Neue Chancen in der Krebstherapie: Troisdorf erhält Linearbeschleuniger der modernsten Generation

Die Praxis für Strahlentherapie Bonn-Rhein-Sieg am St. Josef-Hospital Troisdorf hat einen Linearbeschleuniger neuester Generation in Betrieb genommen. Das Gerät ermöglicht eine zuvor nicht gekannte Präzision bei der Bestrahlung von Tumoren. Für den deutschlandweit einmaligen Linearbeschleuniger wurde die Praxis um einen Anbau mit rund 400 qm Nutzfläche erweitert.

Linearbeschleuniger dienen der Bestrahlung von Tumorgewebe mit dem Ziel, dieses durch Elektronen- oder Röntgenstrahlung zu zerstören. Ihr Einsatz ist etablierter Bestandteil moderner Krebstherapie, rund 60 Prozent aller Tumorpatienten werden bestrahlt. Die Crux dabei: Die Strahlen müssen extrem präzise auf den Sitz des Tumors gelenkt werden, um gesundes Gewebe nicht unnötig zu zerstören. Moderne Linearbeschleuniger passen daher die Strahlendosis und das Bestrahlungsfeld während der Bestrahlung fortlaufend der Form und Lage des Tumors an („dynamische intensitätsmodulierte Strahlentherapie – IMRT“).

Das jetzt in Troisdorf installierte Gerät vom Typ „Varian TrueBeam“ stellt hinsichtlich dieser Anpassungsleistung die Spitze des derzeit technisch Möglichen dar: Das Gerät erfasst während eines Umlaufs um den Patienten bis zu 100.000 Datenpunkte anhand derer es die Präzision seiner Strahlenabgabe alle zehn Millisekunden überprüft. Die Modulation des Röntgenstrahls geschieht in Schritten von unter einem Millimeter, indem sich fortlaufend computergesteuerte Bleilamellen in den Strahlengang schieben. Die Leistungsfähigkeit des „TrueBeam“ übertrifft sogar einen 2009 im Bad Godesberger Standort der Praxis installierten Linearbeschleuniger, der mit seiner „RapidArc“ genannten Technologie ebenfalls zur modernsten Gerätegeneration gehört. „TrueBeam“-Geräte sind nach Wissensstand der Praxis europaweit zehn installiert, in Deutschland verfügt die Troisdorfer Praxis über das erste Gerät.

„Der große Wert des TrueBeam liegt in der Schonung des gesunden Gewebes. Durch die zuvor nicht gekannte Schnelligkeit und Präzision kann beispielsweise ein Lungentumor, der sich durch die Atmung bewegt, so bestrahlt werden, als stünde er still. Die gesunden Bereiche der Lungen werden so optimal geschützt“, erläutert Dr. Dirk Völzke, Partner in der Praxis für Strahlentherapie. „Durch die Technik werden zudem schwer erreichbare Tumoren in unmittelbarer Nachbarschaft von strahlenempfindlichen Organen, die bisher nicht bestrahlt werden konnten, einer Bestrahlung zugänglich“, so Völzke weiter. Interessant aus Patientensicht ist auch die verkürzte Behandlungsdauer, die TrueBeam ermöglicht: So können komplexe Bestrahlungen, die bisher bis zu einer Stunde dauerten, mit dem neuen Gerät auf zehn bis 20 Minuten verkürzt werden, eine Standardbestrahlung dauert nur wenige Minuten.

Für die Installation des Linearbeschleunigers wurde die Praxis um einen Anbau mit rund 400 qm Nutzfläche erweitert. Untergebracht ist das Gerät in einem so genannten Strahlenbunker mit fast zwei Meter dicken Wänden und einer 22 Tonnen schweren Spezialtür. Für den Bunker wurden rund 700 Tonnen Normalbeton und 650 Tonnen Barytbeton, ein besonders strahlendichter Spezialbeton, verbaut. Die Erweiterung ist ein Gemeinschaftsprojekt des St. Josef-Hospitals und der strahlentherapeutischen Praxis: Während die Praxis für die Investition in die Geräte verantwortlich zeichnet, wurde die Immobilie durch das Krankenhaus errichtet. Bestrahlt werden sowohl stationäre Patienten des Krankenhauses wie ambulante Patienten auf Überweisung.

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