Keine Chance für Viren & Co.

Von unserer dtd-Korrespondentin Paula Schmidt

(dtd). Wenn es draußen nasskalt ist und obendrein ein schneidender Wind weht, bringt man sich schnell einen hartnäckigen Husten, einen Schnupfen oder – schlimmer noch – eine Grippe mit nach Hause. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig das Immunsystem zu stärken und es für die Abwehr zu wappnen. Was dafür getan werden kann und welche Mittel sinnvoll sind, sagt Prof. Dr. med. Dietrich Baumgart, Kardiologe, Internist und Vorsorgemediziner. Baumgart leitet als Ärztlicher Direktor die Klinik Preventicum in Essen.

Erkältung oder Grippe? Im Volksmund wird beides gern „in einen Topf“ geworfen. Dabei kann eine echte Grippe im Gegensatz zur harmlosen Erkältung richtig gefährlich werden, weil sie möglicherweise zu einer Lungenentzündung oder einer Erkrankung des Herzmuskels führt. „Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost – wenn diese Symptome plötzlich auftreten und für ein akutes Krankheitsgefühl sorgen, dann muss man mit einer Grippe rechnen“, sagt Prof. Dr. med. Dietrich Baumgart, Vorsorgemediziner und Ärztlicher Leiter der Klinik Preventicum in Essen. Dagegen machen sich die Symptome einer Erkältung eher schleichend bemerkbar – zum Beispiel, indem die Nase langsam verstopft oder ein erstes Kratzen im Hals verspürt wird.

Wer im Vorfeld schon etwas unternimmt, damit er sich mit diesen Anzeichen erst gar nicht auseinander setzen muss, unterstützt übrigens auch die Abwehr von Krebs, Herzinfarkt oder beispielsweise Alzheimer.

Sport regt die Immunzellen an

„Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass das Immunsystem bei Menschen, die Sport treiben, um 30 bis 50 Prozent stärker ist als bei Nicht-Sportlern“, sagt Prof. Baumgart. Besonders geeignet, um die Abwehr zu stärken, sind Sportarten wie Schwimmen, Walken oder leichtes Joggen. Dahinter steht ein simpler Mechanismus, der sich innerhalb des Körpers abspielt: Bei der Muskelarbeit entstehen zahlreiche kleine Reizungen, die als minimale Entzündungen wahrgenommen werden. Dagegen aktiviert der Körper eine ganze Armee von Immunzellen, die bei regelmäßigem Sport ständig unterwegs sind und so auch andere Krankheiten im Organismus permanent bekämpfen können. Zuviel zumuten sollte man sich dabei allerdings nicht: Leistungssportler oder Marathonläufer schwächen eher ihre Abwehrkräfte, als sie zu stärken.

Der Darm als Zentrum des Abwehrsystems

Beim Thema Erkältung denkt man nicht gleich an seinen Darm. Tatsächlich ist er jedoch laut Vorsorgemediziner Prof. Baumgart eines der wichtigsten Organe der Immunabwehr: „Im Darm arbeiten mehr als 70 Prozent unseres Abwehrsystems, denn dort entscheidet sich, was im Körper verwertet und was ausgeschieden wird. Starke Medikamente, Schadstoffe im Essen, Alkohol oder Stress stören die Darmflora – in der Folge können sich schlechte Bakterien oder Pilze vermehren.“ Weil diese ungebetenen Gäste dem Körper Vitalstoffe entziehen, wird das Immunsystem schwächer – Hautkrankheiten, Allergien und oft auch Erkältungen entwickeln sich. Wie gesund der Darm ist, lässt sich anhand einer mikrobiologischen Untersuchung einer Stuhlprobe beim Hausarzt oder Internisten feststellen. Sollten im Ergebnis die schlechten Keime überwiegen, können ihre guten Gegenspieler mittels Tabletten zugeführt werden und für eine Sanierung des Darms sorgen.

