Klare Sicht dank Hornhautspende | 1000. Entnahme eines Augenhornhauttransplantats am Universitätsklinikum Ulm

Rund vier Jahre nach Inbetriebnahme der Hornhautbank kann sich die Klinik für
Augenheilkunde über eine sehr hohe Spenderbereitschaft in der Bevölkerung freuen, die
seit dem vergangenen Jahr stark gestiegen ist. Die Gewebespende ermöglicht vielen
Patient*innen mit einer Veränderung der Augenhornhaut – beispielsweise aufgrund von
Verletzungen oder erblich bedingten Krankheiten – eine Wiedergewinnung ihrer
Sehkraft. „Wir erhalten über 80 Prozent unserer Sinneswahrnehmungen über die Augen.
Das macht sie zu unserem wichtigsten Sinnesorgan. Eine Erblindung oder starke
Minderung der Sehkraft ist daher eine riesige Einschränkung im täglichen Leben“, erklärt
Professor Dr. Gerhard Lang, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde. „Daher
möchte ich die Gelegenheit nutzen, um allen Spenderinnen und Spendern aber auch
deren Angehörigen zu danken.“

Da es sich bei Augenhornhäuten um nicht-durchblutetes Gewebe handelt, ist eine
Entnahme bis zu 72 Stunden nach dem Tod möglich. „In der Regel gilt: Personen, die Blut
spenden dürfen, können auch ihre Augenhornhaut spenden“, so Assistenzarzt Arne
Speidel von der Klinik für Augenheilkunde. Ebenso ist die Transplantation aufgrund der
immunologischen Beschaffenheit der Hornhaut weniger kompliziert. In einer
einstündigen Operation wird die Hornhaut behutsam transplantiert. Anschließend
verbringen Patient*innen eine Woche in der Klinik für Augenheilkunde. „Unsere
Patienten bekommen nach der Transplantation gut verträgliche Medikamente.
Antibiotische und cortisolhaltige Augentropfen werden verabreicht, bevor dann die
Nachsorge in der Regel bei einem niedergelassenen Augenarzt erfolgt“, erläutert
Assistenzarzt Arne Speidel.

Berit Vogel kann nach der erfolgreichen Transplantation wieder normal sehen, nur am
Computer und zum Lesen braucht sie eine Brille. Besonders die kräftigen Farben, die sie
kurz nach der Transplantation wieder sehen konnte, haben sie beeindruckt. „Ich glaube,das kann niemand nachvollziehen, der das nicht erlebt hat. Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die bereit sind, ihre Augenhornhaut zu spenden“, sagt die 54-Jährige.

Hintergrundinformationen:
Der Prozess von der Entnahme bis zur Transplantation einer Hornhaut erfolgt am Universitätsklinikum Ulm interdisziplinär. Entscheidet sich eine Person zu Lebzeiten für eine Augenhornhautspende – oder willigen nahe Angehörige ein –, wird zunächst geprüft, ob die oder der Verstorbene für eine Spende geeignet ist. Trifft dies zu, werden die Spenderhornhäute in der Pathologie des Universitätsklinikums Ulm entnommen und zum Ulmer Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik (IKT Ulm) gebracht. In der dortigen Augenhornhautbank werden die Hornhäute prozessiert und hinsichtlich ihrer Qualität und Sicherheit überprüft. Auf schriftliche, patientenbezogene Anforderung seitens der Augenklinik werden sie zur Transplantation in die Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Ulm verschickt, wo sie kurze Zeit später transplantiert werden können. Dies erfolgt, je nach Krankheitsbild, als perforierende Keratoplastik (Transplantation der kompletten Hornhaut), oder als lamelläre Keratoplastik die sogenannte Descemet-Membran-Endothel-Keratoplastik (DMEK, Transplantation einer speziell präparierten Lamelle). Neben der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Ulm versorgt die Augenhornhautbank des IKT Ulm weitere Kliniken in der Ulmer Umgebung.

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