Lebensmittel und Kosmetik 4.0 – Kooperationsforum „Funktionelle Inhaltsstoffe“ in Bayreuth

Ob Coenzym Q10, Vanilleextrakt oder Phytosterole – funktionelle Inhaltsstoffe sind heute nicht mehr aus der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie wegzudenken. Die Anwendungsbreite ist vielfältig: So erhalten Getränke durch Aroma ihren Geschmack, manche Substanzen wirken auf natürliche Weise konservierend und wieder andere, wie z. B. Polyphenole, bieten einen gesundheitlichen Zusatznutzen. Ganz aktuell zeigt auch die Verleihung des diesjährigen Nobelpreises für die Entdeckung des Extrakts aus dem Einjährigen Beifuß die große Bedeutung von Pflanzeninhaltsstoffen für die Medizin: Artemisinin wird zur Bekämpfung von Malaria eingesetzt.

Eines haben alle funktionellen Inhaltsstoffe gemeinsam – sie verleihen Lebensmitteln und Kosmetika wertgebende Eigenschaften. Dabei wird erwartet, dass ihre wirtschaftliche Bedeutung in den nächsten Jahren weiter stark zunimmt. Mit Hilfe der Biotechnologie lassen sich viele der empfindlichen oder flüchtigen Verbindungen reiner herstellen und über Nanotechnologie verkapseln und in Materialien einbringen. Beispiele sind kosmetische Inhaltsstoffe in Textilien oder Verpackungen mit optimierten Barriere-Eigenschaften, die die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern.

Ziel des Forums „Funktionelle Inhaltsstoffe“ ist es, Entwickler, Hersteller und Anwender von Inhalts- und Naturstoffen mit Vertretern aus verschiedenen Wirtschaftssektoren wie Lebensmittel, Kosmetika, Verpackungsmaterialien und Textil zusammenzuführen. Das Forum zeigt Trends und Perspektiven auf und soll eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten, um gemeinsame Interessen zu identifizieren und Impulse für neue Kooperationen zu setzen.

Schwerpunkte sind in diesem Jahr:
• Identifizierung und Gewinnung von Inhaltsstoffen für Food und Kosmetik
• Bioaktivität, moderne Analytik und Food Safety
• Freisetzungssysteme und Barrierebeschichtung für Verpackung und Textilien
• 3D-Food Printing und Industrie 4.0-Konzepte im Lebensmittelsektor

Die Referenten (Auswahl)

Die Symrise AG ist einer der führenden Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen, aktiven Inhaltstoffen und Aromen. Im Portfolio sind beispielsweise funktionelle Inhaltsstoffe, die über eine reduzierte Salzmenge zu einem gesünderen Lebensstil und ausgewogeneren Ernährung beitragen, oder solche aus natürlichen Zutaten. Dr. Jakob Ley, Direktor Ingredient Research Symrise, stellt Möglichkeiten und Trends bei pflanzlichen Inhaltsstoffen vor und präsentiert Studiendaten über ihre Wirkung im Körper.
Prof. Dr. Claus Hellerbrand vom Universitätsklinikum Regensburg berichtet über neue Erkenntnisse zur Wirkung von Xanthohumol. Dieser Hopfeninhaltsstoff schützt vor der Entstehung chronischer Lebererkrankungen, wirkt antiinflammatorisch und antioxidativ. Zudem gibt es Hinweise auf Einsatzmöglichkeiten zur Behandlung von Adipositas.
Wie können neue Inhaltsstoffe mit Bioaktivität identifiziert werden? Dr. Kai Lamottke, Geschäftsführer der Bicoll, stellt die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt EPICLEAP vor. Die Grundlage bilden 40.000 chinesische Rezepturen aus historischen medizinischen Texten. Mit Hilfe einer Substanzdatenbank lassen sich damit künftig neue Wirkstoffe schneller identifizieren.

