Klausurtagung der DIVI – Die Notfallversorgung muss optimiert werden

Darunter leiden besonders Krankenhäuser, die einen hohen Anteil an Patienten mit Akuterkrankungen aber auch mit chronischen Grunderkrankungen behandeln. Deshalb ging es auf der diesjährigen Klausurtagung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) unter der Leitung des aktuellen Präsidenten Prof. Gerhard Jorch am 19. Juni in Hannover um das Thema „Perspektiven und Visionen der Notfallmedizin“.

Die Zahlen sind alarmierend: Jeder sechste Patient, der in eine Notaufnahme kommt, ist lebensbedrohlich erkrankt oder verletzt. Da die Bevölkerung in Deutschland immer älter und dadurch kränker wird, ist zukünftig mit einem noch größeren Patientenaufkommen in den Notaufnahmen zu rechnen. „Deshalb ist es unser Ziel, eine flächendeckende Verbesserung und nachhaltige Finanzierung der Versorgung von Patienten mit akuten Erkrankungen und Verletzungen zu erreichen“, sagt Privat-Dozent Dr. Hans-Jörg Busch. „Der Notfallmedizin sollte als grundlegendes Element der öffentlichen Daseinsvorsorge eine angemessene Priorität im Gesundheitswesen und eine entsprechende eigenständige Finanzierung eingeräumt werden.“ Interdisziplinäre Notaufnahmen, idealerweise in enger Zusammenarbeit mit den kassenärztlichen Notdiensten und dem Notarzt- bzw. Rettungsdienst, sind dafür am besten geeignet. Es müssen dabei Modelle entwickelt werden, die dem jeweiligen Leistungsvolumen der Krankenhäuser gerecht werden.

„Eine optimale Patientenversorgung erfordert die fachärztliche Kompetenz aus den Fächern Anästhesie, Innere Medizin, Chirurgie, Neuromedizin und Kinderheilkunde mit spezieller notfallmedizinischer Schulung wie sie bereits jetzt durch das DIVI-Curriculum Notfallmedizin erfolgt und perspektivisch mit einer Zusatzweiterbildung Notfallmedizin durch die Bundesärztekammer geplant ist“, erklärt Prof. Andreas Seekamp, Sprecher der DIVI-Sektion „Interdisziplinäre Notaufnahme“. „Deshalb wäre es überaus sinnvoll, wenn Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen bereits während ihrer Weiterbildung verpflichtend eine angemessene Zeit in einer zentralen Notaufnahme arbeiten würden. Hinzu kommen infrastrukturelle Notwendigkeiten, wie die Beseitigung baulicher Defizite und auch eine bessere Kommunikation aller Beteiligten.“ Denn nur so lassen sich aus Expertensicht die Aufgaben der Notfallmedizin optimal umsetzen.

„Eine große Hilfe können gerade bei zeitkritischen Notfällen interdisziplinär und interprofessionell mit den wesentlichen an der notfallmedizinischen Versorgung Beteiligten abgestimmte Algorithmen sein“, erklärt Professor André Gries. „Die Medizin hat das von der Luftfahrt übernommen: Es handelt sich um Checklisten, die die notwendigen Diagnostik- und Behandlungsabschnitte, die optimalen medizinischen Maßnahmen, aber auch organisatorische Punkte in zeitlicher Folge vorgeben und gerade auch bei einem hohen Aufkommen von Akutpatienten ein wertvolles Werkzeug sein können.“
Man geht Punkt für Punkt die Checkliste durch, um dem Patienten zu helfen. „Natürlich können Algorithmen nicht die notfallmedizinische Qualifikation und Erfahrung ersetzen“, sagt der DIVI-Experte. „Sie können aber gerade jüngeren Kollegen dabei helfen, auch in einer unübersichtlichen Situation – und die Herausforderungen in einem Notfall sind nicht selten ungeordnet bei gleichzeitig extrem schnellem Handlungsbedarf – strukturiert zu handeln. Dennoch: Im Vordergrund steht eine gute Qualifikation, weshalb die DIVI auch eine Zusatzweiterbildung für Notaufnahmen bei der Bundesärztekammer beantragt hat.“

Fazit: Angesichts der stetig steigenden Zahl an Notfällen, vor allem bei älteren Menschen und der gleichzeitig sinkenden Bettenzahl, steht die Notfallmedizin vor großen Herausforderungen – sowohl medizinisch als auch finanziell. Es besteht Handlungsbedarf.

DIVI weltweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2000 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften und Berufsverbänden: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften und persönlichen Mitgliedern.

Die Experten der DIVI:
Prof. Gerhard Jorch ist der für die Amtsperiode 2015/16 gewählte DIVI- Präsident sowie Direktor der Universitätskinderklinik in Magdeburg.
Dr. Hans-Jörg Busch ist stellvertretender Sprecher der DIVI-Sektion „Reanimation und Postreanimationstherapie“ sowie Ärztlicher Leiter (Medizin) des Notfallzentrums am Universitätsklinikum Freiburg.
Prof. Andreas Seekamp ist Sprecher der DIVI-Sektion „Interdisziplinäre Notaufnahme“ sowie Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.
Prof. André Gries ist stellvertretender Sprecher der DIVI-Sektion „Interdisziplinäre Notaufnahme“ sowie Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Leipzig.

Gerne vermitteln wir Ihnen unsere Experten für Ihre Anfragen und Interviews sowie Bildmaterial. Um Belegsendung wird im Veröffentlichungsfall gebeten.

Ihre Ansprechpartnerin:
Larissa Vogt

Pressesprecherin
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.
Luisenstraße 45
10117 Berlin
Tel: 030 4000 5635
Fax: 030 4000 5637
Mobil: 0173 6194422

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