Lebenslaufperspektiven und gesundheitliche Ungleichheit

Soziale Ungleichheit bedeutet nicht nur ungleiche Chancen für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, sie hat auch großen Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung. Dies zeigt sich deutlich, wenn soziale Ungleichheit im Rahmen einer Lebenslaufperspektive betrachtet wird. In diesem neuen Ansatz wird der zeitliche Rahmen der Betrachtung erweitert, so dass Einflüsse in den frühen Lebensjahren in die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit im Erwachsenenalter einbezogen werden können. Mit diesem Ansatz konnten bereits erste wichtige Erkenntnisse erzielt werden. Ein interdisziplinärer Rahmen, der die unterschiedlichen theoretischen Konzeptionen und Vorstellungen aus den verschiedenen Disziplinen berücksichtigt, die sich mit dem Lebenslauf auseinandersetzen, fehlt jedoch bislang.

Der Workshop setzt hier an und untersucht die Interaktion und Akkumulation biologischer und sozialer Gefahren über den Lebenslauf von Individuen und Gesellschaften und ihre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit. Ein besonderer Fokus liegt auf Erklärungsansätzen, die der Frage nachgehen, welche zeitlichen Determinanten und Mechanismen gesundheitliche Ungleichheiten aufkommen lassen und erhalten. Ziel des Workshops ist es, zu einem holistischen und theoriegeleiteten Blick auf den Lebenslauf und seine wechselseitigen Verläufe beizutragen. Dies wäre zugleich ein Beitrag zu einem interdisziplinären Ansatz, der zu erklären versucht, wie soziale Phänomene verkörpert werden – mit anderen Worten: Wie kommt die Gesellschaft unter die Haut?

Der Workshop bringt führende Experten unterschiedlicher Disziplinen zusammen und befasst sich mit großen europäischen Längsschnittstudien. Dabei sollen die Lebenslaufmodelle, die den jeweiligen Studien zugrunde liegen, identifiziert und ein gemeinsames interdisziplinäres Modell entwickelt werden. Vier unterschiedliche Gebiete der interdisziplinären Auseinandersetzung werden im Rahmen des Workshops diskutiert: 1) theoretische und methodische Herausforderungen für die Lebenslaufforschung, 2) Leben im späteren Erwachsenenalter, 3) Akkumulation von Benachteiligung und 4) Einflüsse des Lebenslaufs im hohen Alter. Die Veranstalter hoffen, auf diesem Workshop mit der wissenschaftlichen Expertise aus den einzelnen Disziplinen zur Grundlegung einer fundierten Lebenslaufperspektive an der Schnittstelle zwischen Natur- und Sozialwissenschaften beizutragen.

Tagungssprache ist Englisch.

Veranstaltungsleitung:
Prof. Dr. Matthias Richter, Universität Bern
E-Mail: mrichter@ispm.unibe.ch

Tagungsbüro des ZiF:
Marina Hoffman, Universität Bielefeld,
Zentrum für interdisziplinäre Forschung
Tel. 0521 106-2768
E-Mail: Marina.Hoffmann@uni-bielefeld.de
(idw, 02/2010)

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