Langener Wissenschaftspreis geht an Prof. Florian Bassermann

Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, ergänzte: „Wir freuen uns, dass wir erneut aus einer Gruppe herausragender Bewerber einen Wissenschaftler auszeichnen können, der Grundlagenforschung betreibt und neue Erkenntnisse aufgrund seiner inter­disziplinären Ausrichtung direkt in Therapieansätze bei Krebserkrankungen umsetzen kann.“

Vier Kandidaten, die von dem sechsköpfigen Kuratorium in die engere Wahl genommen worden waren, stellten Mitte September ihre Forschungsarbeiten in einer öffentlichen Vortragsveranstaltung im Paul-Ehrlich-Institut vor. Zum Kuratorium unter Vorsitz des ehemaligen Institutspräsidenten Prof. Johannes Löwer gehören Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Frieder Gebhardt, Bürgermeister der Stadt Langen, Manfred Pusdrowski, Geschäftsführer der Stadtwerke Langen GmbH, Prof. Hansjörg Schild, Institut für Immunologie, Mainz, und Prof. Erhard Seifried, DRK Blutspende­dienst Baden-Württemberg-Hessen.

25 Jahre ist es inzwischen her, dass das Paul-Ehrlich-Institut von Frankfurt nach Langen zog und seine Einweihung in den neuen Gebäuden feiern konnte. Als Arzneimittel­behörde sorgt die Bundeseinrichtung für einen hohen Standard bei Qualität, Wirksam­keit und Sicherheit von Impfstoffen für Mensch und Tier und biomedizinischen Human-Arzneimitteln. Die hohe Expertise im Institut wird durch eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und Lebenswissenschaften sichergestellt. Zusammen mit der Stadt Langen hat das Institut den Wissenschaftspreis erstmalig im Jahr 1993 ausgeschrieben. Er wird seitdem im zweijährigen Rhythmus an erfolgreiche Forscher vergeben und genießt ein hohes Ansehen.

Forscher von heute für Forscher von morgen: Fester Bestandteil des Langener Wissenschaftspreises ist ein Vortrag des Preisträgers in einer Langener Schule.

Mit der Auszeichnung wird auch an die bahnbrechenden Leistungen des vor 100 Jahren verstorbenen Forschers Paul Ehrlich erinnert. Er war Begründer der modernen Immunologie, der Chemotherapie und der experimentellen Arzneimittelprüfung. Paul Ehrlich erhielt 1908 den Nobelpreis. Der Langener Wissenschaftspreis dient im Sinne Paul Ehrlichs dazu, die Forschung auf Feldern zu fördern, die für die Gesundheit von Mensch und Tier bedeutsam sind. Bürgermeister Frieder Gebhardt betonte, die Preisverleihung unterstreiche einmal mehr die große Bedeutung des Paul-Ehrlich-Instituts. Für Langen zähle die renommierte biomedizinische Forschungsstätte zu den Leuchttürmen, die der Stadt eine Richtung gäben und sie in besonderer Weise sichtbar machten. Die positive Entwicklung des Langener Wirtschaftszentrums auf der Basis zukunftsorientierter Branchen sei eng mit Einrichtungen wie dem Paul-Ehrlich-Institut und der benachbarten Deutschen Flugsicherung verknüpft. Beide böten nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze, sondern verfügten auch über ein enormes wissenschaftliches und technisches Know-how.

Schon seit der ersten Stunde fördern die Stadtwerke Langen die Vergabe des Wissenschaftspreises. Direktor Pusdrowski sieht dieses Engagement in der Tradition seines mehrheitlich kommunalen Unternehmens, Verantwortung für das soziale, kulturelle und wirtschaftliche Gemeinwohl zu übernehmen und gesellschaftliche Belange zu fördern. Eine Veranstaltung wie die Preisverleihung diene darüber hinaus dem Dialog, erklärte Pusdrowski und freute sich über die zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die anschließend bei der benachbarten Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) die Gelegenheit zum ausgiebigen Meinungsaustausch nutzten.