Viele Aromen oder Geruchsstoffe sind flüchtig und empfindlich. Die Ausgründung 4Gene aus dem Lehrstuhl für Biotechnologie der Naturstoffe der Technischen Universität München entwickelte eine Technologie, derartige Inhaltsstoffe durch Bindung an Zuckermoleküle in stabile Verbindungen zu überführen. Diese werden erst durch Auslöser wie einen speziellen pH-Wert oder Enzyme während des Gebrauchs freigesetzt, wie Prof. Dr. Wilfried Schwab vorstellen wird.
Mit einer ähnlichen Zielrichtung hat Beiersdorf gemeinsam mit Partnern aus dem Textilfaserbereich ein „Kosmetotextil“ entwickelt. Kosmetische Inhaltsstoffe werden in ein textiles Freisetzungssystem eingearbeitet; aus dem Gewebe wird ein Kleidungsstück gefertigt. Durch das Tragen der Kleidung werden die Inhaltsstoffe an die Haut abgegeben. Dr. Yvonne Neumann erläutert die Funktion, Anwendungsbereiche und Zielgruppen.
Dr. Ralf Greiner, Institut für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik, Max Rubner-Institut referiert über nanotechnologische Lösungen für Textur, Konsistenz, Geschmack und Bioverfügbarkeit von und in Lebensmitteln. Im Vortrag werden Potenzial und Risiken von Nanomaterialien an der Schnittstelle zwischen Lebensmittel und Verpackung sowie im Hinblick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen näher beleuchtet.
An der Forschungsstelle für Nahrungsmittelqualität der Universität Bayreuth in Kulmbach arbeitet man an schnellen nicht-invasiven Methoden, um verpackte Lebensmittel testen zu können. Dr. Heinar Schmidt erklärt das auf Raman-Spektroskopie basierende Verfahren, das z. B. bei Fleisch Qualitätsparameter wie Frische und mikrobiellen Status durch die Verpackung hindurch bestimmen kann.

Automatisierung ist eine Voraussetzung für die „Smart Food Factory“. Lassen sich Konzepte der Industrie 4.0 auch auf den Lebensmittelsektor übertragen? Dr. Volker Heinz, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik wird diese Frage diskutieren. Sein Fokus liegt dabei auf Rohstoffen und Verfahren, um „on demand food“ zu texturieren und zu strukturieren.
Eine Technologie hierfür ist der 3D-Druck. Print2Taste, ein Startup aus der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, entwickelt Geräte und Zutaten für den Lebensmitteldruck. Anwendungen finden sich in der Gastronomie und der Heim- und Klinikverpflegung. Dr. Helga Gruber stellt „Bocusini“, das erste Plug&Play 3D-Druck-System vor.

Der Open Innovation-Gedanke

Die Bayern Innovativ GmbH führt potenzielle Partner für neue Produktideen auf ihren Foren zusammen. Dort wird der Informationsaustausch zwischen Industrie und Wissenschaft aktiv unterstützt und branchenübergreifende Kooperationen etabliert.
In verschiedenen Anwendungsbereichen sind dabei Anknüpfungspunkte für die Wert-schöpfungskette zu erwarten. Insbesondere können auch Technologien, die bereits in anderen Industriesektoren etabliert sind, Lösungen bieten.

Erwartet werden wieder 200 Teilnehmer aus Wirtschaft und Wissenschaft. Aktuell sind Vertreter folgender Unternehmen und Forschungseinrichtungen angemeldet bzw. zeigen in der begleitenden Fach- und Posterausstellung ihre Produkte, Technologien und Dienstleistungen: ALNuMed, BioTeSys, Biovariance, Cfm Oskar Tropitzsch, M+W Central Europe, Particle Metrix und SGS Institut Fresenius sowie die Bayerische Forschungsallianz, die Cluster Ernährung und Nanotechnologie, die Forschungsstelle für Nahrungsmittel¬qualität, das Bayreuther Zentrum für Kolloide und Grenzflächen (BZKG) und das Forschungszentrum für Bio-Makromoleküle der Universität Bayreuth.
Partner sind die Universität Bayreuth, die Cluster Ernährung, Nanotechnologie und Neue Werkstoffe, das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik und das Enterprise Europe Network.

Darüber hinaus nimmt eine Delegation von Unternehmen und Forschungsinstituten aus Belgien teil, die Partner im Lebensmittelcluster WagrALIM sind.

Nutzen Sie das Forum als ideale Plattform für den direkten Kontakt mit Experten und Unternehmen sowie als Informationsquelle über aktuelle Trends und zum Erfahrungs- und Wissensaustausch.

Veranstaltungshinweis

Besichtigung am 24. November 2015
Die Exkursion startet an der Universität Bayreuth mit dem Besuch des Lehrstuhls für Physikalische Chemie I, des Bayreuther Zentrums für Kolloide und Grenzflächen (BZKG) und der Ausgründung ALNuMed GmbH. Danach erhalten die Teilnehmer einen Einblick in Extraktions-, Coating- und Produktionstechnologien beim Ingredient-Hersteller Raps GmbH in Kulmbach.
Anschließend findet ab 19:00 Uhr ein Get-together im Aktienkeller, Kulmbacher Straße 60, 95445 Bayreuth statt.

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