Langener Nachwuchswissenschaftspreis 2017 – Auszeichnung für drei junge Forscher des PEI

Am Freitag, 20. Januar 2017, erhielten die Preisträger ihre Urkunden und die Glückwünsche von Bürgermeister Frieder Gebhardt, dem Vorsitzenden des Vereins zur Förderung des Langener Wissenschaftspreises, Prof. Johannes Löwer und PEI-Vizepräsident Prof. Stefan Vieths. Bürgermeister Gebhardt sagte bei der Übergabe der Urkunden: „Es hat sich zu einer schönen Tradition entwickelt, mit dem Nachwuchswissenschaftspreis junge und talentierte Wissenschaftler auf ihrem weiteren Weg zu unterstützen. Wir vergeben ihn heute zum sechsten Mal und können damit zeigen, dass nach wie vor das Paul-Ehrlich-Institut als Ausbildungsstätte für Wissenschaftler und die Stadt Langen als Standort für Forschung und Lehre ein Sprungbrett sein können, für eine Zukunft in der Forschung. Bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt bedanke ich mich ganz besonders, dass sie erneut diesen wichtigen Preis finanziert hat.“

Alle prämierten Forschungsarbeiten stehen in direktem Zusammenhang mit den Aufgaben des PEI als Arzneimittelinstitut. Prof. Vieths sagte dazu:“ Seit jeher zeichnet sich das Paul-Ehrlich-Institut durch die konsequente Verbindung von Arzneimittelprüfung und vielfältiger Forschung aus. Die heutigen Preisträger sind dafür ein sehr gutes Beispiel, da ihre Arbeiten direkte Auswirkungen auf Entwicklung und Prüfung von Arzneimitteln haben können“.

Emina Wild ist Erstautorin der Publikation” In vitro potency determination of botulinum neurotoxin B based on its receptor-binding and proteolytic characteristics ”, erschienen in der Zeitschrift Toxicology In Vitro.

Die Ergebnisse dieser Arbeit sind Teil eines vom BMBF geförderten Forschungsprojektes, mit dem ein neues Testverfahren zum Nachweis der Aktivität von Botulinum-Neurotoxin (BoNT) in Kosmetika und Arzneimitteln erarbeitet wurde. Die in der Publikation beschriebene Methode trägt das Potential in sich, maßgeblich zu einem Ersatz der bisherigen Tierversuche für die Wirksamkeitsbestimmung von BoNT-Produkten beizutragen. Diese werden in Kosmetika und in Medikamenten zur Behandlung vielfältiger neurologischer Erkrankungen verwendet. Bisher basiert diese Wirksamkeitsbestimmung vor allem auf Toxizitätstests in Mäusen; Schätzungen aus dem Jahr 2010 gehen davon aus, dass weltweit über 600.000 Tiere für diese Wirksamkeitsbestimmungen benötigt werden.

Die Publikation, für die Felix Husslik als Erstautor ausgezeichnet wurde, trägt den Titel: „The conformational IgE epitope profile of soybean allergen Gly m 4“ und wurde in der Zeitschrift Clinical and Experimental Allergy veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit haben besondere Bedeutung für Menschen, die an einer Birkenpollen-assoziierten Soja-Allergie leiden, also einer Lebensmittelallergie (gegen Soja), die zusammenhängt mit einer Pollenallergie (gegen Birken). Diese Soja-Allergie kann lebensbedrohliche allergische Reaktionen auslösen und es gibt derzeit noch keine Therapiemöglichkeit. Auch der Nachweis dieser Allergie ist mit Risiken verbunden, da dies nur über eine so genannte Provokationstestung erfolgen kann. Husslik hat ein diagnostisches Werkzeug entwickelt, das zwischen einer Birken-Soja Allergie und Toleranz unterscheiden kann, was für die zukünftige Testung von großer Bedeutung ist.

Dr. Ruben Bender hat als Erstautor der Publikation “Receptor-targeted Nipah virus glycoproteins improve cell-type selective gene delivery and reveal a preference for membrane proximal cell attachment”, die in der Zeitschrift PLOS Pathogens veröffentlicht wurde, einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung von sehr effizienten und vor allem selektiven Transportvehikeln für die Gentherapie geleistet. Er arbeitete dabei mit den Hüllproteinen von Nipah-Viren, die zur gleichen Familie gehören wie Masernviren. Diese Hüllproteine kombinierte er mit Lentiviren, die häufig als Genfähren genutzt werden und konnte so erreichen, dass ausgewählte (Therapie-Relevante) Zellen sehr spezifisch von diesen Fähren erreicht werden. Zudem ließen sich mit diesen Vektoren bessere Ausbeuten erzielen. Das ist von entscheidender Bedeutung für die klinische Anwendung solcher Vektoren

Originalpublikationen
Wild E, Bonifas U, Klimek J, Trösemeier JH, Krämer B, Kegel B, Behrensdorf-Nicol HA (2016): In vitro potency determination of botulinum neurotoxin B based on its receptor-binding and proteolytic characteristics.
Toxicol In Vitro 34: 97-104.

Husslik F, Nürnberg J, Seutter von Loetzen C, Mews T, Ballmer-Weber BK, Kleine-Tebbe J, Treudler R, Simon JC, Randow S, Völker E, Reuter A, Rösch P, Vieths S, Holzhauser T, Schiller D (2016): The conformational IgE epitope profile of soybean allergen Gly m 4.
Clin Exp Allergy 46: 1484-1497.

Bender RR, Muth A, Schneider IC, Friedel T, Hartmann J, Plückthun A, Maisner A, Buchholz CJ (2016): Receptor-targeted Nipah virus glycoproteins improve cell-type selective gene delivery and reveal a preference for membrane proximal cell attachment.
PLOS Pathog 12: e1005641.

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Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main ist als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Es erforscht, bewertet und lässt biomedizinische Human-Arzneimittel und Veterinär-Impfstoffe zu und ist für die Genehmigung klinischer Prüfungen sowie die Pharmakovigilanz – Erfassung und Bewertung möglicher Nebenwirkungen – zuständig. Die staatliche Chargenprüfung, wissenschaftliche Beratung/Scientific Advice und Inspektionen gehören zu den weiteren Aufgaben des Instituts. Unverzichtbare Basis für die vielseitigen Aufgaben ist die eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und der Lebenswissenschaften. Das Paul-Ehrlich-Institut mit seinen rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt zudem Beratungsfunktionen in nationalem (Bundesregierung, Länder) und internationalem Umfeld (Weltgesundheitsorganisation, Europäische Arzneimittelbehörde, Europäische Kommission, Europarat und andere) wahr.

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