Konsolidierungsprozess an der Universitätsmedizin Greifswald erfolgreich eingeläutet

„Die rund 4.900 Mitarbeiter in Forschung, Lehre und Krankenversorgung haben dazu beigetragen, den zukunftsträchtigen Wissenschaftsstandort Greifswald zu stärken und weiterzuentwickeln. Von enormer Bedeutung ist der im vergangenen Jahr eingeläutete Konsolidierungsprozess. Mit einem umfassenden Maßnahmepaket konnte die wirtschaftliche Situation deutlich stabilisiert werden. In drei Jahren soll wieder ein Überschuss erwirtschaftet werden“, kündigte der Vorstandsvorsitzende an.

Mit 192,8 Millionen Euro wurde 2015 der Umsatz in der Krankenversorgung um zwei Millionen Euro gegenüber dem Vergleichsjahr 2014 gesteigert. Insgesamt beläuft sich der Umsatz der Universitätsmedizin Greifswald mit dem Kreiskrankenhaus Wolgast und seinen 14 Verbundunternehmen auf mehr als 215 Millionen Euro. „Im vergangenen Jahr wurden an den 21 Fachkliniken in der Universitäts- und Hansestadt so viele Patienten wie noch nie behandelt. Insgesamt waren es über 178.000 (2014: 169.000), davon 35.793 vollstationär und 2.414 teilstationär in den drei Tageskliniken der Universitätsmedizin“, informierte der Ärztliche Vorstand, Dr. Thorsten Wygold.

Einen Nachwenderekord verzeichnete die Universitätsfrauenklinik. 986 Kinder, 495 Mädchen und 491 Jungen, darunter 13 Zwillingspärchen und einmal Drillinge haben im Eltern-Kind-Zentrum das Licht der Welt erblickt. An der Universitätsmedizin wurden im letzten Jahr 24.506 operative Eingriffe vorgenommen, 7.220 davon ambulant. Die Ärzte und Pflegefachkräfte versorgten 31.000 Notfälle, davon 13.757 stationär. Die Universitätsmedizin als Maximalversorger sowie größter Arbeitgeber und Ausbilder in Vorpommern verfügt über 919 Planbetten inklusive der Betten für die Psychiatrie und 39 Plätze an den Tageskliniken.

Konzentration auf Forschungsschwerpunkte

„In der Forschung haben wir uns drei strategische Schwerpunktziele gesetzt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende und gleichzeitig Wissenschaftliche Vorstand, Prof. Dr. Max P. Baur. „Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit in unseren Fokusbereichen ausbauen, die nationale und internationale Sichtbarkeit unseres Standortes weiter verbessern und noch intensiver translationale Medizin-Forschung betreiben, die dem Patienten in der Krankenversorgung vor Ort unmittelbar zugutekommt.“

Die enge Verbindung von bevölkerungsbezogener Community Medicine und molekularer Medizin zu einer integrierten Translationsplattform für die Entwicklung individualisierter medizinischer Behandlungs- und Präventionskonzepte prägt den Wissenschaftsstandort Greifswald (GANI_MED: Greifswald Approach to Individualized Medicine) seit vielen Jahren. Die wachsende öffentliche Wahrnehmung der lebenswissenschaftlichen Forschung spiegelt sich in der vergleichsweise hohen Drittmittelquote der UMG wider. Sie liegt 2015 mit 18,3 Millionen Euro Drittmittelausgaben und 49,4 Millionen Euro Landeszuschuss für Forschung und Lehre bei 37 Prozent. Ein weiterer Indikator ist das gute bis sehr gute Abschneiden bei relevanten Universitätsrankings, wie 2015 dem CHE Ranking (ranking.zeit.de/che2015/de/) und dem DFG-Förderatlas (dfg.de/sites/foerderatlas2015/). Aufgrund des stabilen Drittmittelaufkommens konnten insgesamt 629 Mitarbeiter mit unterschiedlichen Stellen- und Zeitanteilen aus Drittmitteln finanziert werden. Das entspricht einem finanziellen Anteil von 12,5 Millionen Euro.

