Kritisierter Forscher Seralini stellt sich Diskussion an Universität Hohenheim

Mit einer Studie über gesundheitliche Auswirkungen von gentechnisch verändertem Mais bei Ratten sorgte Prof. Dr. Gilles-Éric Séralini im Sommer 2012 europaweit für anhaltendes Medienecho. Umso mehr, als die Studie von anderen Forschern und Behörden als wissenschaftlich unseriös kritisiert wurde. In einer Tagung über wissenschaftliche Ansprüche an die Sicherheitsforschung im Agrarbereich wird sich Prof. Dr. Séralini nun selbst zum Thema äußern – und sich Kritik und Diskussion stellen. Vollständige Ankündigung und Programm der studentischen Mit-Veranstalter unter www.uni-hohenheim.de/presse

Ratten, die mit gentechnisch veränderten Mais gefüttert wurden, wären auffällig häufig an Krebs erkrankt und hätten eine verkürzte Lebenserwartung gezeigt – so lautet verkürzt die Aussage einer Studie von Prof. Dr. Séralini, wie sie vergangenen September über die Medien verbreitet wurde.
Doch die Studie selbst sei wissenschaftlich nicht haltbar, urteilten Forscher und Behörden in den Folgewochen. Die Zahl der Versuchstiere sei zu klein, die statistische Auswertung mangelhaft, die Schlussfolgerungen nicht zulässig. Zu den Kritikern gehörte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Methodendiskussion im Euroforum der Universität Hohenheim
Kritiker forderten Séralini auf, die kompletten Daten des Experimentes sofort offenzulegen. Séralini will die Daten erst schrittweise im Zuge weiterer wissenschaftlicher Veröffentlichungen zur Verfügung stellen. Nun tritt er in einer Tagung an der Universität Hohenheim auf. Der Titel lautet „Sicherheitsforschung im Agrarbereich – am Beispiel der Glyphosatstudie von Prof. Séralini“.
Organisiert wird die Tagung von einem breiten Zusammenschluss studentischer Gruppen und externer Veranstalter. Zu den studentischen Mit-Veranstaltern zählen etwa die „Food Revitalisation and Eco-Gastronomical Society Hohenheim“ und der Arbeitskreis Ökolandbau. Zu den außeruniversitären Veranstaltern zählt vor allem der Verein Gentechnikfreies Europa e.V. (Liste aller Mitwirkenden: siehe Textende.)
Inhaltlich erhoffen sich die Organisatoren eine Diskussion auf der Meta-Ebene. „Uns geht es zum Beispiel um den Einfluss der Wissenschaft auf öffentliche Diskussionen und die Verantwortung, die sich daraus für Wissenschaftler ergibt“, meint etwa Felix Hegwein, stellvertretender Vorsitzender der studentischen Gruppe FRESH.
Die Tagung selbst besteht aus drei Blöcken: Der Beginn gehört Prof. Dr. Séralini, der seine Studie präsentiert. Eine kritische Auseinandersetzung mit Séralinis Methodik und seinen Schlussfolgerungen übernimmt Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, ehemals Leiter des Molekularbiologischen Zentrums an der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe, der auch schon in Hohenheim dozierte.
Um die Mittagszeit referieren zwei Vertreter von Organisationen, die sich ihrerseits kritisch mit Gentechnik und Biotechnologie auseinandersetzen. Ihr Thema ist die Zulassungspraxis der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und die Studien, die dort für die Zulassung genveränderter Pflanzen gefordert werden.
Ebenfalls angefragt waren Vertreter der EFSA, der Arbeitsgemeinschaft Glyphosphat und des Landes Baden-Württemberg.
Ausklang ist eine Round Table Diskussion mit den Referenten mit SWR-Journalist Manfred Ladwig als Moderator.

Universität erlebt heftige Kritik bereits im Vorfeld
Auch an der Universität Hohenheim hat die Tagung schon im Vorfeld erhebliche Diskussionen ausgelöst.
„Die Universität und unsere Studierenden wurden kritisiert, dass sie einem Forscher eine Plattform bieten, dessen Studie von anderen Wissenschaftlern als methodisch unzureichend angesehen wird“, erklärt Rektor Prof. Dr. Stephan Dabbert, der die Veranstaltung mit einem Grußwort einleiten wird.
Auch wegen der externen Organisationen, die mit der Idee zu der Veranstaltung an die Studierenden herangetreten waren, erreicht die Universität der Vorwurf, die Veranstaltung werde einseitig sein.
„In meinem Grußwort werde ich deshalb herausstreichen, dass ich die Universität als ureigensten Ort der Redefreiheit und der Diskussion ansehe. Es ist die Aufgabe der Universität die kritische wissenschaftliche Diskussion zu ermöglichen und zu pflegen. Beim Thema Grüne Gentechnik scheint eine rein wissenschaftliche Diskussion besonders schwierig zu führen, da verschiedene Ebenen der Debatte miteinander vermischt werden. Neben der wissenschaftlichen Ebene gibt es eine Debatte auf der Regulierungsebene, der wirtschaftlichen Ebene und der politischen Ebene. Mein Wunsch wäre, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung an diesem Tag im Zentrum steht und zu einem Konsens führt, wie etwa eine Studie aussähe, die von Gegnern und Befürwortern der Gentechnik als wissenschaftlich haltbar angesehen wird.“

Veranstalter
Gentechnikfreies Europa e.V. (V.i.S.d.P.), European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), Aktionsbündnis gentechnikfreies Baden-Württemberg, Albert Schweizer Stiftung, Brot für die Welt

Studentische Mit-Veranstalter
Food Revitalisation and Eco-Gastronomical Society Hohenheim (FRESH), Arbeitskreis Ökolandbau AKÖ, Grüne Hochschulgruppe Hohenheim, Greening Hohenheim, Global Campus, AK Cafete
Text: Klebs

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