Krankenzusatzversicherung auf dem Prüfstand – Zeitschrift €uro testet 117 Zusatzpolicen

Familie, Gesundheit, Gesundheitstage

Da sich die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung kontinuierlich verschlechtern, steigt die Nachfrage nach Krankenzusatzversicherungen. Sie sollen die Lücken des gesetzlichen Versicherungsschutzes schließen und vor unerwarteten Unkosten schützen. Doch leider können nicht alle Versicherungen mit guten und sinnvollen Leistungen überzeugen. Das Wirtschaftsmagazin „€uro“ hat für die aktuelle Ausgabe insgesamt 117 Krankenzusatzversicherungen unter die Lupe genommen. Wir fassen die Ergebnisse zusammen und erklären, was bei der Auswahl einer Zusatzpolice generell wichtig ist.

Kassenpatienten, die von der Chefarztbehandlung sowie einem Aufenthalt in Ein– oder Zweibettzimmern profitieren möchten, können eine Krankenhauszusatzversicherung abschließen. Sie kann eine optimale stationäre Versorgung gewährleisten und Leistungen sichern, die ansonsten Privatversicherten vorbehalten sind. Für die Ausgabe 3/2016 hat die Zeitschrift €uro stationäre Zusatzpolicen geprüft. Insgesamt wurden 117 Angebote von 39 Versicherern gegenübergestellt. Um die Policen vergleichen zu können, wurden sie verschiedenen Kategorien zugeordnet. Beispielsweise spielte beim Vergleich das Thema Altersrückstellungen eine zentrale Rolle. Je nach dem ob Versicherer Altersrückstellungen bilden, kommt es während der Laufzeit einer Versicherung zu teilweise deutlichen Beitragsanhebungen. Darüber hinaus wurden die Tarife hinsichtlich Leistungen und Preise geprüft.  Folgende vier Kategorien ergeben sich im Test:

  1. Zusatzpolicen mit Zweitbettzimmer ohne Altersrückstellungen
  2. Zusatzpolicen mit Einbettzimmer ohne Altersrückstellungen
  3. Zusatzpolicen mit Zweitbettzimmer mit Altersrückstellungen
  4. Zusatzpolicen mit Einbettzimmer mit Altersrückstellungen

Die geprüften Versicherer stellen im Bereich Krankenzusatzversicherung nicht nur die Krankenhaustarife bereit, sondern auch anderweitige Tarife für Zusatzpolicen. Aus diesem Grund berücksichtigten die Tester im €uro-Versicherungsvergleich 2016 je Kategorie nur den entsprechend besten Tarif der Versicherungsgesellschaften. Mit der Note „sehr gut“ konnten lediglich 13 Angebote aus dem Vergleich hervorgehen. Die folgende Tabelle informiert über diese Tarife sortiert nach Kategorie:

Ohne Altersrückstellungen Mit Altersrückstellungen
Einbettzimmer
  • Axa Komfort Start-U
  • Inter QualiMed Z S1
  • Janitos JA stationär plus
  • Die Bayerische V.I.P. stationär Prestige
  • Barmenia UTopS
  • Axa Komfort-U
  • DFV KlinikSchutz
  • Alte Oldenburger K 50, K/S
Zweitbettzimmer
  • Die Bayerische V.I.P. stationär Komfort
  • Inter QualiMed Z S2
  • DKV KombiMed Krankenhaus KGZ2
  • Arag 262
  • Allianz KrankenhausPlus (KHP02)

Tipps zur Auswahl von Krankenzusatzversicherung

Grundsätzlich sind derartige Tests für Verbraucher natürlich hilfreich. Jedoch sollten die Ergebnisse allein nicht die Entscheidung beeinflussen. Denn wie auch in diesem Fall des €uro Versicherungsvergleichs 2016 wird der Preis der Policen oft mit einem sehr starken Anteil gewertet. Und trotz hervorragender Gesamtbewertungen werden Versicherte, die großen Wert auf Leistung legen, vielerorts enttäuscht. Daher ist es elementar neben den Versicherungsbeiträgen das Leistungsspektrum genau im Auge zu behalten. Im Idealfall wird vor dem Abschluss einer Zusatzversicherung analysiert, welche Leistungen für den individuellen Fall geeignet sind. Wer beispielsweise im Alter nicht unter steigenden Beiträgen leiden möchte, sollte darauf achten, dass der Versicherer Altersrückstellungen bildet.

