Kurssetzung im Ski-Weltcup – Einfluss auf Geschwindigkeit

Jeder dritte Weltcup-Skifahrer erleidet pro Saison eine Verletzung; bei jedem sechsten ist sie gar gravierend. Experten sind sich heute einig, dass sowohl Kurssetzung als auch Geländeeigenschaften stark beeinflussen, wie schnell ein Athlet die Piste hinunterbrettert und damit auch, wie sehr er einem Verletzungsrisiko ausgesetzt ist.

Der Internationale Skiverband FIS hat bei den verschiedenen Disziplinen Regeln zur Kurssetzung in Weltcuprennen aufgestellt, z. B. wieviele Höhenmeter zwischen Start und Ziel liegen dürfen, wieviele Richtungsänderungen ein Lauf aufweisen oder wie gross der minimale Abstand zwischen den Toren sein soll. Diese Regeln definieren jedoch nur gewisse Bandbreiten und lassen den Kurssetzern viel Spielraum.

Je breiter der Kurs, desto langsamer der Athlet

Eine Studie der Norwegian School of Sport Sciences, des SLF und der Universität Salzburg untersuchte nun erstmals wissenschaftlich, wie das Gelände von Abfahrts-, Riesenslalom- und Super-G-Rennen grundsätzlich beschaffen ist, wie die Kurse tatsächlich gesteckt werden und wie diese Faktoren die Geschwindigkeit der Athleten beeinflussen. Dabei zeigte sich, dass das Gelände von Abfahrten flacher ist als bei den anderen Disziplinen. Wie weit die Tore aus der Falllinie in die Horizontale hinausgesetzt werden, variiert zwischen den einzelnen Kurssetzern in den drei Disziplinen relativ deutlich. Der direkte Abstand zwischen den Toren hingegen ist bei allen Kurssetzern meist relativ ähnlich. Beim Riesenslalom und Super-G stecken sie die Tore generell weiter aus der Falllinie, je steiler der Hang ist. In allen drei Disziplinen befinden sich die Tore häufig an Geländeübergängen wie Kuppen oder Mulden.

Die Geschwindigkeit der Athleten hängt sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G und Riesenslalom zu 57% von der Kurssetzung und der Hangneigung ab. Ausser in der Abfahrt sind die Skifahrer umso langsamer unterwegs, je steiler das Gelände wird. Im Riesenslalom lässt sich die Geschwindigkeit am besten verlangsamen, indem der Kurs mehr in die Breite gezogen, d.h. die Tore in der Horizontalen weiter auseinandergesetzt werden. Bei Super-G und auch Riesenslalom führt auch ein kürzerer, linearer Abstand zwischen den Toren dazu, dass die Athleten langsamer fahren.

Erstmals Referenz für Skitrainer

Die Daten für die Studie stammen von verschiedenen Weltcuprennen der Herren aus den Saisons 2010/11 und 2011/2012. Mithilfe von modernster GPS-Technologie vermassen die Forschenden Kurssetzung und Geländeform und erhoben mittels Vorfahrern die Fahrlinie und Geschwindigkeit der Athleten. Die Resultate liefern Skitrainern nun erstmals eine Referenz für ihre Trainingsläufe. Ausserdem können sie dazu beitragen, die Geschwindigkeit in alpinen Weltcuprennen zu regulieren und dadurch das Risiko für Verletzungen zu verringern.

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