Laternen, Gesang und geschlachtete Gänse

(dtd). Der 11. November ist der Martinstag, der dem heiligen Martin geweiht ist. Am Abend laufen die Kinder mit ihrer Laterne und singen dabei laut: „Dort oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir“. Bei den so genannten Martinsumzügen führt oft ein als Heiliger Martin verkleideter Reiter den Zug an.

Zurück geht die Tradition auf Martin von Tours, der um 316 in Savaria (heute das ungarische Szombathely) in der römischen Provinz Pannonien geboren wurde. Mit 15 Jahren trat er in die römische Armee unter den Kaisern Constantin und Julian ein. Er wandte sich dem Christentum zu und es kam zu einer Begebenheit, die bis heute erzählt wird. Dieser Legende nach soll Martin als 18-jähriger Soldat in einem strengen Winter hoch zu Pferd am Stadttor von Amiens in der Provinz Gallien (heute Frankreich) einen erbärmlich frierenden Bettler getroffen haben. Martin teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen.

In der darauf folgenden Nacht soll ihm Jesus im Traum erschienen sein, der das Mantelstück trug und sagte: „Was du diesem Bettler gegeben hast, das hast du mir getan.“ Kurz danach schied Martin aus der Armee aus, ließ sich taufen und begab sich zu Bischof Hilarius nach Poitiers, um bei ihm zu lernen. Im Jahr darauf gründete er in Ligugé das erste christliche Kloster des Abendlandes. Nachdem in Tours der Bischof gestorben war, wählte das Volk den asketisch lebenden Mönch gegen seinen Willen zu dessen Nachfolger. Am 8. November 397 starb Martin.

Seine Beerdigung am 11. November wurde zu seinem Namenstag – dem übrigens auch der am 10. November 1483 geborene Martin Luther seinen Namen verdankt. Der Heilige Martin ist neben dem Heiligen Nikolaus einer der wenigen Heiligen, deren Namenstage mit einem besonderen Fest begangen werden. Das hat nicht nur mit der großen Popularität des Heiligen zu tun, sondern auch der Terminierung seines Gedenktages. Denn an Martini endete in früheren Zeiten traditionell das bäuerliche Arbeitsjahr, die Ernte war eingefahren, die Weinlese und die Gänsemast beendet. Auch der Pachtzins war an diesem Tag fällig, und für Knechte und Mägde begann ein neues Dienstjahr bei einem neuen Dienstherrn. Für den Marsch dorthin erhielt das Gesinde die Martinsbrezel mit auf den Weg.
Vor dem Hintergrund, dass noch bis ins 20. Jahrhundert hinein an Martini die 40-tägige Adventsfastenzeit begann, wurde am Vorabend ausgelassen gefeiert und gut gegessen, nicht zuletzt die „Martinsgans“. An diese Feierlichkeiten zu Beginn der langen Fastenzeit erinnert uns heute nur noch der pompöse Beginn des Karnevals.

Die Legenden von der Martinsgans

(dtd). Als Brauch ist heute am Martinstag vor allem das traditionelle Gansessen verbreitet. Gern wird erzählt, dass es seinen Ursprung in einer Legende über Martins Leben habe: Entgegen seinem eigenen Willen und trotz Vorbehalts des Klerus drängte das Volk von Tours darauf, Martin zum Bischof zu weihen. In seiner Bescheidenheit hielt er sich jedoch einer solch großen Verantwortung für unwürdig und habe sich deshalb in einem Gänsestall versteckt. Die Gänse jedoch hätten so aufgeregt geschnattert, dass Martin gefunden wurde und geweiht werden konnte. Diesen „Verrat“ muss das Federvieh nun jedes Jahr vor dem Martinstag bitter büßen. Es landet seitdem – lecker zubereitet – am 11. November auf dem Tisch.
Einer anderen Erzählung zufolge griffen die Bürger von Tours zu einer List, um Martin aus seinem Versteck zu locken. Ein Bauer sei zu dem bescheidenen Mann gegangen und habe diesen gebeten, seine kranke Frau zu besuchen. Hilfsbereit, wie Martin nun einmal war, habe er seine Sachen genommen und den Bauern nach Hause begleitet. Wahrscheinlich sah er ziemlich schmutzig aus – als habe er eine Zeit lang in einem Gänsestall gelebt. Eine weitere Geschichte besagt, dass eine schnatternde Gänseschar in den Kirchraum gewatschelt sei und Bischof Martin bei seiner Predigt unterbrochen habe. Sie sei gefangen genommen und zu einer Mahlzeit verarbeitet worden.
Viel wahrscheinlicher als all diese Legenden dürfte allerdings ein anderer Umstand der Ursprung für die Martinsgans sein. Denn in Zeiten des Lehnswesens war am Martinstag eine Lehnspflicht – eine Abgabe namens Martinsschoß – fällig. Da diese häufig aus einer Gans bestand, bildete sich die Bezeichnung Martinsgans heraus, und weil der Martinstag traditionell mit einer Kirmes oder einem Tanzmusikabend gefeiert wurde, bot es sich an, die Gans zum Festessen zu machen und an diesem Abend festlich zu verspeisen. Traditionell wird die Gans in Deutschland mit Rotkohl und Semmelknödeln oder Kartoffelklößen gegessen.

