Kognitive und alttagspraktische Fähigkeiten von Patienten mit Alzheimer-Demenz lassen sich durch Therapie verbessern

Bei den therapeutischen Strategien gegen Alzheimer-Demenz ist viel in Bewegung, wie teilnehmende Experten eines Satellitensymposiums[1] auf dem diesjährigen Jahrestreffen der internationalen Alzheimer’s Association (AAIC) in Vancouver übereinstimmend feststellten. Künftige Therapieoptionen zielen dabei auf einen additiven Effekt zweier komplementärer Wirkansätze ab und bieten damit neue Perspektiven in der Behandlung der Alzheimer’schen Erkrankung. Hierbei liefert insbesondere die Kombination von Memantine mit dem Cholinesterasehemmer Donepezil Evidenz für die Wirksamkeit.

Auch 2012 trafen sich im Juli erneut mehrere tausend Wissenschaftler aus der ganzen Welt, um auf dem größten internationalen Alzheimer-Kongress – der Alzheimer’s Association’s International Conference (AAIC) – ihre neuesten Ergebnisse auszutauschen und neue Wege zu diskutieren. Neue Therapieoptionen bildeten auf dem von Merz Pharmaceuticals initiierten Symposium im Rahmen des AAIC die Schwerpunkte der Vorträge.

Kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensauffälligkeiten bei der Alzheimer-Demenz nach Störung des cholinergen Transmittersystems des basalen Vorderhirns

Dr. Christopher G. Parsons erklärte, dass die Kombination mit Memantine als N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptoranatagonist und einem Acethylcholinesterase-Hemmer (AChEH) sowohl aufgrund theoretischer Erwägungen, als auch aufgrund von präklinischen Beobachtungen konsequent erscheint. Diese weisen auf die komplementären Wirkungen der Substanzen innerhalb der Neurotransmitterebene hin. Für die kognitiven Beeinträchtigungen und Verhaltensauffälligkeiten bei der Alzheimer-Demenz sind zum einen Störungen des cholinergen Transmittersystems des basalen Vorderhirns verantwortlich. Zahlreiche neuropathologische und tierexperimentelle Studien deuten aber zum anderen darauf hin, dass eine chronische Überstimulation der glutamatergen NMDA-Rezeptoren für neurodegenerative Prozesse und symptomatische Defizite bei Alzheimer-Demenz mitverantwortlich ist. Vermutlich werden cholinerge Neurone im basalen Vorderhirn glutamaterg innerviert, Die Kombinationstherapie aus dem NMDA-Antagonisten Memantine und einem AChEH basiert auf der Rationale, beide gestörte Neurotransmittersysteme zu behandeln. Mit Memantine ist es möglich, auch unter pathologischen Bedingungen eine gestörte glutamaterge Neurotransmission wieder herzustellen bzw. zu unterstützen. Dank der Reduktion des Grundrauschens werden dadurch Signale im Rahmen von Lern- und Gedächtnisprozessen wieder erkannt. [2]

Kombination von Memantine mit Donepezil verbessert die antidementive Wirkung

Professor Pierre N. Tariot vom Banner Alzheimer’s Institute in Phoenix Arizona betonte[3], dass die Kombinationstherapie aus Memantine (20 mg/Tag) und  Donepezil (10 mg/Tag) besonders wirksam ist, wenn es darum geht, die kognitiven und alttagspraktischen Fähigkeiten der Patienten länger zu erhalten. Die Kombination von Memantine mit Donepezil verbessert die antidementive Wirkung der Pharmakotherapie, während unter der Donepezil-Monotherapie sich die Fähigkeiten dagegen weiterhin im Krankheitsverlauf verschlechterten, berichtete der Alzheimerexperte und resümierte damit die Ergebnisse einer 24-wöchigen placebokontollierten Doppelblindstudie an 404 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer Demenz, die entsprechend der Evidenz-basierten Medizin die Kombination der dualen Wirkprinzipen des NMDA-Antagonist Memantine (Glutamtvermittelte Neurotransmission) und dem AChEH Donepezil (cholinerges Defizit) erhielten. Zudem belegt die klinische Studie, dass die kombinierte Behandlung gut verträglich ist.[4]

