Kreatives Engagement bewegt diabeteskranke Kinder und Jugendliche

Soziales Engagement bei Bayer Vital – das Beispiel Fine Star

FINE-STAR 2010 verliehen – wieder Diabetesprojekte für Kinder und Jugendliche mit Diabetes ausgezeichnet

Als der achtjährige Andreas mit sechs Jahren plötzlich an Typ1-Diabetes erkrankte, änderte sich über Nacht nicht nur sein eigenes Leben. Auch für seine Schwester Caroline ist seitdem nichts mehr so, wie es vorher einmal war. Sie musste viel lernen über Andreas‘ Diabetes und lernen, Rücksicht zu nehmen. Auf ihren Bruder und dessen Krankheit, die seither vieles beherrscht und Spontanität im Alltag der Familie schwierig macht. Eigentlich weiß Caroline, dass ihre Eltern sie genau so lieb haben wie Andreas. Aber manchmal nervt es sie trotzdem, dass ihr Platz in der zweiten Reihe ist. Und als ihr großer Bruder vor kurzem unterzuckerte und alle Angst um ihn hatten, da fragte sie sich einen kurzen Moment, ob es vielleicht sogar ihre Schuld ist und ob sie besser auf ihn hätte aufpassen müssen.

Kinderdiabetes – Wenn Insulinpen und Insulinpumpe das Familienleben bei einem Kind mit Diabetes bestimmen
„Wer kümmert sich eigentlich um die Geschwisterkinder, wenn der Diabetes plötzlich die ganze Familie im Griff hat?“, fragten sich vor zwei Jahren Dr. Dörte Hilgard, Leiterin der Kinderdiabetesstation am Gemeinschaftskrankenhaus (GKH) Herdecke, und ihr Team. Rund 300 erkrankte Kinder und ihre Familien werden hier betreut. Nicht nur medizinisch. Denn die psychosozialen Folgen, mit denen die betroffenen Familien zu kämpfen haben, sind für viele schwerer zu ertragen als der Umgang mit Messgerät, Insulinpen, Insulinpumpe und Katheder.

Begleiterscheinungen des Diabetes bei Kindern – Geschwisterkinder fühlen sich vernachlässigt
Zu den Begleiterscheinungen des Diabetes gehört auch, dass die Geschwisterkinder mitleiden: Viele vermissen die Aufmerksamkeit der Eltern und die verlorene Unbeschwertheit der Familie. Zu dem Gefühl, für den kranken Bruder oder die kranke Schwester verantwortlich zu sein, mischen sich Angst, Sorge und Wut. Manche ziehen sich zurück, andere rebellieren lautstark. „Manchmal werden Geschwisterkinder auffällig und brauchen irgendwann selbst eine Therapie“, weiß Kinderdiabetologin Dr. Hilgard. In anderen Fällen geht alles gut und das Kind entwickelt eine ausgeprägte soziale Kompetenz und ein gesundes Verantwortungsbewusstsein.

1. Platz des FINE STAR für Idee des Geschwisterwochenendes
Die Geschwisterkinder mit ins Boot zu nehmen, sie nicht auszugrenzen, ihnen zuzuhören und ihnen auch einmal ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken – das ist die Idee des Geschwisterwochenendes, das das Diabetesteam des GKH um Dr. Hilgard im November 2010 zum zweiten Mal organisiert hat. Dafür wurde das Team des Gemeinschaftskrankenhauses (GKH) in Herdecke mit dem 1. Platz des FINE STAR Bayer-Preises für kreative Kinderdiabetesprojekte ausgezeichnet.

„Wenn ein Kind an Diabetes erkrankt, rückt vieles in den Hintergrund. Mitunter werden Geschwister zu „Schattenkindern“. Die Idee des Geschwisterwochenendes fanden wir daher besonders einfühlsam und kreativ“, so Claudia Geis, FINE STAR-Jurymitglied und Leiterin von Bayer Vital/Diabetes Care.

Regeln des sozialen Miteinanders wichtig für die ganze Familie – auch in der Ernährungserziehung
Wichtig für alle Familien sind Regeln des sozialen Miteinanders, die für alle Familienmitglieder gelten und befolgt werden. Und wenn ein Kind mit Diabetes in der Familie ist, sollten diese Spielregeln des Zusammenlebens besonders beachtet werden. Eine Regel davon ist für Prof. Danne die Teilnahme am gemeinsamen Essen und dem Sitzenbleiben bis der Letzte fertig ist. Für ihn gehören nicht gemeinsam eingenommene Mahlzeiten am Familientisch zu einem der großen Fehler in der Ernährungserziehung von Kindern.