Aktuell sind Wissenschaftler der UMG neben rund 30 Einzelvorhaben an mehreren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Programmen beteiligt, so beispielsweise am Sonderforschungsbereich Transregio 34 „Pathophysiologie von Staphylokokken in der Post-Genom-Ära“, am Graduiertenkolleg 1870 „Bakterielle Atemwegsinfektionen – allgemeine und spezifische Mechanismen der Pathogenadaptation und Immunabwehr“ und am Graduiertenkolleg 1947 „Biochemische, biophysikalische und biologisch/medizinische Effekte von reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies auf biologische Membranen“. Die UMG bildet einen Teilstandort des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und gemeinsam mit der Universitätsmedizin Rostock einen Außenstandort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und ist damit in zwei vom Bund langfristig institutionell geförderten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung vertreten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert in den nächsten vier Jahren eine von der Unimedizin Greifswald initiierte Multizenterstudie mit 3,6 Millionen Euro. Ziel ist die Entwicklung eines diagnostischen Tests zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs für die klinische Routine, mit dem die Überlebenschancen betroffener Patienten um 30 bis 40 Prozent verbessert werden sollen.

In der Nationalen Kohorte, einer langfristig angelegten deutschlandweiten epidemiologischen Querschnittsstudie zur Entstehung und Fortschreitung weit verbreiteter Erkrankungen mit insgesamt 200.000 Probanden, verantwortet die UMG im „Cluster Nordost“ die Daten- und Probenerhebung von 20.000 Teilnehmern. Die internationale Vernetzung und Ausstrahlung der UMG zeigt sich 2015 in einer Ausweitung dementsprechend geförderter Projekte. Neben der Fortführung erfolgreicher Vorhaben wie dem grenzüberschreitenden deutsch-polnischen Neugeborenenscreening beginnen aus dem europäischen Horizon 2020-Programm geförderte Projekte zur Erforschung von Autoimmunerkrankungen und das europäische EUthyroid-Vorhaben zur Vermeidung jodmangelbedingter Erkrankungen. Darüber hinaus sind weitere internationale Kooperationsvorhaben geplant, unter anderem im Rahmen der internationalen Vernetzung der Study of Health in Pomerania (SHIP) mit ähnlichen Erhebungen in weiteren Ländern. Nach Brasilien streben auch die Türkei und Polen eine Zusammenarbeit mit Greifswald an. Im Zuge der neuen Förderperiode des grenzüberschreitenden Interreg Va-Programms soll ein deutsch-polnisches Kinderkrebszentrum etabliert werden.

Die seit Jahren anhaltend hohe Nachfrage nach einem Studienplatz in Humanmedizin oder Zahnmedizin an der Unimedizin Greifswald ist weiterhin ungebrochen. 2.306 Bewerber gaben in 2015 im Rahmen des Auswahlverfahrens der Hochschule Greifswald als Erstwunsch in ihrer Bewerbung um einen Medizinstudienplatz an. Diesem Wunsch standen insgesamt nur 132 Studienplätze gegenüber, ein hervorragendes Ergebnis, das im Studiengang Zahnmedizin sogar noch überboten wurde. Hier bewarben sich 510 junge Frauen und Männer um einen der 25 Studienplätze. Keine andere deutsche Hochschule hatte 2015 so viele Bewerber für diesen Studiengang. Die Greifswalder Unimedizin gehört damit weiterhin zur Spitzengruppe der beliebtesten Medizinstudienstandorte Deutschlands. Momentan gibt es 1.378 Studierende der Humanmedizin und 527 der Zahnmedizin an der UMG.

Wirtschaftliche Balance wiedererlangen

Die Universitätsmedizin Greifswald konnte für das Jahr 2014 kein ausgeglichenes Ergebnis vorweisen. Das Defizit belief sich auf 13,5 Millionen Euro. Der aktuelle Jahresabschluss für 2015 wird derzeit vom Wirtschaftsprüfer abschließend geprüft. „Die Konsolidierungsphase ist entsprechend der gesetzten Zielvorgaben erfolgreich angelaufen“, erklärte der Kaufmännische Vorstand Marie le Claire. „Wir gehen bei Bestätigung des Jahresabschlusses von einem erneuten Defizit aus. Bis zum Jahr 2018 soll das Defizit weiter reduziert und wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden“, bekräftige Marie le Claire.