Rezeptidee Martinsgans (Quelle: http://www.essen-und-trinken.de)

Zutaten für sechs Portionen:

1 Gans (2-3 kg)
400g Äpfel
300g Zwiebeln
60g Butter
1 gestr. Tl Majoran (frisch)
2 gestr. El Rosinen (nur wer mag)
ein halber Bund Petersilie (fein gehackt)
2 Karotten, gewürfelt
eine halbe Lauchstange
1 Knolle Sellerie
1l Fleischbrühe
20g Honig
Butterschmalz für die Pfanne
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung
1. Die Flügel der Gans abschneiden, die Innereien entfernen, die Gans von innen nach außen waschen und mit einem Tuch abtrocknen.
2. Für die Füllung die Äpfel halbieren, das Kerngehäuse entfernen und in große Würfel schneiden. Die Zwiebeln schälen, halbieren und in dünne Scheiben schneiden. 40 g Butter in einer Pfanne heiß werden lassen, die Zwiebeln und Äpfel darin anbraten. Die Rosinen, den Majoran, Salz, Pfeffer, Muskat und die gehackte Petersilie beigeben.
3. Die Gans außen und innen mit Salz und Pfeffer würzen. Die Füllung hineingeben und die Gans mit Hilfe von Metallspießen und einer Schnur zubinden.
4. Gemüse würfeln, in Butterschmalz anbraten und die Gans dazugeben.
5. Alles für 4 Stunden in den auf 120 Grad vorgeheizten Backofen schieben und regelmäßig mit Fleischbrühe und dem entstandenen Bratensaft übergießen.
6. Die restliche Butter flüssig werden lassen und den Honig dazugeben. Beides glattrühren.
7. Nach 4 Stunden den Backofen auf 200 Grad hochschalten. Die Gans nun bis zum Ende der Garzeit alle 5 Minuten mit dem Butter-Honig-Gemisch bestreichen.
8. Die Gans herausnehmen und auf ein Gitter legen. Den Bratensaft in einen Topf passieren und entfetten, evtl. mit Salz und Pfeffer abschmecken.

„Ich geh mit meiner Laterne“
Vom gefährlichen Drachen bis zur wunderschönen Prinzessin

(dtd). Laternen gehören zu Sankt Martin wie die Martinsgans. Doch wenn das Basteln nicht im Kindergarten oder in der Grundschule geschieht, geraten so manche Mütter und Väter angesichts des nahenden St. Martins-Zugs schnell ins Schwitzen. Doch keine Sorge, mit den unzähligen Anleitungen aus Bastelbüchern oder aus dem Internet geht auch Ungeübten in weniger als einer halben Stunde ein Licht auf.

Viele Ideen enthält beispielsweise das 32-seitige Buch „Lieblingslaternen für Mädchen und Jungen: Fröhliche Ideen aus Papier und Pappmaché“ von Pia Pedevilla, erschienen im Stuttgarter „frechverlag“ (ISBN: 978-3772437663). Jungs werden den tapferen Ritter, den gefährlichen Drachen, den räuberischen Piraten und die wilden Monster lieben. Mädchen werden dagegen entzückt sein von der wunderschönen Prinzessin, dem putzigen Pferd, der niedlichen Schnecke und den zauberhaften Ballonlaternen. Die Ideen reichen von gebastelten Papierlaternen über Pappmache-Ballonlaternen bis zu verzierten Fertiglampions.
Auch eine schöne Katzen-Laterne für St. Martin kann man ganz leicht selbst basteln. Die Anleitung dazu entstammt dem Buch von Sabine Lohf: „Bastelspaß mit Papier. Lustige Ideen rund ums Jahr“, erschienen im Christophorus Verlag Freiburg (ISBN 978-3-86673-037-3).

Material:
2 Pappteller, 1 Streifen Wellpappe
Transparentpapier in Gelb, Orange und Grün
weißes Papier, etwas Pappe
Blumendraht, Stecknadeln
Schere, Cutter
Filzstifte, Bastelfarben, Pinsel
Teelichte oder einen batteriebetriebenen Leuchtstab, etwas Knete

Bastelanleitung:
1. Aus den Papptellern mit einem Cutter die Innenflächen herausschneiden.
2. Zwei Ohren aus Pappe ausschneiden. Die beiden Ringe und die Ohren orange anmalen.
3. Aus orangefarbenem Transparentpapier zwei Kreise ausschneiden und hinter die beiden Pappringe kleben. Danach die Ohren ebenfalls ankleben. Mit Transparentpapier-Stücken das Katzengesicht aufkleben, weißes Papier für die Schnurrhaare zuschneiden und ebenfalls aufkleben.
4. Aus Wellpappe einen etwa acht Zentimeter breiten Streifen zuschneiden und zwischen die Pappteller kleben. Die Klebestellen mit Stecknadeln fixieren, bis der Klebstoff trocken ist.
5. Für die Aufhängung jeweils ein Loch in die Ränder der Wellpappe stechen, ein Stück Blumendraht durchziehen und die Enden verdrillen.
6. Für die Beleuchtung etwas Knete auf dem Boden der Laterne fixieren und ein Teelicht hineindrücken. Oder alternativ einen batteriebetriebenen Leuchtstab einhängen.

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