Die Aufmerksamkeit sollte zunächst immer auf die Leistungen gerichtet werden, da sie darüber entscheiden, ob sich die Investition in die Zusatzversicherung tatsächlich lohnt. Übernimmt eine Krankenhauszusatzversicherung zum Beispiel die Behandlung in Privatkliniken nicht, wenn kein Vertrag mit der Gesetzlichen Krankenkasse des Versicherten vorgewiesen werden kann, könnte sich dieses Detail als überaus ärgerlich erweisen. Gleichzeitig wird das Honorar für Chefärzte oft nur bis zu einem festgelegten Höchstbetrag gezahlt. Ob eine Krankenhauszusatzversicherung Vorteile bringt, ist also nicht garantiert.

Gesetzlich Versicherte sind außerdem gut beraten die Leistungen für Zahnbehandlungen genauestens zu kontrollieren, da die gesetzlichen Kassen hier immer weniger zahlen. „Bei zahnärztlichen Behandlungen ist es beispielsweise keine Seltenheit, dass die Versicherten deutlich mehr als 50 Prozent der Materialkosten für gesundheitlich unverzichtbare Güter, wie Füllungen oder Kronen aus der eigenen Tasche begleichen müssen“, so das Onlineportal unter http://www.krankenzusatzversicherung.com, wo Interessenten die Möglichkeit haben, Krankenzusatzversicherungen anhand individueller Vorgaben zum Leistungskatalog zu vergleichen. Die Stiftung Warentest fügt zum Thema Zahnzusatzversicherungen unter https://www.test.de hinzu: „Die Rechnung für Zahn­ersatz auf einem Implantat kann sich beispiels­weise auf 3 000 Euro belaufen. Die Kasse zahlt davon zurzeit 387 Euro.“ Den Rest müssen Kassenpatienten aus eigener Tasche leisten. Patienten mit guter Zusatzpolice erhalten je nach Leistungskatalog über 2.000 Euro und werden somit merkbar entlastet. Aber auch in Bezug auf Brillen und Medikamente kann es aufgrund der Einschränkungen in der gesetzlichen Krankenversicherung finanziell vorteilhaft sein über eine Zusatzabsicherung zu verfügen.

Generell ist es empfehlenswert mehrere Angebote von unterschiedlichen Versicherern einzuholen und die Leistungen zu kontrollieren. Da sich dieser Vergleich wegen der teilweise markanten Abweichungen mühsam und zeitaufwändig gestalten kann, sind Internet-Vergleichsdienste, wie das zuvor verlinkte Beispiel eine nützliche Alternative. Sie analysieren die aktuellen Angebote auf dem Versicherungsmarkt in wenigen Augenblicken automatisch und erstellen anhand der Vorgaben eine Rangliste, welche Verbrauchern als Orientierung dienen kann.

Die Bedeutung der sogenannten Krankentagegeldversicherung, eine weitere Krankenzusatzversicherung, wird im folgenden Video mit verständlichen Erläuterungen zum Thema vertieft:

Krankenzusatzversicherung

 

Sollte der Antrag auf eine private Krankenzusatzversicherung abgelehnt werden, wie es bei Vorerkrankungen oder fortgeschrittenem Alter der Fall sein kann, ist die Kontaktaufnahme mit der gesetzlichen Krankenkasse ratsam. Einige präsentieren sogenannte Wahltarife, die dann zum Schließen der Versorgungslücken herangezogen werden können. Nachteilig an diesen Tarifen ist, dass die Versicherer diese jederzeit streichen können. Wer Pech hat, zahlt jahrelang ein und erhält nie eine Leistung.

Fazit

Krankenzusatzversicherungen werden insgesamt wichtiger. Schließlich nehmen die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zunehmend ab. Außer der Auslandsreiseversicherung ist jedoch keine private Krankenzusatzpolice ein Muss. Stattdessen ist im Einzelfall zu klären, welche Leistungen Sinn ergeben, um eine Zusatzversicherung zu finden, die bei Bedarf tatsächlich positive Auswirkungen hat.

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