Landgesundheitsstudie belegt Negativtendenzen

Im Zeitraum von Mai 2008 bis Januar 2009 kam mehr als ein Drittel der Leute in den Gemeinden der Bitte des Forscherteams nach, die 40 Seiten des Fragebogens auszufüllen. "Das war nur in engem Kontakt zu den Bürgermeistern möglich. Gemeinsam mit Helfern aus den Gemeinden haben uns alle die Türen geöffnet und mit uns gesprochen.", erinnert sich Projektmitarbeiterin Christine Nebelung.

"Unser Forschungsprojekt ging nun am 30. September zu Ende, aber es gibt noch genug Arbeit", so Prof. Thomas Elkeles vom Fachbereich Gesundheit, Pflege, Management der Hochschule Neubrandenburg. Grund sind die vielen Informationen und die Breite der Thematik, die Anregungen und Ansätze für neue Problemfelder, die im Abschlussbericht für diese Studie stecken. Den Bericht legt Prof. Elkeles gemeinsam mit seinem Mitarbeiterteam dem Geldgeber, der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), vor. Sie haben bemerkenswerte Ergebnisse zusammengefasst, Erkenntnisse hervorgehoben und mit Zahlen, Fakten und Vergleichsdaten hinterlegt und mit den Erhebungen der letzten 35 Jahre verglichen.

"Im interregionalen Vergleich schneidet unsere Untersuchungsregion in der aktuellen Untersuchung beim subjektiven Gesundheitszustand, bei Adipositas sowie der Krankheitslast durch Bluthochdruck und Diabetes mellitus deutlich schlechter ab", so heißt es unter anderem, "obwohl uns gesagt wurde, dass man auf gesündere Ernährung mehr achte", merkt Christine Nebelung dazu an.

"Mit Blick auf die Befragungsergebnisse von 1973, 1994 und 2004/2008 ist zu konstatieren, dass sich die Lebensbedingungen und das gesundheitliche Befinden der Bevölkerung unserer Untersuchungsregion im Einklang mit der allgemeinen gesamtdeutschen Entwicklung verbessert haben. Besonders deutlich wird dies an der im Zeitverlauf starken Hebung des Bildungsniveaus und der zunehmend besseren Bewertung des gesundheitlichen Befindens…Im Vergleich sind auch die Anteile der Bevölkerung mit eher gesundheitsriskanten Verhaltensweisen tendenziell höher." Als Beispiele werden Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährungsweisen und Bewegungsverhalten aufgeführt.

Prof. Elkeles und sein Mitarbeiterteam stellen allerdings auch Gesundheitspotenziale fest, die für den ländlich-peripheren Raum sprechen, genannt werden die Eigenarbeit im Garten und im Haus, die Dorfgemeinschaft, soziale Kontrolle und gegenseitige Unterstützung und fassen zusammen, "dass die soziale Lage in nordostdeutschen Landgemeinden oftmals problematisch ist und darüber hinaus negative gesundheitliche Effekte für die Bevölkerung zu haben scheint…Der Prozess der politischen Entflechtung, des infrastrukturellen Rückbaus und eines gravierenden Bevölkerungsrückgangs unterstreichen die Notwendigkeit, die Dynamiken dieser Entwicklung weiter zu untersuchen…."

Abschließend verweisen sie auf die Möglichkeiten, denn sie trafen vor Ort lokale Akteure und Initiativen. Sie hoffen, dass sie für die Zusammenhänge zwischen den Lebensbedingungen auf dem Lande, den Möglichkeiten der alltäglichen Lebensführung und der Gesundheit bzw. Krankheitslast der Leute sensibilisieren und sozial- und gesundheitspolitische Maßnahmen anstoßen konnten.

Prof. Thomas Elkeles ist mit Blick auf weitere Schritte sehr zuversichtlich, denn erste Gespräche zu notwendigen Vernetzungs- und Vor-Ort-Aktivitäten konnte er in den zuständigen Ministerien in dieser Woche bereits führen.

Auf Wunsch kann der Abschlussbericht der Landgesundheitsstudie als pdf-Datei zur Verfügung gestellt werden.

Ansprechpartnerin für weitere Fragen
Christine Manthe
Telefon: 0395 5693 160
E-Mail: manthe@hs-nb.de
(idw, 10/2010)

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