrebspatientinnen vermeiden. Bei der Anti-Angiogenese wird die Neubildung von Blutgefäßen unterbunden. Da grosse Tumore eine ausreichende Blut- und Nährstoffversorgung für ein Wachstum benötigen, wird durch die Gefäßneubildungs-Hemmung geradezu der „Tumor ausgehungert“.

Fortgeschrittener Darmkrebs – Anti-Angiogenese verlängert Leben und erhält Lebensqualität
Auch für Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs ist der Erhalt der Lebensqualität wichtig. Wird Darmkrebs erst in einem späten Stadium erkannt, ist das Tumorwachstum weit fortgeschritten. Tochtergeschwülste (Metastasen) können sich in diesem Stadium bereits in anderen Organen gebildet haben. Für viele Betroffenen sind dann das Überleben und der Erhalt der Lebensqualität oftmals die wichtigsten Faktoren. Die Patienten wollen so wenig wie möglich unter der Therapie leiden. Gefordert ist daher eine Behandlungsstrategie, die einerseits mit möglichst wenigen Nebenwirkungen verbunden ist und andererseits die Krankheit so gut kontrolliert, dass der Patient nicht unter krebsbedingten Symptomen leidet. Die Anti-Angiogenese ist auch hier ein Ansatz.
Im Vergleich zu Zytostatika werden nur vermindert gesunde Zellen angegriffen. In den meisten Fällen treten typische Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Infektionen, Blutarmut, Durchfall, Erbrechen und Haarverlust nicht auf bzw. werden in der Kombinations-Therapie nicht verstärkt.  

Zertifizierte Krebszentren streben nach optimierter Krebstherapie
In zertifizierten Krebszentren ist neben der Bekämpfung des Tumors die Berücksichtigung der verbesserten Lebensqualität des Patienten ein wichtiges Therapieziel.  Kliniken und angeschlossene onkologische Praxen arbeiten eng zusammen. Die beteiligten Ärzte kennen die tragenden Elemente zur Erlangung einer optimierten Krebstherapie:

·     Gezielte Therapie: Medikamente, die gezielt auf Krebszellen wirken, wie z.B. VEGF-Rezeptor-Inhibitoren, die die Gefäßneubildung in Tumoren hemmen, ergänzen in Kombination mit herkömmlichen Chemotherapeutika bei geringerer Dosis die Krebstherapie. Dadurch läßt sich nicht nur die Wirkung verbessern. Auch die Nebenwirkungen der sonst eingesetzten Chemotherapeutika lassen sich so reduzieren.

·     Personalisierte Medizin: Nach diagnostischen Tests mit Biomarkern werden die Patienten definierten Therapiegruppen zugeordnet und nur mit Medikamenten behandelt, von denen man weiß, dass bei der entsprechend vorliegenden Erkrankung eine Therapieerfolg erwartet werden kann.So werden unnötige Behandlungen und damit verbundene Belastungen durch Nebenwirkungen vermieden. Zudem kann häufig die Therapiedauer verkürzt werden. Im Idealfall zeigen die „Biomarker“ auch direkt den Erfolg der Behandlung an.

·     Ambulant statt stationär: Auch die Behandlungsformen werden patientenfreundlicher. Heute gibt es Krebstherapeutika, die als Tablette zu Hause eingenommen werden können. Behandlungsfreie Zeitabschnitte bei Infusionen oder Spritzen werden länger. Dies senkt die Anzahl und die Dauer von Arzt- oder Klinikaufenthalten, erspart Fahrzeiten und Wartezeiten und ermöglicht den Patienten eine gewisse Unabhängigkeit von der medizinischen Behandlung. So können Patienten ihr Alltagsleben unkomplizierter weiterführen, haben ein höheres Maß an Bewegungsfreiheit und mehr Zeit für Familie, Freunde, Beruf und Hobbies.

·     Psychoonkologie: Bei der psychoonkologischen Betreuung wird die Person des Krebskranken in den Vordergrund gestellt. Seine Sorgen und Ängsten werden akzeptiert und aufgenommen, um in Gesprächen und non-verbalen Therapieformen günstige Voraussetzungen für eine Krankheitsbewältigung und die medikamentöse Therapie zu schaffen. Auch Angehörige werden berücksichtigt.

·     Naturheilmedizin: Naturheilkundliche Begleittherapien werden miteinbezogen. Sie bieten besondere Ansätze, bei denen der Betroffene aktiv in den Behandlungsverlauf eingreifen kann.

Personalisierte Medizin fördert Quality of Life
Entscheidend für ein hohes Maß an Lebensqualität bei Krebspatienten ist ein optimales Ineinandergreifen verschiedener medizinischer Disziplinen und die Weiterentwicklung von spezifisch wirkenden Medikamenten und biologischen Tests, wie sie  in der „personalisierten Medizin“ vorangetrieben werden. Die „Quality of Life“ Betrachtung sollte auch in den klinischen Studien neuer Medikamente mehr Berücksichtigung finden.

In unserer Serie zum Sonderthema „Krebs“ lesen sie außerdem:

 

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