Kreidezähne bei Kindern: Was Eltern tun können

Kreidezähne treten bei Kindern immer häufiger auf. Die sogenannte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) sorgt dafür, dass die Zähne zuerst gelb und fleckig werden. Anschließend sind sie porös und können sogar abbrechen. Die Ursache konnte bislang nicht geklärt werden. Die neuartige Zahnvolkskrankheit lässt sich weder vermeiden noch heilen. Aber auch Kreidezähne können bei richtiger Pflege ein Leben lang halten.

Was sind Kreidezähne?

Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz: MIH, ist der Fachbegriff für die sogenannten Kreidezähne, die bei Kindern zunehmend auftreten. Bei vielen 12-Jährigen in Deutschland ist nach Aussage der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz mindestens ein MIH-Zahn vorhanden. Diese beruft sich dabei auf die Ergebnisse einer repräsentativen Studie aus dem Jahr 2017.

Bei der Hypomineralisation handelt es sich um eine Zahnentwicklungsstörung mit Zahnschmelzdefekten. Besonders betroffen sind die ersten Molaren (Backenzähne) und die Inzisiven (Schneidezähne). Im Schmelz der Zähne werden nicht genügend Mineralien eingelagert, was zu einer erhöhten Kariesanfälligkeit führt. Die Ursache für das Entstehen von Kreidezähnen ist jedoch unklar.

Typische Merkmale für Kreidezähne sind weißlich-cremefarbene bis gelblich-braune Flecken sowie Furchen auf der Zahnoberfläche. Im weiteren Verlauf können die Zähne porös werden. Sie sind sehr kälte- und wärmeempfindlich und brechen leicht.

Sollten Eltern vorsorglich eine Zahnzusatzversicherung für ihre Kinder abschließen?

Grundsätzlich sollte eine Zahnzusatzversicherung so früh wie möglich abgeschlossen werden, denn sobald eine zahnärztliche Behandlung angeraten oder abzusehen ist, kann der Schadensfall nicht mehr über die Versicherung abgewickelt werden.

Ob Kinder Kreidezähne bekommen werden oder nicht, ist nicht abzusehen.

Unabhängig davon kann es durchaus sinnvoll sein, eine Zahnzusatzversicherung für Kinder abzuschließen. Diese übernimmt beispielsweise die Kosten für Prophylaxe, eine Erstattung bei Zahnfehlstellungen und anderen zahnmedizinischen Behandlungen, die die Krankenkasse nicht trägt. Eltern sollten dies im individuellen Fall entscheiden.

Wie und wann entstehen Kreidezähne?

Etwa zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr entwickelt sich der Schmelz der ersten bleibenden Schneide- und Backenzähne. In diesem Zeitraum muss somit der Defekt auftreten. Allerdings ist die Ursachenforschung bei Kreidezähnen schwierig. Mögliche Ursachen sind:

  • Windpocken
  • Vitamin-D-Mangel
  • Infektionen
  • Einflüsse durch den Weichmacher Bisphenol A
  • Einnahme von Antibiotika

Auch Erkrankungen der Mutter während der Schwangerschaft oder Komplikationen bei der Geburt (zum Beispiel Sauerstoffmangel) stehen auf der Liste der möglichen Ursachen. Eventuell müssen auch mehrere Faktoren gleichzeitig zusammenkommen. Dies ließ sich bisher nicht klären.

Was jedoch bekannt ist: Die Ernährung zählt nicht zu den auslösenden Ursachen bei MIH. Eltern müssen sich also keine Vorwürfe machen, dass ihr Kind möglicherweise zu viele Süßigkeiten gegessen haben könnte oder sie auf zu wenig Mundhygiene geachtet haben.

Was kann man gegen Kreidezähne unternehmen?

Um Kinderzähne richtig zu schützen und Karies vorzubeugen, sind vor allem zwei Dinge wichtig: regelmäßiges Zähneputzen und der Verzicht auf Süßes. Aber was können Eltern und ihre Kinder gegen Kreidezähne tun, die sich ja nicht verhindern lassen?

Eltern sollten die Entwicklung der Backen- und Schneidezähne ihrer Kinder genau beobachten. Je früher eine Schädigung der Zähne entdeckt wird, desto besser. Besonders wichtig ist der regelmäßige Gang zum Zahnarzt. Dieser kann im Zweifelsfall MIH diagnostizieren. Ist das der Fall, wird der Arzt die Kinderzähne häufiger überprüfen.