Eine wesentliche Säule für die Finanzierung des Wissenschaftspreises ist der 2003 gegründete gemeinnützige „Verein zur Förderung des Langener Wissenschaftspreises“, der auch 2015 auf die Unterstützung der Langener Stadtwerke und der Sparkasse Langen-Seligenstadt zählen konnte.“

Einige Informationen zum Preisträger und seinen Forschungsarbeiten

Im Mittelpunkt der Forschung von Florian Bassermann steht das Ubiquitin-Proteasom-System, das eine wichtige Kontrollfunktion in Zellen ausübt. So ist es an der Regulation des Zellzyklus, der zellulären Antwort auf DNA-Schäden, des Zellmetabolismus und des programmierten Zelltods (Apoptose) beteiligt. Bassermann beschäftigt sich mit seinem Team mit den zugrundeliegenden Mechanismen und interessiert sich insbesondere dafür, auf welche Weise Störungen dieser Mechanismen an der Entstehung von Tumor­erkrankungen beteiligt sind. So untersuchen Bassermann und seine Arbeits­gruppe in einem interdisziplinären Ansatz Enzyme dieses Systems, bestimmte Ubiquitin-Ligasen sowie deren Gegenspieler, die Deubiquitinylasen.

Bassermann verfolgt die wissenschaftlichen Fragestellungen methodisch auf vielfältige Weise. Dazu gehören die quantitative Massenspektrometrie (SILAC), zellkulturbasierte Methoden, Erforschung von Krankheitsmodellen bei Mäusen und Untersuchungen von menschlichem Tumorgewebe auf genomischer und proteomischer Ebene. Die Verbindung der Methoden ermöglicht die direkte Übertragung der grundlagenwissen­schaftlichen Erkenntnisse auf Pathogenese und Therapieoptimierung von Blutkrebs­erkrankungen wie B-Zell-Lymphomen oder Multiplem Myelom.

Beruflicher Werdegang

Von 1993 bis 2000 studierte Prof. Dr. med. Florian Bassermann Humanmedizin an der Universität Ulm und der Technischen Universität München mit Auslandsaufenthalten am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York (USA), und Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School, Boston (USA). Die Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin absolvierte er an der Technischen Universität München und ist seit 2011 Oberarzt und Leiter der Sektion „Cell Biology of Cancer“ der der Medizinischen Klinik für Hämatologie/Onkologie an der TU München. Seine Forschungsaktivitäten führten ihn von 2006 bis 2008 an das Dept. of Pathology and NYU Cancer Institute, Howard Hughes Medical Institute, New York University School of Medicine (USA). Die klinischen Schwerpunkte von Bassermann sind das multiple Myelom, maligne Lymphome und gastrointestinale Tumoren. Seine Forschungsschwerpunkte sind Zellzyklusregulation und Genomintegrität.

Erhaltene Preise & Stipendien
•2015 Theodor-Frerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
•2010 Walther Flemming-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie (DGZ)
•2008 Aufnahme in das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft
•2008 AACR-Astellas USA Foundation Fellowship in Basic Cancer Research
•2006 Forschungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft
•2003; 2004 Reisestipendium, American Society of Hematology
•2002 Promotionspreis der Technischen Universität München
•2001 Gewinn des Wettbewerbs für Nachwuchswissenschaftler, „Young Masters Turnier“, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Mannheim 2001
•1998 Auslandsstipendium, Carl-Duisberg Stiftung

Literatur

Fernández-Sáiz V, Targosz B.S, Lemeer S, Eichner R, Langer C, Bullinger L, Reiter C, Slotta Huspenina J, Schroeder S, Knorn A, Kurutz J, Pechel C, Pagano M, Kuster B, Bassermann F (2013): SCF-Fbxo0 and CK2 direct the cellular response to growth factor withdrawal via Tel2/Tti1 degradation and promote survival in multiple myeloma.
Nature Cell Biol 15: 72-81.

Baumann U, Fernández-Sáiz V, Rudelius M, Lemeer S, Rad R, Knorn AM, Slawska J, Engel K, Jeremias I, Li Z, Tomiatti V, Illert AL, Targosz, BS, Braun M, Perner S, Leitges M, Klapper W, Dreyling M, Miething C, Lenz G, Rosenwald A, Peschel C, Keller U, Kuster B, Bassermann F (2014): Disruption of the PRKCD-FBXO25-HAX-1 axis attenuates the apoptotic response and drives lymphomagenesis.
Nature Medicine 20: 1401-1409.

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