Den vollen Blick durch Kontaktlinsen

Rund 64 % aller deutschen Erwachsenen sind Brillenträger. Doch laut einer Umfrage unter rund 20.000 Betroffenen tragen von ihnen nur knapp 5 % regelmäßig Kontaktlinsen – dabei haben diese viele Vorteile. Kontaktlinsen helfen, eine Fehlsichtigkeit zu korrigieren oder auch Verletzungen des Auges zu behandeln. Die eher seltenen farbigen Kontaktlinsen hingegen dienen in der Regel optischen beziehungsweise kosmetischen Zwecken.

Bereits 1900 wurden die ersten tragbaren Linsen entwickelt

Anders als häufig angenommen, sind Kontaktlinsen keine Erfindung der sogenannten Neuzeit. Bereits im Jahre 1636 entwickelte René Descartes eine Erfindung, in der eine Linse direkt auf dem Auge getragen wurde. Die Forscher Fick, Kalt und Müller arbeiteten Ende des 19. Jahrhunderts diese Idee weiter aus und setzten als Erste Linsen aus Glas auf erkrankte Augen. Jedoch scheiterten die Versuche aufgrund schwerer Reizungen der Augen.

Große Haftschalen aus Glas waren gegen 1900 die ersten brauchbaren Kontaktlinsen. Sie dienten dem Zweck, degenerative und entzündliche Augenerkrankungen zu behandeln. Erst nachdem es möglich wurde, die Linsen präziser zu schleifen, gelang es, auch Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Die ersten Linsen dienten dem Ausgleich von Kurzsichtigkeit und waren mit 23 Millimetern Durchmesser sehr unkomfortabel zu tragen. In den 30er Jahren wurden die ersten Kontaktlinsen aus Kunststoff entwickelt und Anfang 1960 gelang es durch die Erfindung Wasser-speichernden Kunststoffs schließlich, die ersten flexiblen weichen Kontaktlinsen herzustellen.

Kontaktlinsen heute

Die heutigen Kontaktlinsen sind uhrglasförmige, randgeschliffene und hauchdünne Linsen, die in der Tränenflüssigkeit schwimmen und direkt auf das Auge gesetzt werden. Dabei hat der Träger die Wahl zwischen starren, den sogenannten harten Kontaktlinsen, und weichen flexiblen Kontaktlinsen. Diese sind entweder aus quellfähigem Kunststoff oder aus Glas. Obwohl harte Linsen eine längere Eingewöhnungszeit erfordern, sind diese für das Auge deutlich gesünder als flexible Kontaktlinsen, da mit ihnen der Träger sofort erkennen kann, wenn das Auge gereizt ist.

Viele Brillenträger versuchen irgendwann einmal, auf Kontaktlinsen umzusteigen. Die Entscheidung für Kontaktlinsen hat dabei nicht immer ausschließlich kosmetische Gründe. Denn Kontaktlinsen haben durchaus ihre Vorteile:

  • das Blickfeld wird nicht eingeschränkt
  • Kontaktlinsen beschlagen nicht
  • sie verkleinern bei einer Kurzsichtigkeit nicht
  • Linsen vergrößern bei einer Weitsichtigkeit nicht
  • führen nicht zu Problemen bei unterschiedlichen Fehlsichtigkeiten beider Augen
  • korrigieren bei Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) besser
  • helfen bei extremer Fehlsichtigkeit von mehr als 8 Dioptrien

Unter bestimmten Bedingungen übernimmt sogar die Krankenkasse die Kosten für Kontaktlinsen, nicht jedoch die Kosten für die Pflegemittel.

Was ist beim Tragen zu beachten?

Durch das Tragen von Kontaktlinsen wird der Hornhautstoffwechsel beeinträchtigt. Eine Folge daraus kann sein, dass die Hornhaut dauerhaft geschädigt wird. Aus diesem Grund sind auch stets Tragepausen einzulegen. Da verunreinigte Kontaktlinsen eine Infektionsgefahr darstellen, ist beim Umgang auf penible Hygiene zu achten.

Verschieden Faktoren entscheiden über eine Verträglichkeit von Kontaktlinsen. Die Tränenflüssigkeit muss in ausreichender Form vorhanden sein, auch ist die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit entscheidend. Langes Starren auf bestimmte beste Punkte, zum Beispiel PC Monitore, sollte vermieden werden. Um eine ausreichende Versorgung der Linsen mit Flüssigkeit zu erreichen, sollten die Träger öfters blinzeln. Bei zu trockenen Augen helfen Kochsalzlösungen oder spezielle Augentropfen.

 

Die unterschiedlichen Kontaktlinsentypen

Harte Kontaktlinsen

Harte Kontaktlinsen werden auch als formstabile Kontaktlinsen bezeichnet, da sie leicht flexibel sind. Sie sind hoch sauerstoffdurchlässig, sehr leicht und gut verträglich. Der Durchmesser beträgt acht bis zehn Millimeter.

Harte Kontaktlinsen sind:

  • viele Jahre haltbar
  • leicht zu pflegen
  • leicht zu handhaben
  • in der Lage auch starke Fehlsichtigkeit ausgleichen
  • fähig Hornhautverkrümmungen auszugleichen
  • in der Lage Hornhautunregelmäßigkeiten auszugleichen

Harte Kontaktlinsen müssen vom Optiker oder Augenarzt angepasst werden. Die Eingewöhnungszeit dauert einige Tage und muss langsam erfolgen. Abends vor dem Schlafengehen müssen sie dem Auge entnommen, gereinigt und in einer speziellen Aufbewahrungsflüssigkeit bis zum nächsten Einsetzen aufbewahrt werden.

 

Weiche Kontaktlinsen

Weiche Kontaktlinsen passen sich der Form der Hornhaut an und sind flexibel. Ihr Durchmesser beträgt zwischen 12 und 16 Millimetern. Deshalb liegt der Linsenrand auf dem Lidrand.

Weiche Kontaktlinsen sind:

  • nur kurz haltbar
  • leicht zu pflegen
  • leicht zu handhaben
  • komfortabel zu tragen

 

Die Eingewöhnungszeit an weiche Linsen erfolgt deutlich schneller als bei harten. Hier gibt es Tageslinsen, die nach dem Tragen einfach entsorgt werden und keine Pflegearbeiten benötigen.

 

Afokale kosmetische Kontaktlinsen

Kosmetische Kontaktlinsen korrigieren keine Fehlsichtigkeiten und dienen ausschließlich kosmetischen Zwecken. Sie werden auch als Fun-Linsen bezeichnet, da sie in verschiedenen Farben und Mustern erhältlich sind.

Afokale Linsen sind gewöhnliche, weiche Kontaktlinsen und verfügen über die gleichen Eigenschaften. Auch sie sind als Tages-, Zweiwochen- oder Monatslinsen erhältlich. Der ausschließlich kosmetische Tragezweck macht es möglich, dass nicht unbedingt ein Optiker aufgesucht werden muss.

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