Krebserkrankungen in Deutschland – jeder Patient sollte die gleichen Chancen haben

Krebserkrankung, Bessere Wirkstoffe gegen Krebs, Mund-Rachen-Krebs

Krebserkrankungen. Auf der Eröffnungspressekonferenz forderten sie insbesondere einen rascheren Transfer des medizinischen Wissens in die Versorgung und den Zugang zu innovativen Therapien, unabhängig vom Wohnort. Für die künftigen Herausforderungen bedürfe es zudem gut ausgebildeter, kompetenter medizinisch-wissenschaftlicher Nachwuchskräfte.

„Dank medizinischer Innovationen ist Krebs heute besser behandelbar als noch vor wenigen Jahren“, erklärte Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Kongresspräsident des Deutschen Krebskongresses 2020. „Für die Betroffenen ist es wichtig, dass innovative Therapien, die sich in der Versorgung bewähren, möglichst rasch zu medizinischen Standards werden, die überall gelten und gleich umgesetzt werden. Das gelingt nur, wenn Ärzteschaft und Betroffene auch gut darüber informiert sind.“ Neben den Fortschritten in der Chirurgie und in der Strahlentherapie seien es vor allem innovative zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien, die als vielversprechende Ansätze der Krebsbekämpfung gelten, und auf dem Kongress vorgestellt werden.

Krebserkrankungen

Die Erforschung der zellulären Immuntherapie begann vor ungefähr 40 Jahren mit der Transplantation von Knochenmark. „Schon früh war klar, dass das Knochenmark eines Spenders dem eigenen, immungenetisch gleichen Knochenmark, überlegen ist. Patienten und Patientinnen mit einer leichten, chronischen Graft-versus-Host-Reaktion, bei der die Immunzellen des Spenders die Körperzellen des Empfängers kontrolliert angreifen, hatten weniger Rückfälle und überlebten besser“, so Prof. Dr. em. Hans-Jochem Kolb, der 1975 die erste Knochenmarktransplantation in Deutschland durchführte. Heute werden die Blutstammzellen meist nicht dem Knochenmark, sondern dem Blut des Spenders entnommen. Darüber hinaus existieren zahlreiche neue Ansätze der onkologischen Immuntherapie. Doch auch an der Graft-versus-Host-Reaktion nach einer allogenen Stammzelltransplantation wird noch immer geforscht: Denn in manchen Fällen verläuft sie lebensbedrohlich und eine verlässliche Prognose, welche Patienten und Patientinnen stark davon betroffen sein werden, ist derzeit nicht möglich. Die Ärztin Dr. Cornelia Link-Rachner vom Universitätsklinikum Dresden arbeitet deshalb an der Schnittstelle von Labor und Klinik daran, mit neuen Methoden die Vorhersage des Therapieausgangs zu verbessern. Mit hochmodernen sogenannten Next-Generation-Sequencing (NGS)-Methoden analysiert sie bestimmte T-Zellpopulationen nach der Transplantation, um mehr über die Graft-versus-Host-Reaktion zu lernen.

Das Beispiel zeige, wie wichtig es sei, Wissen aus der Anwendung einer Therapie zu sammeln, um vorhandene Evidenzlücken zu schließen und Nebenwirkungen zu reduzieren. Das gelte besonders für innovative komplexe medizinische Verfahren, so Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft: „Viele Fachleute setzen sich deshalb mittlerweile dafür ein, dass neue Therapien zunächst nur von wenigen Innovationszentren mit dem entsprechenden Know-how verantwortet werden; sie sollten sich zur Teilnahme an spezifischen Qualitätssicherungsmaßnahmen und an industrieunabhängigen Registerstudien verpflichten und dabei eng mit den Leistungserbringern zusammenarbeiten, die die Betroffenen am Wohnort betreuen.“