„Unabhängig von den schwierigen finanzpolitischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, unter denen fast alle Krankenhäuser und Unikliniken insbesondere leiden, stehen uns Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung, die Kostenstrukturen im Unternehmen zu beeinflussen. Das ist jedoch ein schwieriger und langfristiger Prozess“, so le Claire weiter. Der Vorstand der UMG setzt dabei insbesondere auf eine konsequente Personalplanung, eine strikte Kostendisziplin und Budgetierung in allen Bereichen, eine Optimierung der Dokumentation und Abrechnung medizinischer Leistungen sowie effektivere Betriebsabläufe.

Gegenwärtig arbeiten in der Hochschulmedizin, im Kreiskrankenhaus Wolgast sowie in den Verbundunternehmen rund 4.895 Menschen. In der Universitätsmedizin, im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) und in der Personalservice Gesundheitswesen GmbH (PGG) am Standort Greifswald sind aktuell 3.983 Mitarbeiter beschäftigt, davon 586 Ärzte, 934 Pflegekräfte sowie 1.093 Mitarbeiter im medizinisch-technischen Dienst, 399 Beschäftigte im Funktionsdienst und 740 weitere Mitarbeiter und 231 Azubis. Der Frauenanteil beträgt 70 Prozent und das Durchschnittsalter der Beschäftigten ist 38 Jahre. 127 Mitarbeiter sind ausländische Fachkräfte, die vor allem aus Syrien, Polen, Jemen, Indien und Italien kommen. 560 Berufsschüler lernen an der Beruflichen Schule der Universitätsmedizin.

Auch wenn der einzige Uniklinikkomplettneubau längst abgeschlossen ist, wächst der Campus am Bertold-Beitz-Platz weiter. Kurz vor der Fertigstellung stehen der Erweiterungsbau der Strahlentherapie (6,5 Mio. €), das Gesundheitszentrum (3,5 Mio. €) und das Elternhaus der Kinderonkologie. Die neue Notaufnahme für rund 20 Millionen Euro aus Landesmitteln wird 2018 in Betrieb gehen. Im Zentrum für mikrobielle Genomforschung, das von Land und Bund mit 27 Millionen Euro finanziert wird, soll ab Sommer kommenden Jahres zusammen mit den Wissenschaftlern der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät Grundlagenforschung zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten betrieben werden. Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen für den Bau des Forschungsclusters IIIa der Unimedizin auf dem Gelände des Campus für rund elf Millionen Euro an; Baustart ist 2018. Der Neubau wird mit dem Forschungscluster III in der Fleischmannstraße verbunden und soll die medizinische Forschung mit Modelltieren dann direkt am Klinik-Campus ermöglichen.

Krankenversorgung im Spannungsfeld zwischen ethischem Handeln und wirtschaftlichen Notwendigkeiten

Trotz der angespannten Krankenhausfinanzierunglage in Deutschland eine menschliche und exzellente Patientenbehandlung sicherzustellen, bezeichnete der Ärztliche Vorstand Dr. Thorsten Wygold als das Kernanliegen in der Krankenversorgung an der Unimedizin. „In einem schwierigen Wettbewerbsumfeld und einer sich verändernden Bevölkerungsstruktur sind auch wir gefordert, die Effizienz der Kliniken noch weiter zu erhöhen.“ Medizinisch stark nachgefragte Bereiche wie die Neurochirurgie, Neurologie, Kardiologie und Psychiatrie sowie bereits bestehende interdisziplinäre Kompetenzzentren sollen dementsprechend gestärkt werden. Das betrifft beispielsweise das Onkologisches Zentrum, das Weaningzentrum und das Gefäßzentrum. Seit dem 1. Januar 2016 bilden Unfallchirurgie und Orthopädie ein gemeinsames Zentrum. „Investieren wollen wir in neue Versorgungsangebote wie die manuelle Medizin, das Dekubituszentrum (Wundzentrum) und den Ausbau der Palliativ- und Altersmedizin.“