Dass die kombinierte Memantine-Gabe zu einer stabilen Donepezil-Medikation bei moderater bis schwerer Alzheimerdemenz gut vertragen wird und sich auch positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsbewältigung auswirkt, zeigten auch die Ergebnisse einer post-hoc Analyse zweier placebokontrollierter Doppelblindstudien über 24 Wochen an 592 Alzheimererkrankten. Am Ende der Studien (Woche 24) zeigten signifikant weniger Patienten, die kombiniert Donepezil und Memantine erhalten hatten, eine klinische Verschlechterung als Patienten, die Placebo bekamen (17,9% versus 28,5%, p=0.002). Damit bestätigt sich die Wirksamkeit der Kombination aus Memantine und Donepezil bei Patienten mit moderater und schwerer Alzheimer-Demenz typisch und Studienen-unabhängig und belegt zudem die Wirksamkeit der kombinierten Behandlung im Vergleich zu einer Donepezil-Monotherapie.[5]

S3 Leitlinie „Demenzen“ empfehlen den Einsatz spezifischer Antidementiva

Professor Philip Scheltens betonte, dass nicht umsonst aufgrund der soliden wissenschaftlichen Evidenz die aktuellen Leitlinien verschiedener Länder, darunter auch die  S3 Leitlinie „Demenzen“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) explizit den Einsatz spezifischer Antidementiva empfehlen. AChEH werden bei leichter bis mit mittelschwerer AD, Memantine bei mоderater bis schwerer AD empfohlen. Die Behandlungsrealität zeige allerdings, dass häufig noch Unter- bzw. Fehlversorgungen von Patienten mit AD bestehen. Vor allem kritisierte der Niederländer die Tatsache, dass in der Regel fünf bis zehn Jahre vergehen, bis neueste Erkenntnisse zu kombinierten Therapieoptionen in den Leitlinien berücksichtigt werden.[6]

Nutzen von Memantine bei Alzheimer-Demenz anerkannt

Daher das Fazit der Experten: Mit dem NMDA-Rezeptorantagonist Memantine und AChE-Hemmern stehen heute in der Monotherapie bereits wirksame Antidementiva zu Verfügung. Die Kombination mit einem Acethylcholinesterase-Hemmer (AChEH) und Memantine ist nach heutigem Wissensstand eine der fortschrittlichsten pharmakologischen Behandlungsoptionen, um die Kognition, die Aktivitäten des täglichen Lebens und die globalen Fähigkeiten der Patienten mit Alzheimerdemenz möglichst umfassend zu erhalten.[7] Den Nutzen von Memantine bei Alzheimer-Demenz hat auch kürzlich das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) anerkannt.[8] Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Erstattungsfähigkeit von Memantine bei moderater bis schwerer AD auch weiterhin bestätigt.

Quellen

  1. Satellitensymposium “Linking neurotransmission, guidelines and clinical practice in Alzheimer’s disease” chaired by David Wilkinson, UK Held in conjunction with the Alzheimer’s Association International Conference 2012, 16thJuly 2012, Vancouver, Canada
  2. Christopher G Parsons, Abteilung für präklinische Forschung und Entwicklung, Merz Pharmaceuticals GmbH, Frankfurt am Main, Deutschland, The chain ofneurotransmission, Alzheimer’s Association International Conference 2012, 16thJuly 2012, Vancouver, Canada
  3. Pierre N Tariot, Director, Banner Alzheimer’s Institute, Research Professor of Psychiatry University of Arizona College of Medicine Arizona USA; A dual therapeutic approach in the treatment of Alzheimer’s disease, Alzheimer’s Association International Conference 2012, 16thJuly 2012, Vancouver, Canada
  4. Tariot PN, Farlow MR, Grossberg GT et al.Memantine Treatment in patients with moderate to severe Alzheimer disease already receiving donepezil. JAMA 2004;291:317-324
  5. Hellweg R., Janetzky W, Lemming O, Poster DGPPN 2011; Wirksamkeit von Memantin in Kombination mit Donepezil bei Patienten mit moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz: Resonder-Analysen zur Verzögerung der klinischen Verschlechterung
  6. Philip Scheltens, Department of Neurology, Alzheimer Center VU University Medical Center, Amsterdam The Netherlands Connecting guidelines and health economics to support clinical practice,  Alzheimer’s Association International Conference 2012, 16thJuly 2012, Vancouver, Canada
  7. Schmidtke K et al.; Combination of memantine and cholinesterase inhibitors in the treatment of AD. Key Opinions in Medicine. Neurology News Vol. 1, Issue 1, Jan 2012
  8. G-BA Pressemitteilung Nr. 23/2011; http://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/zum-aufgabenbereich/7/

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