Lebensmittel in Europa: Tradition und Innovation sind kein Widerspruch

Olivenölproduktion in Spanien, glutenfreie Backwaren in Irland oder Aquakultur in Polen: Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) in Europa haben einen großen Bedarf an Knowhow- und Technologie-Transfer. Um auf dem internationalen Markt bestehen zu können, müssen sie die gültigen, sich ständig ändernden EU-Vorschriften kennen und umsetzen. Ihre Wettbewerbsfähigkeit hängt auch stark von der Vermarktungsstrategie ihrer Produkte und den Produktionskosten ab – hier haben viele Betriebe noch ein Defizit. Dies soll sich mit Hilfe des Projektes TRAFOON ändern. Rund 3.000 Produzenten haben sich bereits in mehr als 50 Workshops in ganz Europa weiterbilden lassen. Das Forschungszentrum für Bioökonomie an der Universität Hohenheim koordiniert das Projekt mit 30 Partnern aus 13 Ländern. Die EU fördert es mit vier Mio. Euro. Davon entfallen 430.000 auf die Universität Hohenheim und machen das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung.

Speiseoliven und Olivenöl zählen schon seit tausenden von Jahren zu den traditionellen Produkten Andalusiens und der Mittelmeerregion. Ein Drittel aller produzierten Speiseoliven und drei Viertel des produzierten Olivenöls stammen von hier – und machen die Europäische Union zum Hauptproduzent in diesem Bereich.
Doch der heutige Markt stellt vor allem die kleinen Farmbetriebe vor große Herausforderungen: „Vielen Produzenten fehlt es an Knowhow zu EU-Vorschriften, Produktionskosten, Vermarktungsstrategien oder Umwelt-Aspekten bei der Produktion“, erläutert Susanne Braun, Geschäftsführerin des Forschungszentrums für Bioökonomie an der Universität Hohenheim.
Unterstützung erhalten die Olivenhersteller und andere kleine Produzenten traditioneller Lebensmittel jetzt durch das EU-Projekt TRAFOON (Traditional Food Network to Improve the Transfer of Knowledge and Innovation). In einer Reihe von Workshops vermittelt es den Herstellern aktuelles Knowhow. Das Forschungszentrum für Bioökonomie an der Universität Hohenheim koordiniert den EU-weiten Wissenstransfer durch 30 Partner aus 13 Ländern.

Beispiel Speiseoliven- und Olivenöl-Produktion
Die Olivenöl-Produktion ist in den unterschiedlichsten Regionen angesiedelt, doch die meisten Olivenöl-Produzenten stehen vor denselben Herausforderungen. Hierzu gehören:
• die Qualität und Haltbarkeit von Olivenöl zu verbessern,
• Herstellungsprozesse zu optimieren,
• neue Verpackungslösungen zu finden,
• die Nebenprodukte aus der Olivenölproduktion zu nutzen,
• die Olivensorten zu charakterisieren, um Lebensmittelbetrug mit Olivenöl aufzudecken,
• Umwelteinflüsse durch die Olivenölproduktion zu minimieren.

TRAFOON greift diese Anliegen auf. In den Workshops für Speiseoliven-Produzenten geht es darum,
• den Nährwert der Oliven in Relation zu ihrem Salzgehalt zu verbessern,
• die Ökobilanz der Oliven zu verbessern, da die Herstellung von Oliven große Mengen an Wasser und potenziell umweltschädlichen Substanzen wie Salz oder Lauge benötigt,
• die mikrobiologische Sicherheit der Produkte zu gewährleisten,
• technologische, produktbezogene oder prozessbezogene Innovationen einzuführen, die das Unternehmen profitabel halten und umweltfreundlicher machen.

Workshops in 18 europäischen Ländern
Mehr als 50 Workshops in 18 Ländern haben Susanne Braun und ihre Projektpartner in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt. Über 3.000 lokale Produzenten haben die Veranstaltungen besucht. „Die Resonanz ist durchweg positiv“, berichtet Susanne Braun. „Das Thema Knowhow-Transfer ist für die Bioökonomie ein sehr wichtiger Schwerpunkt.“
Die Themenvielfalt innerhalb des Projektes TRAFOON ist groß: So steht auch der Umgang mit knappen Ressourcen wie Wasser auf dem Programm. Dabei werden die Produzenten individuell beraten: „Ein Olivenölproduzent hat ein anderes Wasserproblem als ein Marmeladenhersteller“, so die Projekt-Koordinatorin.
Ein anderes Thema auf der Agenda der TRAFOON-Seminare ist Abfallbeseitigung: Beispielsweise entsteht bei der Produktion von Olivenöl 50 Prozent Abfall. Wie dieser verwertet werden kann, vermitteln die Trainer in den Seminaren.

Enge Kooperation mit internationalen Forschungseinrichtungen
TRAFOON kooperiert eng mit renommierten Forschungseinrichtungen in verschiedenen Ländern. Die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt und den Workshops werden dokumentiert und ausgewertet – sie münden in einem letzten Schritt in eine sogenannte ‚Strategic Research and Innovation Agenda‘ (SRIA).
Diese stellt nicht nur das Hauptergebnis des Projekts dar, sondern dient der EU-Kommission auch als Impulsgeber bei der Planung zukünftiger EU-Projektausschreibungen. Insbesondere werden Vorschläge unterbreitet, wie der Knowhow-Transfer im Lebensmittelbereich verbessert werden kann. Darüber hinaus wird zusätzlicher Forschungsbedarf aufgezeigt und an die EU-Kommission kommuniziert.

Abschlusskonferenz im Oktober 2016
Am 18./19. Oktober 2016 findet die Abschlusskonferenz des Projekts TRAFOON in Brüssel an der Royal Flemish Academy of Belgium for Science and the Arts statt, zu der die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist.

Hintergrund: Projekt TRAFOON
TRAFOON steht für „Traditional Food Network to Improve the Transfer of Knowledge and Innovation.“ Das Projekt wird vom Forschungszentrum für Bioökonomie der Universität Hohenheim geleitet, das Fachgebiet für Agrartechnik in den Tropen und Subtropen von Prof. Dr. Joachim Müller ist ebenfalls Partner. Insgesamt sind 30 Partner aus 13 europäischen Ländern beteiligt. Zu den Forschungseinrichtungen zählen namhafte europäische Akteure wie zum Beispiel die Universität Wageningen, die Universität Bologna, das Forschungsinstitut INRA sowie die ISEKI-Food-Association. Zu den Partnern gehört auch der europäische Verband der Lebensmittelindustrie, FoodDrinkEurope.
Das Projekt wird von der EU mit vier Mio. Euro gefördert. Davon entfallen 430.000 Euro auf die Universität Hohenheim, womit es zu einem der Schwergewichte der Forschung zählt. TRAFOON läuft seit November 2013 und ist auf drei Jahre angelegt.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
31,2 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2015 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.
Text: A. Schmid / D. Elsner

Kontakt für Medien:
Susanne Braun, Universität Hohenheim, Forschungszentrum für Bioökonomie, T: 0711 459 24026, E: susanne.braun@uni-hohenheim.de, Projekt-Homepage: www.trafoon.eu

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