KiDS-Kurs hilft mit Regeln bei disziplinierter Einhaltung der Therapie
Auch beim KiDS-Kurs gibt es Regeln, deren Befolgung oberste Pflicht ist – besonders, wenn es um die disziplinierte Einhaltung der Therapie geht. Dabei unterstützt und hilft den Kindern ein 26-köpfiges Team aus Diabetologen, Medizinpädagogen, Diabetesberaterinnen, Diätassistentinnen und MTA. Ihre Basisstation ist der „MedPunkt“, eine Art mobile Diabetesklinik. Rund um die Uhr sind die Betreuer hier im Einsatz, um im Camp eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, die mit einem stationären Aufenthalt vergleichbar ist. „80 Kinder mit Diabetes gleichzeitig zu verpflegen, ist schon eine logistische Herausforderung“, erklärt Doc Milek. Doch dabei bleibt es nicht. Auf dem Programm stehen vor allem Spiele, Radtouren, Ausflüge, Lagerfeuer, Wettkämpfe und – fast unbemerkt – auch altersspezifische Diabetes-Schulungen.

Erfolgsfaktoren des KiDS-Kurs: kein Tabu sind Liebe, Sex, Zärtlichkeit, Diabetes und Drogen
Während die Kleinen spielerisch lernen, was es mit Über- und Unterzuckerung auf sich hat, stehen bei den Großen Themen wie „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ oder „Diabetes und Drogen“ hoch im Kurs. Das persönliche Erlebnis der Kinder, in der Gemeinschaft sportliche und persönliche Herausforderungen zu bestehen, verbunden mit intensiver medizinischer Betreuung – das sind die Erfolgsfaktoren des KiDS-Kurs.

Jedes Jahr eine neue Erlebniswelt: von Rittern, Indianern oder Pokemons
Seit 19 Jahren organisiert der Diabetologe Dr. Karsten Milek den KiDS-Kurs, ein zweiwöchiges Ferienlager für rund 80 Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Jedes Jahr findet das Projekt unter einem neuen kreativen Motto statt. So schlüpften die Kinder in die Welt von Rittern, Indianern oder Pokemons. Sie lebten im All und unter Wasser, feierten den Superstar oder die Mini-WM. Immer dabei: Diabolus, das kleine teuflische Maskottchen, das die Kinder und Jugendlichen auch im vergangenen Jahr begleitete – bei ihrer „Reise“ um die Welt.

Und was macht „Doc Milek“ kurz nachdem die Zelte einer Freizeit wieder abgebaut und verstaut sind? Er verhandelt wieder neu mit den Krankenkassen und streitet mit ihnen für die jungen Diabetespatienten um eine altersgerechte Schulung außerhalb der Klinik. Damit 80 Kids wie Niklas auch im kommenden Jahr wieder dabei sein dürfen, wenn es heißt: Manege frei für den „Circus Diabolus – Best of 20 Jahre KiDS-Kurs“.

Erfolgreiche Bilanz der KiDS-Kurse – 2. Platz beim FINE-STAR
„Mehr als 1500 Kinder konnten bisher an den Camps teilnehmen und viel Mut, Kraft und Wissen für den täglichen Umgang mit dem Diabetes tanken. Das enorme persönliche Engagement, die Organisationsleistung und die Kreativität, die hinter dem KiDS-Kurs stecken, haben uns begeistert“, begründet Claudia Geis, FINE STAR-Jurymitglied und Leiterin von Bayer Bayer Vital/Diabetes Care, die Entscheidung. Die Jury des FINE STAR würdigt das Engagement des Teams um den Diabetologen Dr. Karsten Milek und die Erfolge der Kids-Kurse mit dem 2. Platz bei der diesjährigen Preisverleihung.

„Eine Hand fürs Schiff, eine Hand für dich“ – 3. Platz beim FINE Star für Dr. Carsten Petersen und seine Schlei-Piraten
Das Segeln und der Diabetes – für Dr. Carsten Petersen geht beides nur mit einer guten Navigation. „Was für den Skipper sein Kompass oder der Sextant, ist für Menschen mit Diabetes die Stoffwechselkontrolle“, erklärt der begeisterte Segler. Und weil die Aufregung und die ungewohnte körperliche Anstrengung an Bord den Blutzuckerspiegel schon mal aus dem Ruder laufen lassen, stehen regelmäßige Messungen für die Schlei-Piraten an erster Stelle. Abgelegt wird erst, wenn Blutzucker und Wetterlage kontrolliert und alle Werte notiert worden sind. Dann segeln sie los – in Mannschaften von bis zu acht „Seeleuten“. Auch in diesem Jahr waren die jüngsten Matrosen gerade einmal sechs Jahre alt.