Ein rascher Innovationstransfer erfordert jedoch nicht nur eine bessere Vernetzung von Forschung und Versorgung, sondern auch kompetente medizinisch-wissenschaftliche Nachwuchskräfte, die sich für die Arbeit an der Schnittstelle von Labor und Versorgung begeistern. Mittlerweile droht in Deutschland ein deutlicher Nachwuchsmangel von wissenschaftlich tätigen Ärztinnen und Ärzten. Denn leider sei es für junge Ärztinnen und Ärzte nicht immer leicht, Facharztweiterbildung und Forschung in Einklang zu bringen, bestätigte Link-Rachner, die als Nachwuchsgruppenleiterin seit 2019 durch das Förderprogramm „Mildred-Scheel-Nachwuchszentren“ der Deutschen Krebshilfe gefördert wird. „Mit den ‚Mildred-Scheel-Nachwuchszentren zur Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Krebsforschung‘ wollen wir vor allem Rahmenbedingungen und langfristige berufliche Perspektiven für klinisch-wissenschaftlich tätige Ärztinnen und Ärzte sowie auf dem Gebiet der Medizin tätige Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler schaffen, die beispielsweise auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlauben. Die Zentren können aber nur ein erster Schritt sein, um dem drohenden Mangel an jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu begegnen“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Das Programm ermöglicht fünf medizinischen Fakultäten in Deutschland den Aufbau nachhaltiger Strukturen. „Die Deutsche Krebshilfe erwartet, dass die Wissenschafts- und Gesundheitspolitik auf diese Initiative reagiert und sehr bald auch flächendeckend Strukturverbesserungen schafft.“

Der Deutsche Krebskongress 2020

Der 34. Deutsche Krebskongress findet vom 19. bis 22. Februar 2020 in Berlin statt. Unter dem Motto „informativ. innovativ. integrativ. Optimale Versorgung für alle“ informieren sich rund 10.000 Experten über die jüngsten wissenschaftlichen, medizinischen und gesundheitspolitischen Entwicklungen und diskutieren ihre Aufgaben von heute und morgen. Der größte und wichtigste deutschsprachige Kongress zur Krebsdiagnostik und -therapie wird von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe gemeinsam ausgerichtet. www.dkk2020.de

Starke Partner im Kampf gegen Krebs

Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation des 1900 gegründeten „Comité für Krebssammelforschung“ – ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. In der DKG vertreten sind über 8.000 Einzelmitglieder in 25 Arbeitsgemeinschaften, die sich mit der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen befassen; dazu kommen 16 Landeskrebsgesellschaften und 36 Fördermitglieder. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und konsequenten Qualitätsstandards, ist Mitinitiator des Nationalen Krebsplans und Partner der „Nationalen Dekade gegen den Krebs“. www.krebsgesellschaft.de

Die Deutsche Krebshilfe wurde am 25. September 1974 von Dr. Mildred Scheel gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Krebserkrankungen in all ihren Erscheinungsformen zu bekämpfen. Unter dem Motto „Helfen. Forschen. Informieren.“ fördert die Stiftung Deutsche Krebshilfe Projekte zur Verbesserung der Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie, medizinischen Nachsorge und psychosozialen Versorgung, einschließlich der Krebs-Selbsthilfe. Ihre Aufgaben erstrecken sich darüber hinaus auf forschungs- und gesundheitspolitische Aktivitäten. Sie ist ebenfalls Mitinitiator des Nationalen Krebsplans sowie Partner der „Nationalen Dekade gegen Krebs“. Die Deutsche Krebshilfe ist der bedeutendste private Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung – unter anderem der Krebsforschung – in Deutschland. Sie finanziert ihre gesamten Aktivitäten ausschließlich aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen der Bevölkerung. www.krebshilfe.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Pressekontakt Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Dr. Katrin Mugele
Tel: +49 (0)30 322 9329-60
presse@dkk2020.de

Pressekontakt Stiftung Deutsche Krebshilfe
Christiana Tschoepe
Tel: +49 (0)228 72990-273
presse@dkk2020.de

Weitere Informationen:

http://www.krebsgesellschaft.de


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