Gut erholt und ausgeschlafen sein

Nur wenn der Körper sich in der Nacht ausreichend im Schlaf erholt, kann seine Abwehr die volle Leistung erbringen. Auch die seelische Ausgeglichenheit sollte stimmen – Probleme wälzen und gestresst sein sind ideale Voraussetzungen dafür, dass man sich mit einer Erkältung ansteckt. Das lässt sich übrigens zusätzlich vermeiden, wenn man für ein besseres Raumklima dort sorgt, wo man lebt und arbeitet: Warme und trockene Luft machen die Schleimhäute empfänglicher für Erkältungsviren, weil sie ausgetrocknet sind. Tipp: Regelmäßig lüften, auf gemäßigte Heizungstemperaturen achten und eventuell einen Luftbefeuchter aufstellen. Wer zudem ausreichend – also etwa zwei Liter pro Tag – trinkt, hält die Schleimhäute feucht und resistent. Apropos Feuchtigkeit: Durch simples Händewaschen werden rund 90 Prozent aller (Erkältungs-)Keime schnell beseitigt.

Wann Impfen sinnvoll ist

Vor der richtigen Grippe kann man sich mit einer Impfung schützen. Das ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vor allem für folgende Gruppen wichtig: Menschen über 60 Jahre; Erwachsene und Kinder, die unter Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes oder Immunstörungen leiden; außerdem all’ jene, für die in ihrem Beruf eine erhöhte Gefahr besteht, sich anzustecken, wie Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Altenheimen. Wichtig: Der Impfschutz beginnt frühestens eine Woche nach dem „Pieks“ und ist erst zwei Wochen danach voll ausgeprägt. Außerdem muss er jedes Jahr aufgefrischt werden. Jetzt im November – also zu Beginn der Grippezeit – ist eine Impfung laut Experten sinnvoll.
(Bild1, Bild2 und Bild3)

Anti-Erkältungsrezepte
Wirksame Tees und Cocktails aus natürlichen Zutaten

(dtd). Das ultimative Rezept gegen Erkältungen ist noch nicht gefunden – aber es gibt eine Reihe hilfreicher Tipps, um das Husten und Schniefen möglichst zu verhindern: Wer zum Beispiel heißen Holundertee trinkt, am besten gesüßt mit etwas Honig, bringt seinen Körper zum Schwitzen und hilft ihm dabei, sich gegen die drohende Erkältung zu wehren. Altbewährt gegen hartnäckigen Husten ist Lindenblütentee, aber auch die Samen des Bockshornklees, die man in Form von Tee zwei- bis dreimal täglich trinkt, können die Beschwerden mildern. Das Abhusten wird erleichtert, wenn dazu viel Wasser oder verdünnte, ungesüßte Fruchtsäfte getrunken werden. Apropos trinken: Auch Tee aus Bambusblättern wirkt gegen Erkältungen. Untersuchungen, die seit 1994 von Wissenschaftlern der Nationalen Universität in Seoul/Südkorea durchgeführt werden, belegen: Durch die Bambusblätter werden im Tee Antioxidantien freigesetzt, die die Zellen im Körper schützen. Gleichzeitig wirkt der Tee antibakteriell, senkt den Cholesterinspiegel, fördert die Verdauung, entwässert und ist teeinfrei.
(Bild4 und Bild5)

Was Großmutter schon nahm

– Ein Rezept aus Großmutters Zeiten ist der Zwiebelsirup gegen Husten: Dafür wird eine mittelgroße Zwiebel fein gewürfelt, gut mit Zucker bestreut und dann zugedeckt stehen gelassen. Der Saft, der sich nach einer Stunde gebildet hat, sollte dann teelöffelweise eingenommen werden. Die Folge: Der Husten wird durch die ätherischen Öle der Zwiebel gelöst, und das in ihr enthaltene Vitamin C stärkt das Immunsystem.

– Scharfe Sache im Einsatz gegen den Hustenreiz: Meerrettich, gerieben und mit Honig sowie mit geraspelten Möhren gemischt, mehrmals täglich eingenommen.

– Anti-Erkältungscocktail: 100 ml Möhrensaft; 100 ml Orangensaft, frisch gepresst; ein halber Teelöffel frischer Ingwer, gerieben; ein Esslöffel Sanddornsaft. Zimmerwarm trinken, am besten vor dem Schlafengehen.