Zum Diabetes „Du“ sagen – Mannschaftsgeist und Teamgedanke sind gefordert
Die persönlichen Erfolgserlebnisse, die sie während der Abenteuertage sammeln, sollen sie im Umgang mit dem Diabetes selbstbewusster machen und die Akzeptanz der Krankheit verbessern helfen. „Auf See lernen die Kinder, zu ihrem Diabetes wieder „Du“ zu sagen“, erzählt Petersen.

Aber auch Mannschaftsgeist und Teamgedanke werden groß geschrieben bei den Schlei-Piraten. Denn nur, wenn alle an einem Strang ziehen, lassen sich die schweren Kähne steuern und Untiefen sicher umschiffen. Wind und Wetter fordern den vollen Einsatz der kleinen Seeleute – dabei muss an erster Stelle jeder auch für sich selbst und die eigene Sicherheit sorgen. „Eine Hand fürs Schiff und eine Hand für dich“, zitiert Dr. Carsten Petersen dann die oberste Seefahrerregel – und wieder lernen „seine“ Schlei-Piraten eine wichtige Lektion fürs Leben.

„Die kleinen Matrosen lernen auf See sehr viel für ihr Leben mit dem Diabetes – und haben dabei sogar noch eine Menge Spaß. Ein Projekt mit Vorbildcharakter“, begründet Jurymitglied Prof. Thomas Danne, Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult, Hannover, die Entscheidung der Jury für den 3. Platz bei der Preisverleihung.

FINE STAR zeichnet zum dritten Mal Projekte für Kinder und Jugendliche mit Diabetes aus
Zum dritten Mal schrieb Bayer Diabetes Care 2010 den FINE STAR aus. Mit den Preisen werden Projekte gewürdigt und gefördert, die sich in besonderer Weise für Kinder und Jugendliche mit Diabetes einsetzen.

Auch diesmal haben sich zahlreiche kinderdiabetologische Einrichtungen und Selbsthilfegruppen beworben – keine leichte Aufgabe für die fünfköpfige Jury, die aus der Vielzahl der kreativen Bewerbungen schließlich die drei Sieger wählte. Anfang 2011 wurden die drei Preisträger im Rahmen des Kirchheim Forums ausgezeichnet. „Auch 2010 haben wir wieder drei Initiativen ausfindig gemacht, die viel bewegen. Sie ermutigen die erkrankten Kinder und ihre Familien darin, den Diabetes anzunehmen und helfen ihnen dabei, die chronische Erkrankung im täglichen Leben zu managen“, so Jurymitglied Prof. Dr. Thomas Danne, Chefarzt im Kinderkrankenhaus auf der Bult.

Eins haben alle Projekte und ihre Initiatoren gemeinsam. Sobald eine Freizeit erfolgreich beendet ist, laufen die Verhandlungen mit den Krankenkassen zur Finanzierung des Kinder- und Jugendveranstaltung im kommenden Jahr an. Für Liam Condon, Geschäftsführer von Bayer Vital, Leverkusen, ist dies Anlass genug, zum nächsten FINE-STAR Verantwortliche von Krankenkassen einzuladen, um den Teams kreativer Diabetesprojekte ein größeres Forum zu geben. Liam Condon: „ Da gibt es sehr viel Bürokratie, die sie bewältigen müssen und oft wird der Aufwand, den sie betreiben, nicht belohnt… Sie helfen den sehr jungen Diabeteserkrankten. Das sind Leistungen, die eigentlich von den Kassen belohnt werden müßten.“

Da der FINE-STAR auch für das kommende Jahr wieder ausgeschrieben ist, sind alle Teams von Diabetesprojekten für Kinder und Jugendliche aufgefordert, sich für den FINE-STAR 2011 zu bewerben. Bewerben Sie sich jetzt oder nominieren Sie andere:
Bayer DiabetesHaus
FINE-STAR: http://www.bayerdiabetes.de

Die FINE STAR Jury 2010

  • Prof. Dr. Thomas Danne (Vorstandsvorsitzender diabetesDE und Chefarzt im Kinderkrankenhaus auf der Bult, Hannover)
  • Nico Münch (15 Jahre, Typ-1-Diabetiker, lebt z.Zt. in Tel-Aviv, Israel)
  • Dr. Katrin Kraatz (Redakteurin beim Kirchheim Verlag)
  • Michael Bertsch (Betreiber von www.diabetes-kids.de und 2. Sieger im Jahr 2009) Claudia Geis (Leiterin Bayer Vital/Diabetes Care)

Mehr Informationen über Diabetes erhalten Sie im Internet unter
www.bayerdiabetes.de

oder über den Bayer Diabetes Service unter der kostenlosen Rufnummer 0800 5088822.

Quelle
Bayer Symposium Kirchheim Forum
Verleihung des FINE STAR 2010
40 kreative Ideen für 25.000 diabeteskranke Kinder

Berlin, 21.01.2011

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