Kinderärzte müssen drauflegen

(djd). Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist die häufigste psychiatrische Erkrankung im Kinder- und Jugendalter. Doch die erforderliche Diagnostik wird in Deutschland oft nicht angemessen honoriert. „Um eine ADHS sicher zu erkennen, sind eine umfassende Untersuchung, verschiedene Tests und Gespräche nötig. Die Fallpauschale von rund 40 Euro pro Quartal für Kinderärzte deckt diesen Aufwand in keinem Fall ab“, so Dr. Kirsten Stollhoff, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte.

Nur eine gute Diagnostik ermöglicht eine gute Therapie

Nur durch eine umfassende Diagnostik gemäß den ärztlichen Leitlinien kann eine ADHS sicher erkannt werden. Die erforderlichen Untersuchungen umfassen Gespräche mit dem Kind, seinen Eltern und mit Lehrkräften, das Auswerten von Fragebögen sowie das Ausschließen möglicher körperlicher Ursachen. Bei Bedarf müssen auch Aufmerksamkeits- und Intelligenztests durchgeführt werden. „Die aktuelle Honorierung führt dazu, dass Kinderärzte, die so untersuchen, wie es sein sollte, die ADHS-Diagnostik aus anderen Einnahmen finanzieren oder aus ihrer eigenen Tasche bezahlen müssen“, so Stollhoff.

ADHS-Verträge können Versorgung verbessern

Die Kassenärztlichen Vereinigungen und einzelne Krankenkassen haben gemeinsam einen Weg gefunden, um die Versorgungssituation junger ADHS-Patienten zu verbessern. Seit 2009 existieren in verschiedenen Bundesländern Verträge zur qualitätsgesicherten Versorgung. Pro Patient und Jahr stellen die beteiligten Krankenkassen bis zu 1.200 Euro zur Verfügung. Die Patienten profitieren von einer leitliniengemäßen Diagnostik und einer multimodalen Therapie. „Die ADHS-Verträge sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, findet Stollhoff. „Wenn wir eine gute Versorgung unserer ADHS-Patienten wollen, brauchen wir Regelungen, die nicht nur eine hohe Qualität von Diagnostik und Therapie gewährleisten, sondern auch die hierfür erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen.“

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