Langener Nachwuchswissenschaftspreis 2016 – Auszeichnung für vier junge Forscher des PEI

Am Montag, 15. Februar, erhielten die Preisträger ihre Urkunden und die Glückwünsche von Bürgermeister Frieder Gebhardt, dem Vorsitzenden des Vereins zur Förderung des Langener Wissenschaftspreises, Prof. Johannes Löwer und PEI-Präsident Prof. Klaus Cichutek. Bürgermeister Gebhardt sagte bei der Übergabe der Urkunden: „Der Nachwuchswissenschaftspreis fördert junge und talentierte Wissenschaftler auf ihrem weiteren Weg. Zugleich kann er für das Paul-Ehrlich-Institut als Ausbildungsstätte für Wissenschaftler und für die Stadt Langen als Standort für Forschung und Lehre werben. Ich bedanke mich bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt, dass sie erneut diesen wichtigen Preis finanziert hat.“

Welchen Stellenwert dieser Preis inzwischen hat, zeigt die Tatsache, dass es in diesem Jahr 13 Anträge gab und sich noch mehr Wissenschaftler als 2015 zur Begutachtung bereit erklärt haben, nämlich insgesamt 26. Auch die Qualität der eingereichten Arbeit ist nochmals gestiegen. So stellt PEI-Präsident Cichutek fest: „Alle eingereichten Publikationen zeigten ein hohes Niveau und insbesondere die ersten sechs Plätze lagen sehr dicht beieinander. So können wir zuversichtlich sein, dass unsere Nachwuchs­wissenschaftler auf einem guten Weg für eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere sind.“

Der mit 500€ dotierte erste Preis geht an Dr. Anke Muth und Dr. Robert Münch als gemeinsame Erstautoren der Publikation „Off-target-free gene delivery by affinity-purified receptor-targeted viral vectors“, erschienen in der Zeitschrift Nature Communications.

Ihnen ist es gemeinsam mit weiteren Forschern des PEI und Kollegen aus Köln und Zürich gelungen, Präzisionsgenfähren zu entwickeln, die nach Injektion ins Blut gezielt therapierelevante Zielzellen ansteuern können. Dies ist ein wichtiger Erfolg, da der Transfer therapeutischer Gene als vielversprechender Ansatz für die erfolgreiche Behandlung von genetischen Erkrankungen und Krebs gilt. Bisher werden hierfür dem Patienten meist vorab die Zielzellen entnommen und nach Gentransfer wieder verabreicht. Nun könnte es bald möglich werden, ein therapeutisches Gen ohne diesen Umweg direkt zu übertragen.

Platz zwei, dotiert mit 300 €, geht an Dr. Nina Hein-Fuchs als Erstautorin der Publikation „Reprogramming triggers endogenous L1 and Alu retrotransposition in human induced pluripotent stem cells“, ebenfalls erschienen in der Zeitschrift Nature Communications.

Sie hat als Teil eines internationalen Forscherteams unter Leitung von Prof. Gerald Schumann, Abteilung Medizinische Biotechnologie des Paul-Ehrlich-Instituts, ein bisher unbekanntes Risiko bei der Nutzung therapeutischer Zellen identifiziert, die aus so genannten humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPS-Zellen) durch Reprogrammierung gewonnen werden. Mit der Identifizierung dieses Risikos stellen sich Fragen zur Sicherheit therapeutischer Zellen, die von solchen hiPS-Zellen abgeleitet werden sollen. Die Ergebnisse der Preisträgerin sind von besonderer Bedeutung, da die Identifizierung eines solchen Risikos die Voraussetzung ist für die Etablierung von Sicherheitstests, die vor einer Anwendung solcher Zellen am Menschen durchgeführt werden, um entsprechende Risiken zu reduzieren.

Den mit 200€ dotierten dritten Preis erhält Dr. Anna-Helena Fiedler (geb. Malczyk) als Erstautorin der Publikation „Highly Immunogenic and Protective Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus Vaccine Based on a Recombinant Measles Virus Vaccine Platform“, erschienen im Journal of Virology.

In der hier ausgezeichneten Arbeit geht es um die Entwicklung eines Impfstoff-Kandidaten gegen das MERS-Coronavirus. Dieses Virus kann beim Menschen schwere Infektionen, teilweise mit tödlichem Verlauf auslösen. Ein zugelassener Impfstoff steht bisher nicht zur Verfügung. Anna Fiedler und Kollegen ist es gelungen auf Basis eines Masern-Impfvirus einen Impfstoff zu entwickeln, der in Mäusen hoch immunogen und schützend ist. Der entwickelte Vektorimpfstoff ist ein vielversprechender Kandidat für eine klinische Prüfung auf dem Weg zu einem MERS-Impfstoff.

Münch RC, Muth A, Muik A, Friedel T, Schmatz J, Dreier B, Trkola A, Plückthun A, Büning H, Buchholz CJ (2015): Off-target-free gene delivery by affinity-purified receptor-targeted viral vectors.
Nat Commun Feb 10 .
doi:10.1038/ncomms7246

Klawitter S, Fuchs NV, Upton KR, Muñoz-Lopez M, Shukla R, Wang J, Garcia-Canadas M, Lopez-Ruiz C, Gerhardt DJ, Sebe A, Grabundzija I, Merkert S, Gerdes P, Pulgarin JA, Bock A, Held U, Witthuhn A, Haase A, Sarkadi B, Löwer J, Wolvetang EJ, Martin U, Ivics Z, Izsvák Z, Garcia-Perez JL, Faulkner GJ, Schumann GG (2016): Reprogramming triggers endogenous L1 and Alu retrotransposition in human induced pluripotent stem cells.
Nat Commun Jan 8 .
doi:10.1038/ncomms10286

Malczyk AH, Kupke A, Prüfer S, Scheuplein VA, Hutzler S, Kreuz D, Beissert T, Bauer S, Hubich-Rau S, Tondera C, Shams Eldin H, Schmidt J, Vergara-Alert J, Süzer Y, Seifried J, Hanschmann KM, Kalinke U, Herold S, Sahin U, Cichutek K, Waibler Z, Eickmann M, Becker S, Mühlebach MD (2015): A highly immunogenic and protective MERS-Coronavirus vaccine based on recombinant MV vaccine platform.
J Virol 89(22): 11654-67 (2015)
doi: 10.1128/JVI.01815-15

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