Mit Vitamin C und Inhalieren vorbeugen
Wie Hausmittel im Kampf gegen die Erkältung helfen können

(dtd). Ob man sich eine Erkältung holt oder nicht, das hängt oft von der eigenen Abwehrsituation ab: Wer gut drauf ist, dem macht es meist nichts aus, dass um ihn herum geprustet und geniest wird. Die Tröpfchen-Infektion, die über die Atemluft abläuft, kann seinem Körper nichts anhaben – wohl aber denjenigen anstecken, der in einer schlechten Phase steckt und beispielsweise extrem gestresst ist. „Schnell entwickelt sich dann das berühmte Halskratzen und die Gliederschmerzen beginnen. Doch das ist genau der Moment, in dem man gegensteuern sollte“, sagt Prof. Dr. med. Dietrich Baumgart, Internist und Vorsorgemediziner, der als Ärztlicher Direktor die Klinik Preventicum in Essen leitet. Um das zu tun, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

– Echinacea: Laut einer Untersuchung von Ökotest aus dem Jahr 2009 ist die Wirksamkeit von Echinaceapräparaten nur dürftig bewiesen. Es gibt keine Belege für eine vorbeugende Wirkung der Kräutermedizin, umstritten bleibt der Nutzen in der frühen Behandlung einer akuten Erkältung – allerdings ist der Placeboeffekt nicht zu unterschätzen: Nimmt man das Mittel ein, fühlt man sich wohler, eventuell aus der Einstellung heraus, etwas für die Gesundheit zu tun.

– Pelargonienwurzel: In Form von Tropflösung oder als Tabletten in der Apotheke erhältlich, zum Beispiel unter den Namen Umckaloabo oder Kaloba. Extrakte aus der Pelargonium-Arten werden im Süden Afrikas in der traditionellen Heilkunst verwendet – ob sie bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten definitiv wirken, darüber äußern sich Autoren von Analysen zurückhaltend, unabhängige Studien gibt es noch nicht. Daher muss wohl auch hier von einem Placebo-Effekt ausgegangen werden.

– Hoch dosiertes Vitamin C: „Eine Zitrone zu pressen und den Saft zu erwärmen reicht nicht aus. Wer wirksam sein Immunsystem stärken will, sollte pro Tag 500 Milligramm bis ein Gramm Vitamin C zu sich nehmen – zum Beispiel in Form von Tabletten“, sagt Vorsorgemediziner Prof. Baumgart.

– Ätherische Öle: „Beim Abschwellen der Schleimhäute unterstützen ätherische Öle den Körper“, erklärt Prof. Baumgart. Sie werden zum Beispiel über Nacht als Salbe auf die Brust aufgetragen, wirken aber auch in Kapseln wie etwa das ätherische Öl der Myrte in Gelomyrtol.

– Inhalieren und Spülen: Damit der Schnupfen sich nicht weiterentwickelt und in eine tief in der Lunge sitzende Bronchitis verwandelt, empfiehlt Vorsorgemediziner Prof. Baumgart, Soledum-Balsam zu inhalieren und so die Schleimhäute zu befeuchten. Das muss nicht über eine Schüssel gebeugt unter einem Handtuch geschehen, es gibt in der Apotheke auch spezielle Inhalatoren. Ebenfalls dort erhältlich: Eine Nasendusche, die die Nasenschleimhäute mithilfe einer Salzlösung befreit.

– Leibwickel: „Feuchte Wickel um den Körper entziehen dem Körper durch die Verdunstungskälte das Fieber – ein wirksames Hausmittel, das am besten über Nacht angewendet wird“, rät Prof. Baumgart.

– Paracetamol in Kombination mit Vitamin C: Die Verbindung von Schmerzmittel mit Vitamin C ist besonders beliebt: In einer aktuellen Befragung des Ifak-Institut von rund 24 000 Deutschen zum Thema Erkältungs- und Schnupfenmitteln erklärten zwölf Prozent, sie hätten diese Kombination im Medikament Grippostad innerhalb des vergangenen Jahres verwendet. Prof. Baumgart: „Man sollte allerdings mindestens fünf Tabletten pro Tag nehmen, damit es Wirkung zeigt.“
(Bild6, Bild 7, Bild8)

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