Der Ärztliche Vorstand unterstrich zudem, dass sich die Universitätsmedizin auch künftig für einen leistungsstarken Klinikstandort in Wolgast engagieren wird. „Die Strukturmaßnahmen am Kreiskrankenhaus sind uns nicht leichtgefallen. Es handelte sich hierbei um eine Entscheidung für Wolgast und für eine langfristige Perspektive als regionales Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Inzwischen zeigen die Maßnahmen Wirkung; auch das Kreiskrankenhaus befindet sich auf einem erkennbaren Konsolidierungskurs“, hob Wygold hervor.

Ein von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Krankenhausleitung beauftragter Wirtschaftsgutachter hatte die Lage zu Beginn des Jahres 2015 analysiert und festgestellt, dass die Klinik in der bestehenden Struktur nicht zukunftsfähig ist. Zum Jahresende wurde die Frauenklinikabteilung und Geburtshilfe geschlossen, zum 1. Februar 2016 die Pädiatrie.
Mittlerweile befindet sich der Strukturwandel in aktiver Umsetzung. Die Anträge für die Einrichtung einer Palliativstation mit zwölf Betten und einer Geriatrischen Tagesklinik mit 15 Plätzen sowie die Erweiterung der Notaufnahme mit Aufnahmebetten wurden bereits gestellt und sind zum Teil auch schon positiv beschieden worden. Darüber hinaus sind die Planungen für den Neubau der psychiatrischen Tagesklinik durch das Evangelische Krankenhaus Bethanien gGmbH weit vorangeschritten. Der Ärztliche Vorstand kündigte eine Imagekampagne für das Kreiskrankenhaus an, die im März starten und über das künftige Leistungsprofil des Klinikstandortes informieren soll.

Im Kreiskrankenhaus Wolgast mit 375 Mitarbeitern und 180 Betten wurden im vergangenen Jahr 8.039 Patienten stationär und 12.542 Menschen ambulant behandelt. Zurzeit läuft der vierte und letzte Bauabschnitt der Grundsanierung des Hauses, der vom Land mit 9,7 Millionen Euro gefördert und bis 2017 abgeschlossen sein wird.

Ausblick

„Die universitäre Spitzenmedizin steht bundesweit vor vielen Hürden und in einer strukturschwachen Region wie Vorpommern potenzieren sich die Problemfelder“, sagte der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Max P. Baur. Eine auskömmliche Grundfinanzierung von Forschung, Lehre und Krankenversorgung, die Realisierung von innovativen Modellen zur Versorgung der ländlichen Region, den Abbau des Investitionsstaus bei der medizinische Ausstattung sowie die Personalgewinnung bei zunehmendem Fachkräftemangel nannte der Vorstandsvorsitzende die größten Herausforderungen der Zukunft. „Gleichzeitig gilt es, die wissenschaftlichen Schwerpunkte durch gezielte Maßnahmen, Vernetzungen und klugen Einsatz von Ressourcen weiter so zu unterstützen, dass eigenständige Verbundprojekte mit großer Nachhaltigkeit und im Dienste des medizinischen Fortschritts in Greifswald entstehen können. Mit unseren engagierten Mitarbeitern schaffen wir das“, zeigte sich Baur zuversichtlich.

Foto: UMG/Hans-Werner Hausmann
Als letzte Einrichtung zog die HNO-Klinik zum Jahresende in den komplexen Neubau der Unimedizin am Beitz-Campus. Dort steht den Patienten und Mitarbeitern nun eine hochmoderne Ausstattung zur Verfügung – hier Assistenzarzt Markus Blaurock bei einer Untersuchung.

Porträt: privat
Prof. Dr. Max P. Baur ist seit dem 1. Juni 2015 erster hauptamtlicher Dekan der Universitätsmedizin Greifswald und zugleich deren Vorstandsvorsitzender.

Universitätsmedizin Greifswald
Vorstandsvorsitzender/Wissenschaftlicher Vorstand/Dekan
Prof. Dr. rer. nat. Max P. Baur
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E dekamed@uni-greifswald.de

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