Fluorid gegen Karies

Bekanntermaßen können sich auf zerfurchten, rauen Oberflächen schnell bakterielle Beläge bilden. Diese sind die Ursache von Karies. MIH-Zähne haben eine schlechtere Substanz als gesunde Zähne, was sie noch anfälliger für Karies macht. Eltern sollten ihre Kinder deshalb beim Zähneputzen unterstützen, damit die Zähne, insbesondere die Rillen, gründlich gereinigt werden.

Gegen Karies hilft vor allem Fluorid. Mediziner empfehlen die Anwendung, schon bevor Kinder bleibende Zähne bekommen. Nicht selten wird vergessen, dass auch die Milchzähne Pflege benötigen. Bereits in den ersten Jahren können Eltern ihre Kinder spielerisch an das tägliche Zähneputzen gewöhnen. Dazu gehört auch das Ausspucken der Zahnpasta nach dem Putzen, damit keine zu großen Fluoridmengen in den Körper gelangen. Eine sichere Alternative zu Zahncreme sind in den ersten Jahren Tabletten mit einer genau dosierten Menge an Fluorid. Diese werden von Kinderärzten verschrieben.

Ansonsten gilt: Zweimal täglich mit einer für Kinder geeigneten Fluorid-Zahnpasta die Zähne gründlich putzen. Die Dosierung sollte stets dem jeweiligen Alter angepasst werden:

  • Kinder unter zwei Jahren: eine reiskorngroße Menge Fluorid-Zahnpasta für Kinder
  • Kinder ab zwei Jahren: eine erbsengroße Menge Fluorid-Zahnpasta für Kinder

Nach dem Durchbruch der ersten bleibenden Zähne kann auf eine Kinder- oder Erwachsenen-Zahnpasta mit höherer Fluorid-Menge zurückgegriffen werden. Ergänzend können die Zähne einmal pro Woche mit einem Fluorid-Gelee oder einer fluoridhaltigen Mundspüllösung gereinigt werden.

Weitere Maßnahmen

Weiterhin können Eltern folgende Maßnahmen ergreifen, um das Risiko einer Erkrankung so gering wie möglich zu halten:

  • Beim Kauf von Lebensmitteln sollte auf Plastikverpackungen grundsätzlich verzichtet werden. Lebensmittel im Kühlschrank sollten besser in Glasgefäßen statt in Plastikschalen gelagert werden.
  • Vor allem im ersten Lebensjahr sollten Kinder kein Spielzeug aus Plastik bekommen. Insbesondere aus minderwertig verarbeiteten Produkten können sich chemische Stoffe lösen, die das Hormonsystem der Kinder schädigen und zudem Kreidezähne verursachen können. Spielzeuge aus unbehandeltem Holz sind eine gute und gesunde Alternative.
  • Der beliebte Fruchtmus-Beutel ist nicht gut für die Zähne von Kleinkindern. Durch stetiges Nuckeln am Beutel kommen die Zähne mit Säure und Zucker in Berührung. Dadurch erhöht sich das Risiko für Karies. Der Nuckel besteht zudem häufig aus Plastik und kann wiederum chemische Stoffe enthalten, die in den Körper des Kindes gelangen.

Wann ist eine ärztliche Therapie notwendig?

Nicht jeder Kreidezahn muss behandelt werden. Oft handelt es sich lediglich um Verfärbungen, die keiner zahnärztlichen Behandlung bedürfen. Nur wenige MIH-Kinder benötigen wirklich eine Therapie.

Bei leichten Ausprägungen, wenn der Zahn noch ausreichend Schmelz hat, reichen neben einem hochkonzentrierten Fluoridlack regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt. Gegebenenfalls trägt der Zahnarzt ein Kunststoffmaterial auf den betroffenen Zahn auf, um die Furchen zu versiegeln.

Hat ein MIH-Zahn viel Zahnschmelz verloren, kann der Zahnarzt eine vorläufige oder endgültige Füllung einsetzen. Teilweise werden auch Teil- oder Vollkronen eingesetzt. Nur in sehr schweren Fällen muss der Zahn gezogen werden.

Mit der richtigen Pflege sowie verschiedenen Behandlungen und Techniken lassen sich also auch Kreidezähne ein Leben lang erhalten und, wenn nötig, wieder aufbauen.

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